Mobilitätswende: So viel investieren die Autokonzerne in Elektromobilität

03. Juni 2019 Drucken
Mobilitätswende: So viel investieren die Autokonzerne in Elektromobilität
BMW-Werk für Akkuproduktion in China © BMW AG

Die globalen Investitionen in Elektromobilität haben sich im vergangenen Jahr auf 8,4 Milliarden Euro fast verdoppelt. China ist weltweiter Vorreiter. Deutsche Autokonzerne sprinten auf Platz 2.

Die führenden Autokonzerne investieren immer größere Summen, um sich auf den erwarteten Durchbruch der Elektromobilität vorzubereiten – und schaffen erhebliche Produktionskapazitäten für Elektroautos. Im vergangenen Jahr wurden Investitionsprojekte im Zusammenhang mit der Produktion von E-Autos mit einem Gesamtvolumen von 8,4 Milliarden Euro angekündigt beziehungsweise gestartet, ein Plus von 97 Prozent gegenüber 2017. Die Zahlen beziehen sich auf ortsgebundene Investitionsprojekte, etwa in neue oder modernisierte Fabriken. Nicht berücksichtigt werden Forschungs- und Entwicklungskosten, die sich zumeist keinen konkreten Ländern zuordnen lassen. Der Beratungskonzern EY hat die weltweiten Investitionstätigkeit der 16 führenden Automobilkonzerne analysiert.

China vor Deutschland – US-Konzerne denken um

Derzeit konzentrieren sich die Elektro-Investitionen der Konzerne auf einige wenige Standorte: In China wurden seit Anfang 2015 insgesamt 6,1 Milliarden Euro investiert, in Deutschland liegt das Investitionsvolumen bei 4,4 Milliarden Euro, in Frankreich bei 1,6 Milliarden Euro. Die USA belegen mit 1,1 Milliarden Euro den vierten Rang. Kaum Investitionen in die Produktion von E-Autos gab es in den vergangenen Jahren hingegen in den USA – nur acht Projekte mit einem Gesamtvolumen von 1,1 Milliarden Euro wurden identifiziert. Im laufenden Jahr kündigt sich aber eine Trendwende an: Seit Jahresbeginn haben mehrere US-Konzerne große Umrüstprojekte angekündigt. So investiert Ford 900 Millionen Euro, um ein Werk in Michigan zum Produktionsstandort für E-Autos zu machen. General Motors rüstet für 270 Millionen Euro ebenfalls ein Werk in Michigan um, damit dort ein neues Elektrofahrzeug gebaut werden kann.

Geringe Investitionen in anderen Bereichen

Während der Trend bei Investitionen in die Elektromobilität klar nach oben zeigt, waren die Autokonzerne bei sonstigen Investitionen – etwa in Werkserweiterungen, neue Lackierereien oder neue Testgelände – im vergangenen Jahr sehr zurückhaltend. Um 16 Prozent – von 26,7 auf 22,4 Milliarden Euro – sank der Gesamtwert der neu angekündigten Investitionen der Autokonzerne im vergangenen Jahr.

Druck auf die Margen nimmt zu

Der starke Anstieg der Investitionen in Elektromobilität und der gleichzeitige massive Rückgang bei sonstigen Investitionsprojekten sei ein Vorgeschmack auf die kommenden Jahre, so EY Österreich in der Presseaussendung. Viele Hersteller nehmen Milliardensummen für die Entwicklung und den Ausbau der Produktion von Elektroautos in die Hand und sparen massiv an anderer Stelle. Die Unternehmen setzen auf einen baldigen und starken Anstieg der Verkaufszahlen von Elektroautos.

Anlaufkosten immens

Der Produktionsanlauf von Elektroautos wird kurz- und mittelfristig sehr viel Geld kosten und die Margen erheblich belasten: Elektroautos bringen vorerst kaum Gewinn. Der Ausbau der Elektromobilität muss mit den Gewinnen aus dem Verkauf von Fahrzeugen mit konventionellem oder Hybrid-Antrieb finanziert werden. Mit Gewinneinbrüchen sei zu rechnen.

Multivalente Produktionsstrukturen

Vorerst werden weiterhin Autos mit Verbrennungsmotor den Neuwagenmarkt dominieren – daher werden derzeit vor allem Fabriken in Europa und den USA so umgebaut, dass sie in der Lage sind, Fahrzeuge mit verschiedenen Antriebstechnologien gleichzeitig auf dem selben Band zu fertigen. An den Produktionsstandorten in Europa und den USA werden der Automatisierungsgrad und die Flexibilität der Produktion derzeit deutlich erhöht. Neue Fabriken, die ausschließlich E-Autos produzieren, wird es hingegen vorerst in erster Linie in China geben, wo ein entsprechend starkes Marktwachstum erwartet wird.

Sparen für den Elektro-Boom

Die Autoindustrie müsse sich auf magere Jahre einstellen, so die EY-Analyse. Die aktuell angekündigten Sparmaßnahmen vieler Autokonzerne seien nur ein Vorgeschmack auf das, was in den kommenden Jahren noch auf die Unternehmen und ihre Belegschaften zukommen wird. Sogar die Schließung ganzer Werke sei denkbar. Ende vergangenen Jahres hat beispielsweise GM angekündigt, fünf Werke in den USA und drei Werke außerhalb der USA zu schließen. Volkswagen hat ein Sparprogramm mit einem Volumen von 5,9 Milliarden Euro bis 2023 angekündigt, das auch eine Reduzierung von 5.000 bis 7.000 Stellen vorsieht.

Deutsche Autokonzerne investieren am meisten in Elektroautos

Die drei deutschen Autokonzerne erwiesen sich in den vergangenen Jahren als besonders aktive Investoren im Bereich Elektromobilität: 29 derartige Investitionsprojekte mit einem Volumen von insgesamt 11,1 Milliarden Euro wurden seit Anfang 2016 von Volkswagen, BMW und Daimler gestartet. Die größten Investitionsprojekte des vergangenen Jahres wurden ebenfalls von den deutschen Konzernen angekündigt. Sie bezogen sich auf den Produktionsstandort China: BMW investiert drei Milliarden Euro in ein neues Werk in Tiexi und den Ausbau eines Werks in Dadong, unter anderem um dort jeweils parallel Fahrzeuge mit konventionellem und elektrischem Antrieb fertigen zu können. Daimler kündigte eine 1,5 Milliarden Euro teure Investition in Peking an.

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