Zugig: Warum der heimische Fenstermarkt nicht mehr dicht ist

04. April 2019 Drucken
Zugig: Warum der heimische Fenstermarkt nicht mehr dicht ist
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Der österreichische Fenstermarkt wuchs im Jahr 2018 nur noch preisgetrieben. Bremsklotz blieb das nach wie vor rückläufige Sanierungsgeschäft, zeigen aktuelle Daten einer Marktstudie zu Fenstern in Österreich von BRANCHENRADAR.com Marktanalyse.

Auf den ersten Blick waren die Rahmenbedingungen für Fenstererzeuger im Jahr 2018 hervorragend. Die Bauwirtschaft florierte und der Wohnungsneubau kurbelte den Bedarf an neuen Fenstern an. Und in der Tat stieg die Nachfrage an Fenstern in neuerrichteten Gebäuden im vergangenen Jahr robust um nahezu vier Prozent gegenüber Vorjahr.

Sanierungsmarkt dünnt aus

Der Neubau beschreibt nur die kleinere Hälfte des Fenstermarktes. Zuletzt wurden rund sechzig Prozent der Erlöse mit dem Austausch alter Fenster erzielt. Und dieser Sanierungsmarkt ist seit nunmehr fast zehn Jahren rückläufig. Im Jahr 2009 wurden in der Sanierung noch gut zwei Millionen Fensterflügel abgesetzt, im Jahr 2018 waren es gerade einmal 1,22 Millionen Stück. Im Vergleichszeitraum reduzierte sich der Absatz somit um rund vierzig Prozent oder nahezu 800.000 Fensterflügel. Kumuliert man die jährlichen Abgänge im Zeitraum 2010 bis 2018 bezogen auf die Absatzmarke von 2009, hat der Sanierungsmarkt seither das Potential von 4,7 Millionen Fensterflügeln verloren. Das ist mehr als in den beiden letzten Jahren zusammen in Österreich insgesamt an Fenstern verkauft wurden.

Jährliche Rückgänge

Und auch im abgelaufenen Jahr lieferte das Bestandsgeschäft um knapp drei Prozent weniger Fenster als im Jahr davor. Die Hintergründe des schwachen Sanierungsmarktes sind mittlerweile bekannt und betreffen auch nicht nur den Fenstermarkt alleine, sondern nahezu alle Bauprodukte mit Investitionscharakter. Sie reichen von der Abschichtung von Vorziehinvestitionen über den Bedeutungsverlust von Bestandsinvestitionen in Haus und Heim zu Gunsten des Konsums bis hin zum Facharbeitermangel.

Rohstoffpreise treiben den Markt

Da sich im Jahr 2018 die Zuwächse aus dem Neubau und die Abgänge in der Sanierung annähernd die Waage hielten entwickelte sich der Fenstermarkt absatzseitig zwar seitwärts, wurde jedoch durch steigende Preise gehebelt. Der Preisauftrieb war im Wesentlichen eine Folge steigender Rohstoffpreise, insbesondere bei Metallen und bei Produkten auf Erdölbasis, die sich am gegenständlichen Markt in Preiserhöhungen bei Profilen und Beschlägen niederschlugen. Infolge stiegen die Herstellererlöse um 2,5 Prozent gegenüber Vorjahr auf 832,1 Millionen Euro.

Preissteigerung um vier Prozent

Das preisgetriebene Wachstum schob die Erlöse in allen Produktgruppen an, ausgenommen bei Holzfenstern. Gegenüber 2017 sanken die Herstellererlöse um neun Prozent. Mit Kunststofffenstern wurde im abgelaufenen Jahr hingegen um 2,2 Prozent und mit Holz/Alu-Fenstern um 1,7 Prozent mehr erlöst als im Jahr davor. Das stärkste Wachstum gab es bei Aluminiumfenstern, die wertmäßig um mehr als zehn Prozent zulegten. Neben einem um vier Prozent gegenüber Vorjahr signifikant steigenden Durchschnittspreis konnten Aluminiumfenster als einziges Rahmenmaterial auch die Nachfrage substanziell um sechs Prozent gegenüber Vorjahr ausweiten.

Kunsstofffenster machen den Markt

Somit verteilten sich absatzseitig im Jahr 2018 die Anteile der Rahmenmaterialien wie folgt: Holzfenster sechs Prozent, Kunststofffenster 62 Prozent, Holz/Alu-Fenster 24 Prozent und Aluminiumfenster acht Prozent Marktanteil.

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