Online-Handel: Mehr als Hälfte der Umsätze wandert ins Ausland

06. Juni 2019 Drucken
Online-Handel: Mehr als Hälfte der Umsätze wandert ins Ausland
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Der Online-Handel boomt in Österreich. 4,5 Mrd. Euro (56 Prozent der Umsätze) flossen dabei zu ausländischen Anbietern wie Amazon, Zalando & Co, 3,6 Mrd. Bei den unter-29-Jährigen Konsumenten kaufen mittlerweile sechs von zehn via Smartphone ein.

Die Umsätze beim Online-Shopping legten einer Umfrage zufolge um 300 Mio. Euro (plus vier Prozent) auf 7,5 Mrd. Euro zu. Der Versandhandel schrumpfte dabei um 100 Mio. Euro (minus 14 Prozent) auf 600 Mio. Euro. Für die repräsentative Studie im Auftrag des Handelsverbandes wurden im Zeitraum Mai 2018 bis April 2019 rund 1.400 Österreicher ab 15 Jahre befragt. Die Analyse der Ergebnisse erfolgte durch die KMU Forschung Austria.

Das Ende der Kataloge

„Der klassische Versandhandel ist Geschichte“, sagte Unito-Chef und Handelsverband-Vizepräsident Harald Gutschi. Zu Unito gehören Universal, Otto und Quelle. Anfang 2019 hatte Otto seinen mehrere hundert Seiten starken Hauptkatalog zum letzten Mal herausgebracht. Ab sofort gibt es nur mehr dünnere Print-Spezialkataloge. Im letzten Geschäftsjahr lag der Online-Umsatzanteil laut Gutschi bei 93 Prozent, im Mai bereits bei 96 Prozent. Der Katalog würde vor allem „bestellauslösend“ für den Online-Handel wirken. Laut Studie kaufen 58 Prozent der Österreicher im Internet ein, aber nur mehr elf Prozent im klassischen Versandhandel. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 shoppten 46 Prozent der Österreicher online und noch 29 Prozent im klassischen Versandhandel.

Umsatzabfluss eindämmen

Der Geschäftsführer des Handelsverbandes, Rainer Will, sieht „dringenden Handlungsbedarf“, um den Umsatzabfluss zu Online-Händlern ins Ausland einzudämmen. Aufgrund der ungleichen Bedingungen zwischen heimischen und ausländischen Anbietern sei es derzeit „ein Fass ohne Boden“. Die ehemalige ÖVP-FPÖ-Regierung hatte Anfang April im Ministerrat neue Steuern für Internet-Unternehmen auf den Weg gebracht. Die Pläne umfassten eine Abgabe auf Online-Werbeumsätze in Höhe von fünf Prozent, eine Ausdehnung der Einfuhrumsatzsteuer im Online-Handel sowie eine Haftungsklausel für Online-Vermittlungsplattformen. Für den Pakethandel für Lieferungen außerhalb der EU wollte der damalige Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) den Zollwert unter 22 Euro „ab dem ersten Cent“ besteuern, um „eine faire Basis zwischen traditionellem Handel in Österreich und dem Online-Handel“ zu schaffen.

Einfuhrumsatzsteuer ab 1 Cent soll trotzdem kommen

Der Handelsverband ist zuversichtlich, dass die geplanten Vorhaben im Bereich Handel und Internet auch von der Übergangsregierung umgesetzt werden. Es habe bereits einen positiven Austausch mit dem neuen Finanzminister Eduard Müller gegeben, so der Handelsverband-Geschäftsführer.

Fast 70 Prozent kaufen online

68 Prozent bzw. rund 5,1 Millionen Österreicher und Österreicherinnen (ab 15 Jahre) kauften 2018/19 laut Umfrage im Internet-Einzelhandel bzw. im Versandhandel ein. Im Vergleich zur Vorjahresperiode waren dies um zwei Prozent mehr Personen. Die Durchschnittsausgaben stiegen um ein Prozent auf rund 1.600 Euro pro Käufer. Der Unito-Chef erwartet, dass in den nächsten zehn Jahren der Anteil der Online-Shopper in Richtung 80 Prozent geht. Mit rund 1,9 Mrd. Euro im Jahr 2018/19 entfielen die höchsten Ausgaben im Distanzhandel auf Bekleidung/Textilien, gefolgt von Elektrogeräten (1,2 Mrd. Euro) und Büchern/Schreibwaren (0,6 Mrd. Euro). Die Österreicher gaben rund 30 Prozent ihrer gesamten Ausgaben für Bücher/ Schreibwaren im Online-Handel bzw. Versandhandel aus, gefolgt von Spielwaren mit einem Online-Umsatzanteil von 29 Prozent und Sportartikel und Elektroartikel (jeweils 27 Prozent) und Bekleidung/Textilien (23 Prozent).

60% der jungen Konsumenten kaufen per Smartphone

Die Wachstumsdynamik beim Online-Shopping wird noch übertroffen vom anhaltenden Boom beim Smartphone-Shopping. Mehr als ein Viertel der Österreicher kauft im Internet bereits via Smartphone ein, die Ausgaben liegen aktuell bei 800 Mio Euro. Damit haben sich die Umsätze im M-Commerce seit 2013 vervierfacht. Allerdings ist Smartphone-Shopping nach wie vor eine Altersfrage: Bei den unter-29-Jährigen Konsumenten kaufen mittlerweile sechs von zehn via Smartphone ein. Bei den über-60-Jährigen liegt die M-Commerce-Quote hingegen bei sechs Prozent.

Elf Prozent des Gesamthandels sind online

Rund elf Prozent der gesamten Einzelhandelsausgaben landeten bei in- und ausländischen Internet-Einzelhandel bzw. im Versandhandel. Damit liegt Österreich auf dem Niveau der Schweiz (ebenfalls rund elf Prozent) aber unter Deutschland (rund 13 Prozent).

Sprachassistenten auf dem Vormarsch

Der zuletzt medial gehypte Megatrend Voice Commerce steht in Österreich noch am Anfang, das Wachstum verläuft allerdings exponentiell: Im Vorjahr haben knapp 200.000 Österreicher internetbasierte persönliche Assistenten wie Amazon Echo oder Google Home genutzt. Mittlerweile sind es bereits 450.000 ÖsterreicherInnen, die derartige Services nutzen. 30.000 Konsumenten haben bereits via Alexa & Co. Produkte bestellt. Damit hat sich die Zahl der Voice-Shopper seit 2018 verdoppelt. Aus datenschutzrechtlicher Perspektive sei die zunehmende Verbreitung der permanent lauschenden Smart Speaker in den heimischen Wohnzimmern problematisch, so der Handelsverband Umso wichtiger wäre eine rasche Umsetzung des vom Handelsverband geforderten „New Digital Deals“, um auch im Online-Handel einen Fair Commerce sicherzustellen. (APA/red)

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