Kapital für’s eigene Unternehmen: Darlehen oder verdeckte Einlage?

08. November 2018 Drucken
Kapital für’s eigene Unternehmen: Darlehen oder verdeckte Einlage?
@ OenB

Manchmal ist es notwendig, dass der 100%ige Gesellschafter-Geschäftsführer seiner GmbH zusätzliches Kapital zuführt. Ob er dies in Form eines Darlehens oder einer verdeckten Einlage macht, hat umfassende steuerliche Folgen, wie Hübner & Hübner unterstreichen. 

Die Entscheidung, ob der Gesellschafter die Kapitalzufuhr in Form eines Gesellschafterdarlehens oder als Einlage in das Eigenkapital der Gesellschaft – etwa in Form einer ungebundenen Kapitalrücklage – gewährt, hat sowohl wirtschaftliche, gesellschaftsrechtliche als auch steuerrechtliche Folgen.

Wichtig im Falle der Insolvenz

Im Falle einer Insolvenz bringt die Gewährung eines Darlehens an die GmbH den geldgebenden Gesellschafter in die Position eines Insolvenzgläubigers. Das bedeutet, dass dieser unter Umständen einen Teil seiner Forderung im Rahmen der Quote noch zurück erhält. Das als Eigenkapital zur Verfügung gestellte Geld ist hingegen im Regelfall verloren. Die Zuführung von Eigenkapital durch Erhöhung der Eigenkapitalquote erhöht die Bonität der Gesellschaft und verbessert das Bankenrating, was wiederum zu besseren Kreditkonditionen führen kann.

Zinszahlungen als Betriebsausgabe

Steuerrechtlich führen die Zinszahlungen aus einem gewährten Gesellschafterdarlehen auf Ebene der GmbH zu einer Betriebsausgabe, sind jedoch vom Gesellschafter mit seinem Einkommensteuertarif zu versteuern. Etwaige erhöhte Gewinnausschüttungen durch die Zuführung von Eigenkapital können nicht steuerlich mindernd geltend gemacht werden. Diese Gewinnausschüttungen unterliegen einer 27,5%igen Kapitalertragsteuer. Die Rückzahlung des Darlehens sowie des Eigenkapitals in Form von Einlagenrückzahlungen sind sowohl beim Gesellschafter als auch bei der Gesellschaft steuerneutral.

Wie Darlehen eines fremden Dritten

Ob die zugeschossenes Geld als Gesellschafterdarlehen oder als Eigenkapital qualifiziert wird, hängt in einem ersten Schritt davon ab, ob zum Zeitpunkt der Darlehensgewährung auch ein fremder Dritter dieser GmbH noch ein Darlehen gewährt hätte. Zudem ist das Eigenkapitalersatz-Gesetz zu berücksichtigen, wonach eine Darlehensgewährung in der Krise der Gesellschaft stets Eigenkapital ersetzend ist. In einem zweiten Schritt ist zu prüfen, ob die vereinbarten Konditionen, wie etwa. Rückzahlungsvereinbarungen, Laufzeit oder Verzinsung auch unter den üblichen Bedingungen wie zwischen gesellschaftsfremden Personen erfolgt wäre.

Steuerpflichtige Ausschüttungen

Wird der Darlehenscharakter eines Zuschusses abgelehnt, wird das Gesellschafterdarlehen umqualifiziert und es liegt verdecktes Eigenkapital vor, auch wenn der Vorgang in ein zivilrechtliches Geschäft gekleidet wurde. Verträge zwischen GmbHs und ihren Gesellschaftern finden nur dann steuerliche Anerkennung, wenn sie

  • nach außen ausreichend zum Ausdruck kommen,
  • einen klaren und eindeutigen Inhalt haben und
  • auch zwischen Fremden unter den gleichen Bedingungen abgeschlossen worden wären.

Eine unklare Vertragsgestaltung, etwa keine Vereinbarung über Rückzahlung oder Verzinsung, sind Anhaltspunkte dafür, dass kein echtes Gesellschafterdarlehen, sondern eine eigenkapitalersetzende Zuwendung – somit Eigenkapital – vorliegt. Die Zinszahlungen der Gesellschaft an den Gesellschafter wären dann kapitalertragsteuerpflichtige verdeckte Ausschüttungen.

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