Warum Betriebsübergaben in der Hotellerie oft existenzgefährdend werden

08. April 2019 Drucken
Warum Betriebsübergaben in der Hotellerie oft existenzgefährdend werden
© pixabay

Über 80 Prozent der  heimischen Hotels und Pensionen sind Familienbetriebe. „Das ist unser USP (Unique Selling Proposition, Anm.)“, sagte Branchensprecherin Petra Nocker-Schwarzenbacher in St. Johann im Pongau. Finanziell seien Betriebsübergaben an die nächste Generation oft ein großes Problem.

Deutlich mehr als die Hälfte der Beherbergungsbetriebe stünden zur Übergabe bereit. „Da und dort müssen wir über eine Auflösung reden“, bedauerte die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Denn das Alleinstellungsmerkmal „familiär“ ist häufig mit Kapitalschwäche verbunden.

Verkürzte Abschreibungsdauer

Das Problem lindern könnten – neben entsprechenden Managementqualitäten in den Betrieben selbst – eine Reihe von unternehmerfreundlicheren Regelungen. Die Branche hofft dabei auf die Umsetzung einiger im aktuellen Regierungsprogramm verankerter Ziele im Zuge der nächsten Steuerreform – etwa auf eine Rückführung der Abschreibungsdauer auf Gebäude von derzeit 40 auf 33 Jahre, merkte die Bundesobfrau im Gespräch mit der APA an. Denn: „Keine Bank finanziert auf 40 Jahre.“ Der Rest müsse aber „durch ordentliche Betriebsführung gewährleistet sein“, appelliert sie an die eigene Branche. Wünschenswert wären aus ihrer Sicht auch Investitionsbegünstigungen und eine degressive Abschreibung als Alternative. Helfen würde auch eine Fristerweiterung für behördliche Auflagen.

Übergabeprozess wird häufig verzögert

„Gerade bei Betriebsübergaben kristallisieren sich manche Probleme heraus“, berichtete der Steuerberater Anton Kaiser aus Saalfelden aus der Praxis. „Man sollte früh genug einen geordneten Übergabeprozess machen, nicht geschwind zum Notar springen“, meinte er. Die Abgabenbelastung sollte möglichst gering gehalten werden. Zu durchleuchten ist auch, wie gut das Unternehmen wirtschaftlich dasteht, also etwa auch wie das Verhältnis Eigenkapital zu Fremdkapitalbelastung (Kredite) aussieht, welchen Rucksack an Belastungen man der nächsten Generation umhängt.

Methoden der Übergabe

Je nach Fall, empfiehlt der Steuerexperte beispielsweise ein schrittweises Zurückziehen des Übergebers aus dem Unternehmen oder eine Änderung der Rechtsform, etwa die Umwandlung eines Einzelunternehmens in eine Personengesellschaft oder eine Kommanditgesellschaft (KG). Ein großes Thema kann auch das Auszahlen von Geschwistern sein. „Die Grundstücke haben einen enormen Sachwert, der aber oft nicht verdienbar ist“, so Kaiser.

Verkauf zerstört Strukturen

„Verkauft man den Betrieb ist das ein Haufen Geld, aber die Struktur ist kaputt.“ Grund und Boden seien knapp. Investoren kämen und bauten Hotelanlagen hin und es komme zu einer gewissen Preistreiberei. „Die traditionelle österreichische Familiengastronomie ist auch unsere Marke und ein wesentlicher Kernpfeiler des heimischen Tourismus“, strich auch Kaiser als Alleinstellungsmerkmal hervor. Wenn niemand aus der Familie den Betrieb übernehmen möchte oder dafür nicht geeignet sei, könne man auch mithilfe eines Headhunters einen Unternehmer suchen.

Weiterführung als mehrheitliches Ziel

Einer aktuellen Erhebung vom Jänner zufolge streben derzeit 63 Prozent von 600 befragten Hotellerie- und Gastronomiebetrieben Betriebsübergaben an ein Familienmitglied an. 24 Prozent wollen das Unternehmen auflösen, acht Prozent wollen verkaufen und fünf Prozent verpachten.