Neue Lehrlingsförderung: Was die Regierung ändern will

29. November 2018 Drucken
Neue Lehrlingsförderung: Was die Regierung ändern will
@ pixabay

Die Regierung hat ein Paket zur Lehrlingsförderung verabschiedet, um dem Fachkräftemangel zu lindern. Die Mittel für betriebliche Lehrstellenförderung werden verdoppelt. Zudem gibt es 15 neue Lehrberufe. 

87 Prozent von 4.500 befragten Firmen spürten den Mangel, 60 Prozent hätten im vergangenen Jahr Schwierigkeiten bei der Suche nach Mitarbeitern mit Lehrabschluss gehabt.

Überregionale Vermittlung intensivieren

Die Vermittlung von Lehrstellensuchenden zu Ausbildungsbetrieben müsse vor allem auch überregional verbessert werden. Dafür sollen die Geldmittel im Topf der betrieblichen Lehrstellenförderung von 10 auf 20 Mio. Euro verdoppelt werden. Junge Arbeitslose und Asylberechtigte würden dadurch verstärkt an betriebliche Lehrstellen herangeführt.

Mehr Rekrutierungen im Ausland

Auch die Rekrutierung von Fachkräften aus dem EU-Ausland soll intensiviert werden. Dazu werde die Austrian Business Agency, bisher eine Ansiedlungsagentur, künftig als Standortagentur eine eigene Einheit zur Fachkräfteanwerbung erhalten.

162.000 Fachkräfte fehlen

Laut Wirtschaftsbund fehlen hierzulande derzeit 162.000 Fachkräfte, was „gravierende Folgen für die Innovationsfähigkeit und Investitionstätigkeit unserer Betriebe“ habe. Um den Fachkräftemangel nachhaltig zu lindern, werde man ohne qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland nicht auskommen. Die von der Regierung bereits angekündigte Modernisierung der Rot-Weiß-Rot-Card und die Regionalisierung der Mangelberufsliste seien von großer Wichtigkeit für die Unternehmen.

Neue Lehrlingsberufe

Heuer wurden 15 Lehrberufsbilder, die mehr als 3.000 Lehrlinge betreffen, neu geschaffen. Anfang 2019 werden vier weitere Berufsbilder z.B aus der Gastronomie überarbeitet und mit digitalen Inhalten ergänzt. Damit wird das Berufsbild von 11.000 Lehrlingen angepasst und modernisiert. „Ergänzend dazu novellieren wir das Berufsausbildungsgesetz im ersten Halbjahr 2019 – jeder Lehrberuf soll in Zukunft in regelmäßigen Abständen verpflichtend überarbeitet werden“, so die ressortzuständige Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP).

Lehrberufspaket 2018

​Mit dem Lehrberufspaket 2018 werden sechs neue Lehrberufe als Ausbildungsversuche eingerichtet. Für sieben Lehrberufe werden die Ausbildungsordnungen neu geregelt. Bei allen neuen Berufsbildern fließen Inhalte aus dem Bereich der Digitalisierung signifikant ein.  Außerdem werden die Ausbildungsordnungen für drei Lehrberufe erweitert (Anrechnung von Prüfungsteilen des Lehrberufs Polsterer/Polsterin bei der Lehrabschlussprüfung im Lehrberuf Tapezierer/in sowie Ausweitung der Modulkombinationen bei den Modullehrberufen Elektrotechnik und Metalltechnik).

Lehrlingsförderung wird intensiviert. @ Verbund AG

Neue Ausbildungsordnungen

Bautechnische Assistenz (AV): neuer Lehrberuf für Bauabrechnung und Materialdisposition mit Anwendung von Abrechnungssoftware als Ausbildungsversuch

Chemieverfahrenstechnik: Neuordnung mit digitalen Kompetenzen wie Big Data Management, IT-Kompetenzen, Vernetzung von Maschinen usw.

E-Commerce-Kaufmann/-frau (AV): neuer Lehrberuf für die Erstellung und den Betrieb von Onlineshops

Glasverfahrenstechnik (AV): Einrichtung eines neuen Lehrberufs für die automatisierte Produktion von Hohlglasprodukten sowie Sicherheits- und Isolierglas

Maskenbildner/in (AV): manuell-künstlerischer Lehrberuf für Theater-, TV- und Filmunternehmen

Medienfachmann/Medienfachfrau (AV):
Neuordnung mit erstmaliger Umsetzung des Modells der Kompetenzorientierung (Lernergebnisorientierung) mit vier Kompetenzschwerpunkten (bisher drei Einzellehrberufe):

  • Schwerpunkt Webdevelopment und audiovisuelle Medien (Audio, Video und Animation): Entwickeln von Websites
  • Schwerpunkt Grafik, Print, Publishing und audiovisuelle Medien (Audio, Video und Animation): Entwickeln von Layout und Design für Medienprodukte
  • Schwerpunkt Online-Marketing: Konzeption von Projekten im Online-Marketing
  • Schwerpunkt Agenturdienstleistungen: Mitarbeiten bei der Entwicklung von Kommunikationsdienstleistungen für Werbung, PR, Sponsoring usw.

Polsterer/Polsterin: Einsatz neuer Generationen von Maschinen zur Materialbearbeitung und eingehender Arbeitstechnik.

Rauchfangkehrer/in:  Berücksichtigung neuer Aufgaben – auch aus dem öffentlichen Sektor – wie Umweltschutz, Energieeffizienz, Feinstaub etc.

Tierärztliche Ordinationsassistenz (AV): der neue Lehrberuf für tierärztliche Assistent/innen insb. im Kleintierbereich (bisher non-formale Ausbildung) soll den Beruf attraktiver machen und für die ausübenden Personen (vorwiegend Frauen) eine berufliche Aufwertung bringen

Steinmetz/in: Überarbeitung des Lehrberufes Steinmetz mit neuen Inhalten (v.a. Grafikprogramme)

Steinmetztechnik:  neuer vierjähriger Lehrberuf Steinmetztechnik mit rechnergestütztem Zeichnen (CAD), Planen und Herstellen von Steinerzeugnissen sowie kaufmännisch-unternehmerische Kompetenz (Kalkulation und Auftragsabwicklung)

Zahntechnik: Modernisierung des vierjährigen Lehrberufes Zahntechnik als IT-orientierter Beruf zur Berücksichtigung neuer Materialien und digitaler Fertigungstechniken.

Zahntechnische Fachassistenz: der bis 2023 befristet eingerichtet dreijährige Lehrberuf Zahntechnische Fachassistenz ermöglicht Unternehmen mit traditioneller Fertigung mittelfristig noch den Einstieg in die Ausbildung.

Änderung der bestehenden Ausbildungsordnungen

Im Lehrberuf Tapezierer/Tapeziererin wird die Anrechnung von Prüfungsteilen des Lehrberufes Polsterer/in bei der Lehrabschlussprüfung (Zusatzprüfung) erweitert. Zudem wird eine Änderung der nachstehenden Modullehrberufe zur Ausweitung der Modulkombinationen vorgenommen:

  • Applikationsentwicklung – Coding: Inhalte der Ausbildung sind unter anderem das Definieren der Ziele von Kundinnen und Kunden und die dafür erforderlichen Systemanforderungen inklusive der weiteren Kundenbetreuung sowie Programmieren/Codieren von Applikationen oder Applikationsteilen unter Berücksichtigung späterer Änderbarkeit und Erweiterbarkeit, Benutzbarkeit, Effizienz und Wartung. Anforderungen des Datenschutzes und Lizenzregelungen, Ausführen von Tests zur Prüfung aller Funktionen auf Fehlerfreiheit sowie umfassendes Qualitäts- und Projektmanagement komplettieren das Berufsbild.

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