Bedarfsflieger: Was eine Flugstunde derzeit kostet

13. Juni 2019 Drucken
Bedarfsflieger: Was eine Flugstunde derzeit kostet
Cessna Citation Mustang, operated by GlobeAir © Screenshot

Immer mehr Menschen in Europa leisten sich Flüge in gemieteten Privatjets. Dennoch befindet sich der Markt für Bedarfsflieger in einem anhaltenden Preiskampf, zeigt eine Marktstudie des Beratungsunternehmens Kreutzer Fischer & Partner. 

Immer mehr Menschen nutzen den Service von Privatjet-Charterdiensten im europäischen Raum. Laut der aktuellen Marktstudie „Bedarfsflieger in der Europäischen Union 2018“ von Kreutzer Fischer & Partner wuchs der Markt für Privatjet-Charter in der EU (inkl. Schweiz und Norwegen) im Jahr 2018 um nahezu vier Prozent auf über 19.800 Flugstunden. Doch während die Nachfrage am Markt bereits zum dritten Mal in Folge robust zulegte, erhöhten sich die Erlöse der Anbieter nur halb so rasch. Mit 361,6 Millionen Euro wurde um weniger als zwei Prozent mehr umgesetzt als im Jahr davor.

Preise stehen gehörig unter Druck

Denn die Preise standen auch im vergangenen Jahr gehörig unter Druck. Kostete eine Flugstunde im Jahr 2015 durchschnittlich noch 19.300 Euro, wurden 2018 im Mittel nur noch 18.200 Euro erlöst und das bei gleichzeitig steigenden Kosten. Verantwortlich dafür war insbesondere der Preisverfall in der Flugzeugklasse „Business Jets“, in der nahezu die Hälfte aller Flugstunden geflogen wurde. Business Jets werden von zwei Piloten gesteuert, bieten Platz für sechs bis zehn Passagiere und haben eine Reichweite von etwa 4.000 Kilometern. In den letzten drei Jahren schrumpfte der Durchschnittspreis um beinahe zehn Prozent auf zuletzt durchschnittlich 9.300 Euro pro Flugstunde. Zudem sanken auch die Preise für die Anmietung des kleinsten Flugzeugtyps, des Light Jets (1 Pilot, 4 -7 Passagiere, Reichweite durchschnittlich 3.500 Kilometer) signifikant, im Vergleichszeitraum um fünf Prozent auf durchschnittlich 7.400 Euro pro Flugstunde.

Große Brummer fliegen preisstabil

Vergleichsweise preisstabil entwickelten sich hingegen die großen Flugzeugtypen. Durchschnittlich 31.300 Euro – und um drei Prozent weniger als 2015 – kostete im Jahr 2018 die Flugstunde in einem Midsize Jet (2 Piloten und bis zu 14 Passagiere, Reichweite bis etwa 7.000 Kilometer). Mehr als doppelt so viel zahlte man für einen Long range Jet (63.500 Euro pro Flugstunde), der als einzige Flugzeugklasse das Preisniveau halten konnte. Long range Jets verfügen über eine Reichweite von bis zu 12.000 Kilometern und haben Platz für bis zu 16 Passagiere.

Überkapazitäten nagen am Preis

Treiber der Preiserosion ist ein überproportional wachsendes Angebot an Privatjets. Zwischen 2015 und 2018 erhöhte sich die Anzahl der zu mietenden Privatjets um fünfzehn Prozent. Im letzten Jahr stand damit den Privatjet-Charterdiensten eine Flugstaffel von knapp 730 Flugzeugen in EU, Norwegen und der Schweiz zur Verfügung. Und wenngleich im selben Zeitraum auch die Nachfrage nach Flugstunden um knapp zehn Prozent zulegte, überstieg das Wachstum des Angebots jenes der Nachfrage doch signifikant. Infolge sank die jährliche Auslastung der Charter-Flieger von durchschnittlich 28 Flugstunden im Jahr 2015 auf knapp 27 Flugstunden im vergangen Jahr. Die logische Konsequenz daraus war ein Preisverfall der wohl auch in näherer Zukunft anhalten wird.

Kluft zwischen Privatjet und Airliner wird kleiner

Die Preiserosion führt inzwischen zu einer erstaunlichen Annäherung der Preise von Privatjet-Flügen und klassischen Airline Angeboten. So kosten Hin- und Rückflug nach Paris mittels Privatjet 17.100 Euro, bei neun Reisenden entstehen also Kosten von 1.900 Euro pro Person. Nach dem Business-Flex Tarif der Austrian Airlines entstehen für dieselbe Strecke Kosten von rund 990 Euro pro Person. Die Preisdifferenz entspricht also knapp 1.000 Euro pro Person. Dafür können die Abflugzeiten frei gewählt werden und es entfallen Wartezeiten beim Check-In, bei der Gepäckabgabe- und Entnahme. Hinzu kommt, dass Privatjets auch kleinere Flughäfen anfliegen können und so entlegenere Reiseziele deutlich schneller erreicht werden, neben einem unbestreitbar höheren Reisekomfort.

Operatoren arbeiten für Flugzeughalter

Insgesamt wurden 2018 innerhalb der Europäischen Union (inkl. Schweiz und Norwegen) von Privatjet-Operatoren rund 14.500 Flugzeuge serviciert. Der überwiegende Teil davon war nicht im Besitz dieser Operatoren, sondern gehörte privaten oder gewerblichen Flugzeughaltern. Die Operatoren übernahmen die laufenden Kosten des Flugzeuges wie Wartung, Instandhaltung und diverse Flugplatzabgaben. Diese Serviceleistung konnte durch Bezahlung beglichen werden, oder man gestattete dem Operator die Nutzung des Flugzeuges für Charterflüge. Allerdings stimmte nur ein Bruchteil der Flugzeugbesitzer einer Nutzung des Flugzeuges durch Dritte zu.

Herstellermarkt bleibt stabil

Am Markt der Flugzeugproduzenten hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig verändert. Nach wie vor liegt Jethersteller Gulfstream mit einem Marktanteil von rund 28 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Bombardier (Learjet, Challenger, Global) mit knapp 23 Prozent Marktanteil, Dassault (Falcon) und Cessna (Citation) mit jeweils rund 19 Prozent Marktanteil.

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