Geld zurück: Wann sich eine Arbeitnehmerveranlagung per Antrag lohnt

25. April 2019 Drucken
Geld zurück: Wann sich eine Arbeitnehmerveranlagung per Antrag lohnt
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Seit Juli 2017 prüft das Finanzamt automatisch, ob Arbeitnehmer zu viel an Lohnsteuer eingezahlt haben. Hin und wieder lohnt es aber, aus eigenem Antrieb die Veranlagung per Antrag vom Finanzamt prüfen zulassen, wie Eva Pernt von der Steuerberatung ARTUS rät. 

Wer bis zum 30. Juni 2019 von sich aus keine Abgabenerklärung für das Vorjahr (2018) einreicht, bei dem wird vom Finanzamt eine antragslose Veranlagung (automatische Arbeitnehmerveranlagung) durchgeführt. Die Voraussetzungen:

  • der Gesamtbetrag der Einkünfte besteht ausschließlich aus lohnsteuerpflichtigen Einkünften,
  • die Veranlagung ergibt eine Gutschrift und
  • aufgrund der Aktenlage werden neben den durch die bereits bis Ende Februar 2019 an die Finanzverwaltung gemeldeten Sonderausgaben vermutlich keine weiteren Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen, Freibeträge oder Absetzbeträge geltend gemacht.

Widerspruch fünf Jahre lang möglich

Ist die Gutschrift der antragslosen Veranlagung aus Sicht des Steuerbürgers zu niedrig, kann innerhalb einer fünf-Jahresfrist eine „normale“ Arbeitnehmerveranlagung beantragt werden.

Wann zahlt sich eine Antragsveranlagung  auf jeden Fall aus?

Keine durchgängige Beschäftigung: Wenn der Steuerzahler 2018 schwankende Bezüge oder Verdienstunterbrechungen während des Kalenderjahres (z.B. Ferialpraxis, unterjähriger Wiedereinstieg nach Karenz) verzeichnen muss, lohnt ein Antrag. Denn häufig wurde dadurch auf das ganze Jahr bezogen zu viel an Lohnsteuer abgezogen.

Sonderausgaben nicht geltend gemacht: Die Steuerzahler haben Sonderausgaben, Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen bisher noch nicht oder in zu geringer Höhe geltend gemacht. Für bestimmte Sonderausgaben können nur die an die Finanzverwaltung übermittelten Beträge für eine freiwillige Weiterversicherung, Kirchenbeiträge und Spenden berücksichtigt werden.

Absetzbeträge vergessen: Sie haben den Antrag auf den Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag und/oder auf eine(n) Pendlerpauschale/Pendlereuro noch nicht dem Arbeitgeber übergeben, weshalb dies bei der laufenden Lohnverrechnung noch nicht berücksichtigt wurde.

Kinderabsetzbetrag 2018: Familienpartner haben Familienbeihilfe (einschließlich Kinderabsetzbetrag) bezogen und für diese Kinder steht daher letztmalig 2018 der Kinderfreibetrag von Euro 440 pro Kind zu. Bei getrennter Geltendmachung durch beide Elternteile steht jedem Elternteil ein Kinderfreibetrag von Euro 300 pro Kind zu. Ebenfalls letztmalig für das Jahr 2018 können Betreuungskosten für Kinder bis zum 10. Lebensjahr als außergewöhnliche Belastung mit bis zu Euro 2.300 je Kind geltend machen. Mit 1.1.2019 wurden diese Absetzposten durch den neuen Familienbonus Plus abgelöst.

Unterhaltszahlungen: Der Steuerzahler hat Alimente für Kinder geleistet und es steht daher der Unterhaltsabsetzbetrag (Euro 29,20 bis Euro 58,40/Monat/ Kind) zu.

Einrechnung von Verlusten: Verluste, die im abgelaufenen Jahr aus anderen, nicht lohnsteuerpflichtigen Einkünften (z.B. aus der Vermietung eines Hauses) entstanden sind, können steuermindernd geltend gemacht werden. Die Bürger haben aus früheren unternehmerischen Tätigkeiten einen Verlustvortrag, den sie bei ihren Gehaltseinkünften geltend machen wollen.

Negativsteuer mobilisieren

Selbst dann, wenn gar keine Lohnsteuer bezahlt wird, kann eine Steuergutschrift lukriert werden, die sogenannte „Negativsteuer“:

  • Die Steuerbürger haben Anspruch auf den Alleinverdiener-/Alleinerzieher- absetzbetrag;
  • Vom Gehalt/Ihrer Pension wurde zwar Sozialversicherung abgezogen, aber keine Lohnsteuer einbehalten. Die Gutschrift errechnet sich in Abhängigkeit von den entrichteten Sozialversicherungsbeiträgen und ist gedeckelt. Sollte zumindest ein Monat Anspruch auf das Pendlerpauschale bestehen, erhöht sich die Negativsteuer zusätzlich.

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