Prognose: Warum die Bevölkerung in Mittel- und Osteuropa schrumpft

29. März 2019 Drucken
Prognose: Warum die Bevölkerung in Mittel- und Osteuropa schrumpft
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Der Zustrom aus Mittel-und Osteuropa (MOEL) hat zu einer signifikanten Veränderung der Beschäftigungsstruktur in Wien geführt, die teilweise zu einer Verdrängung inländischer und anderer ausländischer Arbeitnehmer führte. Derzeit flachen die Migrationsbewegungen deutlich ab, schreibt das wiiw . In den Herkunftsländern sei der Schwund an Arbeitskräften „besorgniserregend“. 

Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) hat die Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung in den mittel- und osteuropäischen Landern untersucht.

Starke Zuwanderung seit Millenium

Migration aus Mittel- und Osteuropa spielte eine wichtige Rolle bei der Bevölkerungsentwicklung in Österreich und Wien zwischen 2000 und 2016.  Die Studie des Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) gibt eine Einschätzung des aktuellen und zukünftigen Migrationspotenzials nach Österreich und Wien aus den MOEL und zwei Westbalkanländern, Bosnien und Herzegowina und Serbien wider.

MOEL-Bevölkerung schrumpft

Die wirtschaftliche Entwicklung in den MOEL ist seit einigen Jahren sehr positiv, und auch die Prognosen deuten auf ein stetiges Wirtschaftswachstum mit deutlich höheren Wachstumsraten als im EU-Durchschnitt hin. Damit einhergehend hat sich die Arbeitsmarktsituation in diesen Ländern insgesamt verbessert. Dies und die allgemeine demographische Entwicklung in der Region führen zu einer Verlangsamung der Mobilitätsströme aus den MOEL.

Besorgniserregend für Herkunftsländer

Die positiven Entwicklungen auf den Arbeitsmärkten der MOEL sind einerseits Ausdruck der wirtschaftlichen Erholung, andererseits aber auch der demographischen Entwicklungen und Migrationsbewegungen. Insbesondere ist die demographische Entwicklung in den MOEL und am Westbalkan besorgniserregend. Im Durchschnitt schrumpfte die Bevölkerung in der Region zwischen 2000 und 2016 um etwa 5%, in manchen Ländern jedoch sogar zwischen 10% und 20%, wobei einige Länder auch leichte Anstiege verzeichneten. In Österreich ist die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um etwa 10% gestiegen, in Wien sogar um 20%.

Arbeitsfähige Bevölkerung am stärksten betroffen

Der Rückgang der MOEL-Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre) ist generell noch stärker; in allen Ländern mit Ausnahme der Slowakei und Polens werden Rückgänge registriert. Die demographischen Szenarien lassen für die nächsten Jahrzehnte ein weiteres starkes Schrumpfen der Bevölkerung in der Region vermuten. Die Lohn- und Einkommensdifferenzen bleiben laut wiiw eine wesentliche Determinante der Migrationsbewegungen. Zwar hat sich das Lohndifferential deutlich verringert, ist jedoch im Vergleich zu Österreich immer noch sehr hoch.

Wien bleibt Hauptziel der Zuwanderung

Diese Entwicklungen deuten auf eine Abflachung der Trends hin, wenn nicht sogar auf eine mittelfristige Schwächung der bestehenden Mobilitätsströme nach Österreich und Wien. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass sich die regionale Struktur der Migrationsströme in Hinblick auf die österreichischen Bundesländer stark verschieben wird.

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