Slowakei: Anhaltende Dynamik beim östlichen Nachbarn

30. November 2018 Drucken
Slowakei: Anhaltende Dynamik beim östlichen Nachbarn
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Die Wirtschaft in der Slowakei läuft derzeit mit großem Schwung. Lesen Sie im Blog der Erste Asset Management alles über das slowakische Budget, Treiber dieses Aufwärtstrends und mögliche Risiken in der Zukunft.

Autor der Länder-Analyse ist Martin Brozman, Portfolio Manager der Erste Asset Management Slovakia. Die Budgetpolitik der Slowakei fährt einen harten Sanierungskurs. Am 10. Oktober verabschiedete die slowakische Regierungspartei SMER den Budgetentwurf für die kommenden drei Jahre, d.h. bis 2021.

Solides Budget

Laut Vorhersage wird das Budgetdefizit heuer 0,6 Prozent des BIP erreichen und in 2019 auf 0,1 Prozent schrumpfen. In 2020 sollte das Budget ausgeglichen sein und in 2021 sogar einen leichten Überschuss von 0,2 Prozent generieren. Dazu kommt ein niedriger Schuldenstand von prognostizierten 49 Prozent des BIP in 2018 (2017: 51 Prozent), der aufgrund einer erwarteten Konsolidierung der öffentlichen Finanzen bis 2021 auf 45 Prozent fallen sollte. Dies ist deutlich unter der Maastricht-Grenze von 60 Prozent und, noch wichtiger, signifikant unter dem EU-Durchschnitt von 86,8 Prozent.

Fehlende Strukturreformen

Allerdings enthält das Budget keine der wichtigen strukturellen Reformen, die die Slowakei braucht, um wettbewerbsfähig zu bleiben; das Bildungswesen, Infrastrukturentwicklung und Straßenbau sind hier die Schlüsselthemen. Die generelle Arbeitslosenrate liegt bei historisch niedrigen 6,5 Prozent, was nahe der Vollbeschäftigung ist. Trotz dessen, dass dies die höchste Rate unter den Visegrad 4 (V4)-Staaten ist, bleibt die Nachfrage nach Facharbeitern unverändert hoch.

Slowakei

Quelle: Finanzministerium der Slowakischen Republik; Slovenská sporiteľna, a.s.

Abhängig von der Automobilwirtschaft

Am 25. Oktober eröffnete Jaguar Land Rover seine Produktion in Nitra, welche deutlich zum BIP-Wachstum beitragen wird. Der Budgetentwurf sieht +4,5 Prozent für nächstes Jahr vor. Dies bedeutet die Ankunft des vierten Fahrzeugbauers in der Slowakei. Die Fahrzeugproduktion  soll in den nächsten fünf Jahren um etwa 40 Prozent wachsen. Sie zeichnet derzeit für 35 Prozent der gesamten slowakischen Industrieproduktion und für 40 Prozent aller Industrieexporte verantwortlich. Die Slowakei liegt beim Verhältnis der Anzahl produzierter Fahrzeuge pro 1.000 Einwohnern ganz vorne, mit derzeit 0,192 Fahrzeugen pro Person und Jahr.

Dynamik bis 2021

In Summe darf man konstatieren, dass die Slowakei die Phase prolongierten Wachstums bis mindestens 2021 genießen wird können. Die Haupttreiber sind die Industrieproduktion – vornehmlich aufgrund der Automobilindustrie –, privater Konsum, Kreditwachstum und Investitionen. Wachstumshemmend könnte sich hingegen die Fehlallokation von Budgetausgaben zuungunsten von Strukturreformen auswirken, wie z.B. einer Bildungsreform, wo großer Spielraum hinsichtlich der Ausprägungen selbiger im Zusammenspiel mit den Notwendigkeiten des Marktes besteht. Dies könnte es der Slowakei ermöglichen, den Abstand zu den anderen V4-Staaten bei Indikatoren wie der Arbeitslosenrate und dem BIP zu schließen.

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