Gesundheit: Einigung auf Gesamtvertrag für Primärversorgungseinheiten

03. April 2019 Drucken
Gesundheit: Einigung auf Gesamtvertrag für Primärversorgungseinheiten
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Die Ärztekammer und der Hauptverband der Sozialversicherungsträger haben sich am Dienstag auf einen Gesamtvertrag für die neuen Primärversorgungseinheiten (PVE) geeinigt. PVE sind dabei, die ärztliche Grundversorgung vor allem in den ländlichen Regionen neu zu gestalten. 

Die Einigung erzielten Ärztekammer und Hauptverband nach fast fünfjährigen Verhandlungen. Der Vertrag muss nun noch von den jeweiligen Gremien abgesegnet werden. Es handelt sich um einen Rahmenvertrag, die regionalen Details, wie die Höhe der Honorare für die Ärzte oder die genauen Öffnungszeiten, müssen noch zwischen den jeweiligen Gebietskrankenkassen und den Landesärztekammern ausverhandelt werden. Dies soll noch im Laufe des heurigen Jahres erfolgen.

Mindestens drei Allgemeinmediziner

Festgeschrieben ist, dass jede Primärversorgungseinheit zumindest aus drei Allgemeinmedizinern und einer diplomierten Krankenpflegerin oder einem diplomierten Krankenpfleger bestehen muss. Zusätzlich können verschiedene andere Mediziner und Therapeuten für die Patienten zur Verfügung stehen. Einheitliche Öffnungszeiten zwischen 40 und 50 Wochenstunden müssen den Patienten angeboten werden, hat die APA aus Verhandlungskreisen erfahren. Damit soll den Patienten der Umstieg von den Spitalsambulanzen schmackhaft gemacht werden.

Definierter Versorgungsauftrag

Der Gesamtvertrag enthält auch einen definierten Versorgungsauftrag, der pauschal abgegolten wird. Darin ist etwa aufgelistet, welche Leistungen angeboten werden –  z.B. die Betreuung chronisch Kranker wie Diabetiker, von Menschen mit psychischen Störungen, Angebote für Älter sowie für Kinder und Jugendliche, Palliativversorgung, Wund-Versorgung oder Prävention. Damit dürften die Ärzte einen Patienten dann nicht mehr in ein Krankenhaus weiter verweisen.

Stellenplan und Honorierung

Auch der mit dem jeweiligen Bundesland abgestimmte Stellenplan, die Kriterien für die Qualitätssicherung und die grundsätzlichen Ziele der Honorierung für die Ärzte sind in dem Gesamtvertrag geregelt. Grundpauschalen, Fallpauschalen und Einzelleistungen sind schon festgelegt, die regionale Ausgestaltung erfolgt noch auf Landesebene. Für die Errichtung von PVEs gibt es eine Anschubfinanzierung sowie günstige Kreditmodelle. Insgesamt steht dafür ein Volumen von 350 Millionen Euro zur Verfügung, auch die Länder beteiligen sich daran. Der NEWSROOM berichtet weiter.

75 PVZ bis 2021

Das Gesundheitsreformumsetzungsgesetz (GRUG 2017) hat Ende Juni 2017 die erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen zur Errichtung von insgesamt 75 Primärversorgungseinheiten bis 2021 geschaffen. Diese sollen sich aus Patientensicht durch gute Erreichbarkeit, längere Öffnungszeiten und ein umfassenderes Leistungsangebot auszeichnen. Die genaue Ausgestaltung der PVEs variiert von Bundesland zu Bundesland. Eine Einrichtung besteht aus einem Kernteam, einem erweiterten Team und ggf. einem Primärversorgungsmanager, der als kaufmännisch geschulter Entscheider das Zentrum betriebswirtschaftlich am Laufen hält. Der Einsatz von PV-Managern wird von Fall zu Fall gemeinsam mit den Kassen entschieden, die für eine bestimmte Zeit (meist drei Jahre) für das Honorar aufkommen.  (APA/red)

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