Konjunktur: Wie es mit Osteuropa weitergeht

02. April 2019 Drucken
Konjunktur: Wie es mit Osteuropa weitergeht
Prager Burg © pixabay

Aktuelle Konjunkturprognosen für Mittel- und Osteuropa (MOEL) erwarten eine Verlangsamung der bislang sehr positiven Wachstumsdynamik. Die Experten der Erste Asset Management unterstreichen dabei, dass die Konjukturwarnung längst nicht für alle Staaten der Region gilt.

Im Vorjahr wuchsen die Volkswirtschaften in Mittel-, Osteuropa und der Türkei überdurchschnittlich stark. In den kommenden Jahren könnte sich in einigen dieser Länder das Wirtschaftswachstum nun verlangsamen, prognostiziert das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Doch wie die in der Vorwoche veröffentlichte Prognose des WIIW zeigt, sind davon längst nicht alle der Länder betroffen und die Gründe dafür zeigen ein differenziertes Bild.

Wachstum zumeist zwischen zwei und drei Prozent

Eine weitgehend konstante wirtschaftliche Entwicklung zeichnet sich demnach etwa in Tschechien, Polen, Kroatien und Slowenien ab. Hier wird das BIP-Wachstum im Prognosezeitraum 2019 bis 2021 deutlich über 2,5 Prozent gesehen und im Fall von Polen sogar klar über drei Prozent erwartet. In Russland wird zwar mit einem verhältnismäßig geringen jährlichen Wachstum zwischen 1,7 und 1,9 Prozent gerechnet, dies würde allerdings ebenfalls keine Verschlechterung sondern eine konstante Entwicklung darstellen.

Rezession in der Türkei

Zwei Ausreißer sind auf den ersten Blick Ungarn und die Türkei. Während in Ungarn das BIP im nächsten und im übernächsten Jahr nach 3,3 noch um 2,3 beziehungsweise 1,9 Prozent zulegen könnte, zeichnet sich in der Türkei heuer eine Rezession von minus 0,7 Prozent ab. Ungarn war zuletzt nach Polen die am stärksten wachsende Volkswirtschaft der Region. Dass sich hier das Bild im Vergleich etwas eintrüben könnte, hängt vor allem damit zusammen, dass das EU-Mitglied einen großen Teil seiner veranschlagten Gemeinschaftsmittel bereits verwendet hat. Und in der Türkei zeichnet sich bereits für 2020 und 2021 wieder ein deutliches Wachstum von 3,2 und 3,7 Prozent ab.

Weltwirtschaft schwächt sich ab

Als Gründe für die leicht rückläufige Tendenz sehen die Ökonomen des WIIW vor allem globale Faktoren wie ein generell schwächer werdendes Wachstum der Weltwirtschaft, die Folgen protektionistischer Maßnahmen durch die USA und mögliche Auswirkungen des Austritts Großbritanniens aus der EU. Beim letztgenannten Brexit hängt das Ausmaß stark davon ab, ob sich die Briten mit den verbleibenden EU-Staaten noch auf einen Vertrag einigen können. Noch ist ein „Hard Brexit“ ohne Vereinbarungen allerdings nicht fix.

Dynamik sei noch keine Überhitzung

Potenzielle Anzeichen einer Überhitzung würden sich zwar am Arbeitsmarkt und den Immobilienpreisen in Mittel- und Osteuropa zeigen. Auf aggregierter Ebene seien diese jedoch kein Problem, urteilt das WIIW. Eine positive Überraschung liefert überdies die Geldwertstabilität: „Die Inflation ist im Großteil der Region erstaunlich niedrig, insbesondere vor dem Hintergrund des rasanten Lohnanstiegs sowie des Anstiegs der Ölpreise im vergangenen Jahr“, heißt es in der Studienveröffentlichung.

Arbeitskräftemangel und Brexit als Herausforderung

Um solides Wachstum auch in Mittel- und Osteuropa langfristig sicherzustellen, empfiehlt das WIIW entschlossene Maßnahmen im Kampf gegen die Herausforderungen für die Region, zu denen vor allem stark steigende Löhne aufgrund des Arbeitskräftemangels zählen, der von bemerkenswerten demografischen Veränderungen verstärkt wird. Als Priorität sieht das Wiener Institut eine rasche Automatisierung in der exportabhängigen Industrie. Außerdem werden verstärkte Investitionen in allgemeine und berufliche Bildung gefordert, um Mittel-, Ost- und Südosteuropa auch fit für eine neue digitale Wirtschaft zu machen.

Börsianer trotzdem in Kauflaune

Wie spannend die Region für Anleger nach wie vor ist, zeigt die Entwicklung an den Kapitalmärkten. Der von der Wiener Börse ermittelte CECE-Index für die Aktienbörsen in Budapest, Prag und Warschau beispielsweise hat sich auf Eurobasis seit Jahresbeginn um 4,1 Prozent verbessert. Bei einzelnen Fondsprodukten fiel die Entwicklung noch erfreulicher aus.

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