Online-Boom lässt Verkaufsflächen im Textil- und Möbelhandel schrumpfen

01. April 2019 Drucken
Online-Boom lässt Verkaufsflächen im Textil- und Möbelhandel schrumpfen
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Das starke Wachstum im Onlinehandel führt im stationären Handel zu einer Stagnation bzw. einem Rückgang der Verkaufsflächen. Bis 2023 dürften sich die Flächen im Bekleidungs- und Möbelhandel weiter reduzieren. Derzeit liegt der Online-Anteil im Einzelhandel bei 6,7 Prozent.

Umsätze würden dabei weiter Richtung Onlinehandel abwandern, erwartet der Immobilienberater CBRE. Im Lebensmittel- und Kosmetikhandel wird mit stagnierenden Flächen gerechnet.

Lebensmittel als künftige Onlineware

Während die Umsätze im stationären Handel bestenfalls stabil bleiben, im Falle des Bekleidungs- und Möbelhandels sogar stark zurückgehen, dürften die Umsätze im Onlinehandel bis 2023 in allen Branchen kräftig steigen, wird prognostiziert. Für den Lebensmittelhandel etwa wird eine Verdoppelung der Onlineumsätze erwartet – freilich auf sehr niedrigem Niveau von ein auf zwei Prozent. Im Bekleidungshandel sollen die Onlineumsätze bis 2023 um ein Drittel steigen, im Kosmetikbereich um ein Fünftel und im Möbelhandel sowie in Baumärkten um 29 Prozent.

Österreich bei Verkaufsflächen im Spitzenfeld

In den Jahren 2013 bis 2016 sind die Verkaufsflächen in Österreich jährlich zurückgegangen, was neben dem Onlinehandel auch größeren Pleiten geschuldet war. 2017 blieben sie zumindest bei 13,7 Millionen Quadratmeter stabil. In Bezug auf die Verkaufsfläche sowie den Einzelhandelsumsatz pro Kopf liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld. „Diese Position sollte durch das erwartete Bevölkerungs- wie Einkommenswachstum der kommenden Jahre gehalten werden“, sagte CBRE-Handelsexperte Walter Wölfler.

Online-Anteil bei rund sieben Prozent

In Österreich liegt der Online-Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz derzeit bei 6,7 Prozent. In den nächsten fünf Jahren wird ein Anstieg auf acht Prozent prognostiziert. Damit liege Österreich unter dem Schnitt europäischer Länder, die rund acht Prozent online erwirtschaften und deren Anteil auf elf Prozent steigen dürfte, sagte Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will  bei der Präsentation des „Outlook for Retail Property“ von CBRE.

Stationäre Geschäfte bringen Online-Umsätze

Um mit dem Onlineriesen Amazon mithalten zu können, müssten Firmen eine stark vernetzte Online- und Offline-Strategie haben. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich stationäre Geschäfte und Online-Zugriffe bzw. -Käufe gegenseitig beeinflussen. „Wenn in einer Region ein neues Geschäft eröffnet, steigt auch der Online-Umsatz in dieser Region. Umgekehrt passiert das Gleiche bei einer Schließung“, erläuterte Wölfler. Der Umsatz-Effekt, sowohl im positiven als auch negativen Bereich, liege zwischen 25 und 30 Prozent.

Handel will weniger Zuschläge bezahlen

„Convenience (Komfort, Bequemlichkeit, Anm.) ist das Wort, das Amazon beschreibt“, so Will. Der stationäre Handel sei derzeit mit „unfairen Bedingungen“ konfrontiert, kritisierte der Branchenvertreter. Zur Verbesserung beitragen könnten eine Modernisierung der Raumordnung, die Abschaffung der Mietvertragsgebühr, die Ausweitung von Tourismuszonen auch auf Wien, eine Senkung der Lohnnebenkosten sowie eine zeitnahe Reform des Kollektivvertrags und eine Vereinfachung des Zuschlagswesens im Handel. So sind am Abend ab 18.30 Uhr und am Samstag ab 13 Uhr Zuschläge für die Beschäftigten zu bezahlen. Die Sozialpartner wollen eine Reform der Arbeitszeitgestaltung und der Abgeltung nun in Angriff nehmen. (APA)