Platooning: Erste Testergebnisse für automatisierte Kolonnen-Lkw

13. Mai 2019 Drucken
Platooning: Erste Testergebnisse für automatisierte Kolonnen-Lkw
© MAN

Das Fahren mit automatisierten Kolonnen-Lkw (Platooning) spart neuen Testergebnissen zufolge weniger Kraftstoff als erwartet. Technisch sei man aber laut einem MAN-Großversuch erfolgreich gewesen: Nur einmal pro 2.000 Kilometer musste vom Fahrer aktiv eingegriffen werden – deutlich seltener als erwartet. 

Rund drei bis vier Prozent weniger Sprit verbrauchten Lkw unter den Testbedingungen beim Platooning, wie der Lkw-Hersteller MAN mitteilte. Erhofft hatte man sich eine Einsparung von rund acht bis zehn Prozent. Nach rund 35.000 Testkilometern lobten aber die Lkw-Fahrer den Fahrkomfort und das allgemeine Sicherheitsempfinden. Sie fuhren (oder ließen sich fahren) in einem Abstand von 15 bis 21 Metern.

Vorstadium zum automatisierten Gütertransport

Ende vergangenen Jahres hatte MAN Truck & Bus zusammen mit der Bahn-Logistiktochter DB Schenker und der Hochschule Fresenius auf einer Teststrecke in Bayern einige Wochen lang das Platooning erprobt. Dabei fahren Lastwagen vom Computer gesteuert dicht hintereinander in einer Kolonne. Platooning gilt als einer der Entwicklungsschritte auf dem Weg zu selbstfahrenden Lastwagen, die den Gütertransport auf der Straße günstiger und sicherer machen sollen. Laut MAN können im europäischen Transportnetzwerk etwa 40 Prozent der gefahrenen Kilometer in Platoons durchgeführt werden. Das Verkehrsministerium fördert das Projekt mit fast 1,9 Mio. Euro.

Windschatten als Hauptvorteil

In dem Test mit Diesel-Lkw verbrauchte der vordere Laster verglichen mit normal fahrenden Lkw um 1,3 Prozent weniger Kraftstoff. Der folgende Lkw sparte wegen des Windschattens drei bis vier Prozent ein. Die Kolonne erzeuge insgesamt andere Windwirbel als ein einzelner Lkw und werde dadurch weniger abgebremst, erklärte ein MAN-Mitarbeiter.

Höhere Einsparungen durch Platooning

MAN-Chef Joachim Drees glaubt aber, dass im Praxisbetrieb höhere Spriteinsparungen möglich sind. Im Test habe es Auflagen gegeben, die den Verbrauch erhöht hätten, etwa regelmäßiges Entkoppeln der Kolonne oder kein Einsatz bestimmter spritsparender Systeme. Außerdem sei die Teststrecke – die A 9 bei München und Nürnberg – sehr stark befahren.

Noch bis zu zehn Jahren Entwicklungszeit

Insgesamt ziehen die Projektpartner ein positives Testfazit. Praxisreif in Serie gehen könnte das Platooning nach Einschätzung von Alexander Doll, Bahn-Vorstand für Güterverkehr, Logistik und Finanzen, Mitte oder Ende der 2020er-Jahre.

Funktionsweise Platooning

Unter Platooning versteht man ein Fahrzeug-System für den Straßenverkehr, bei dem mindestens zwei Lkw auf der Autobahn mit Hilfe von technischen Fahrassistenz- und Steuersystemen in geringem Abstand hintereinanderfahren können. Alle im Platoon fahrenden Fahrzeuge sind digital miteinander verbunden. Das führende Fahrzeug gibt die Geschwindigkeit und die Richtung vor. (APA/red)

Mehr zum Thema