OeNB: Immobilienkonjunktur treibt Kreditvolumen

04. April 2019 Drucken
OeNB: Immobilienkonjunktur treibt Kreditvolumen
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Durch das positive wirtschaftliche Umfeld stieg 2018 das Kreditvolumen inländischer Unternehmen und privater Haushalte deutlich an. In beiden Fällen waren es Investitionen in den Wohnbau, die das Kreditwachstum positiv beeinflussten, gibt die OeNB bekannt. 

Gleichzeitig waren in Österreich erstmals Fälle von negativen Einlagenzinssätzen bei sehr hohen Unternehmenseinlagen zu beobachten. Weiters erfreuen sich digitale Bankdienstleistungen zunehmender Beliebtheit.

Kundengeschäft wächst

Trotz der Rückgänge der Bilanzsumme des österreichischen Bankensektors (–20 Prozent seit 2008) steigt das Kundengeschäft. Die Kundinnen und Kunden nutzen die Möglichkeiten des Online Banking (so erfolgt beispielsweise der Großteil der Überweisungen mittlerweile ohne Zahlschein) immer stärker, gleichzeitig behält jedoch auch Bargeld in Österreich einen sehr hohen Stellenwert.

Sparbuch trägt weniger Volumen

Das in Österreich traditionell sehr beliebte Sparbuch verliert an Attraktivität: Spareinlagen erreichten im Dezember 2018 mit 139,4 Mrd. EUR den geringsten Wert seit Dezember 2007. Trotzdem weiteten private Haushalte ihr gesamtes Einlagenvolumen bei inländischen Banken in den letzten Jahren deutlich aus (2018: +4,8 Prozent), wobei Online-Produkte eine immer stärkere Rolle spielen. Betrachtet man die Fristigkeit der Einlagen privater Haushalte, setzte sich der Trend hin zu täglich fälligen Einlagen weiter fort.

Unternehmen mit Negativzinssätzen

Während in Österreich bei Spareinlagen privater Haushalte negative Zinssätze nicht möglich sind, sind diese für sehr hohe Einlagen von Unternehmen vereinzelt bereits Realität. In Österreich wurde damit ein Trend nachgezogen, der bereits seit längerem in einigen anderen Euroraum-Ländern zu beobachten war. Bei privaten Haushalten lag der Zinssatz für neue Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu einem Jahr in Österreich im Dezember 2018 bei 0,21 Prozent und damit nahe seinem historischen Tiefststand (0,19 Prozent).

Unternehmensfinanzierungen legen deutlich zu

Das Kreditvolumen inländischer Nichtbanken verzeichnete mit 5,3 Prozent auf 356,8 Mrd. EUR einen deutlichen Anstieg. Die Dynamik fand vor allem bei den Unternehmenskrediten statt, die sich im Jahr 2018 um 6,8 Prozent ausweiteten und mit 153,1 Mrd. EUR einen neuen Höchststand erreichten. Die Branchen Grundstücks- und Wohnungswesen bzw. die Baubranche waren für ein Wachstum des aushaftenden Kreditvolumens um 8,1 Prozent bzw. einen Netto-Zuwachs um 5,4 Mrd. EUR verantwortlich.

Wohnbaukredite bleiben gefragt

Auch bei privaten Haushalten blieb die Nachfrage nach Wohnbaukrediten auf einem hohen Niveau bestehen. Insgesamt weiteten sich Wohnbaukredite in Österreich 2018 um 4,8 Prozent aus und hatten damit den stärksten Einfluss auf das Kreditwachstum privater Haushalte insgesamt (3,7 Prozent). Der Zinssatz für neu vergebene Wohnbaukredite lag in Österreich im Dezember 2018 mit 1,82 Prozent im Euroraum-Durchschnitt (1,81 Prozent). Konsumkredite weiteten sich im Jahr 2018 vor dem Hintergrund steigender Zinssätze (+32 Basispunkte auf 4,99 Prozent) nur geringfügig (+0,5 Prozent) aus.

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