Eskalation am Persischen Golf: Die schmierige Last des Erdöls

14. Juni 2019 Drucken
Eskalation am Persischen Golf: Die schmierige Last des Erdöls
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Die Spannungen am Persischen Golf nehmen zu. Es geht um Erdöl – unverändert die begehrteste Ressource der Weltwirtschaft. Alexander Weiss, Commodities Specialist der Erste Asset Management, analysiert die ökonomische Bedeutung des fossilen Energieträgers.

Erdöl wird noch immer großteils für den Transport verwendet.  2017 waren es laut Barclays Research über die Hälfte des weltweiten Verbrauchs. Davon werden 25 Prozent für den Antrieb von LKWs verwendet, 22 Prozent für PKWs und 13 Prozent für sonstige Transporte. Damit sind vor allem Schifffahrt und Luftfahrt betroffen. Doch Erdöl wird auch für die Herstellung von Plastik, Dünger, Klebstoffe  bis hin zu Pharmazeutika und Textilien verwendet, dazu kommen die industrielle Produktion und Energieversorgung.

Verbrauch der Schwellenländer steigt

Selbst wenn sich die Zusammensetzung des Erdölverbrauchs in den nächsten Jahren ändern wird (E-Mobilität!!), wird die Nachfrage nach Öl in den nächsten Jahren weiterhin wachsen – getrieben vor allem durch das Wachstum in Schwellenländern.  Doch wie wirkt sich das alles kurzfristig auf den Benzinpreis aus? Hier stehen vor allem 3 Themen im Vordergrund: Nachfrage, Angebot und langfristige Trends.

Mittelfristiger Preisrückgang

Der aktuelle Ölbedarf der Welt liegt bei ca. 100 Millionen Barrel pro Tag. Ein Barrel sind 158.99 Liter. Dabei ist Erdöl mittlerweile tief in die gesamtwirtschaftliche  Wertschöpfungskette eingebunden. Wenn die Weltwirtschaft stockt, wird weniger produziert und es werden weniger Waren transportiert.  Dementsprechend stark hat der Erdölpreis auch auf Ausweitungen der USA Strafzölle gegen China und die zusätzliche Einführung von Strafzöllen gegen Mexiko reagiert. Seit  den Ankündigungen der zusätzlichen Strafzölle gegen China haben die beiden Öl-Benchmarks WTI und Brent jeweils knapp 15 Prozent verloren.

Referenzsorten Brent und WTI

Brent und WTI sind zwei wichtigsten Erdöl-Sorten. Brent wird in Europa, genauer in der Nordsee (Brent-Ölfeld) gefördert. WTI steht für „West Texas Intermediate“ und steht für den Preis für Rohöl aus den USA.  In der Vergangenheit wurde WTI aufgrund der besseren Rohöl-Eigenschaften leicht teurer als Brent gehandelt. Durch den Schiefergasboom in den USA hat sich dies allerdings gedreht, momentan wird ein Barrel Brent um ca. 10$ teurer als ein Barrel WTI gehandelt.

USA sorgen für Verwerfungen

Die zusätzliche Ankündigung der Ausweitung von Strafzöllen auf mexikanische Produkte gießt zusätzliches Öl ins Feuer – es scheint als würden die USA einen langfristigen Konflikt an mehreren Fronten nicht scheuen.
Ein solcher langanhaltender Handelskrieg wirkt sich entsprechend negativ auf die Weltwirtschaft aus, zusätzlich haben einige Früh-Indikatoren, insbesondere in den USA und Europa enttäuscht. Beides hat sich in den Erwartungen des künftigen Wachstums und somit auch in den Ölpreisen niedergeschlagen. Dies ist auch der Grund, warum man momentan wieder billiger tanken kann als noch vor einem Monat.

60 Dollar im Schnitt

Langfristig bewegt sich der Ölpreis in einem gewissen Korridor. Bei sehr hohen Preisen wird die Förderung erhöht – das senkt den Preis. Bei sehr niedrigen Preisen werden Kapazitäten zurückgefahren und das Angebot gesenkt – daraufhin steigt der Preis. Der langfristige Durchschnittspreis von der Erdölsorte WTI liegt bei ca. 60 USD

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Die (Öl-)Welt im Umbruch

Die Nachfrage ist nur eine Seite des Ölpreises – der Markt wird auch stark von der Angebots-Seite geprägt. In der Vergangenheit konnte die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), in der Saudi Arabien den Ton angibt, mit abgesprochenen Produktionsquoten den Ölpreis weitgehend kontrollieren. Durch steigende Produktionsquoten in Ländern außerhalb der OPEC ist der Einfluss allerdings zurückgegangen – insbesondere der Schiefergas-Boom in den Vereinigten Staaten hat diese zum derzeit größten weltweiten Ölproduzenten gemacht.

Inoffizieller Zaungast Russland

Als Reaktion wurde die OPEC inoffiziell um Russland erweitert um als „OPEC+“ wieder mehr Einfluss ausüben zu können. Die OPEC war es übrigens auch, die 1973 die Produktion drastisch reduzierte und somit den Preis für Öl und damit auch Benzin drastisch steigen ließ – der Preis von Heizöl in Deutschland stieg sogar von 12 auf 70 Pfenning pro Liter.

Konflikt USA-Iran 

Das Erdöl-Angebot wird nicht nur durch Produktionsquoten, sondern auch durch geopolitische Schocks geprägt.  In Venezuela ist aufgrund der prekären politischen Situation die Produktion von über 2,5 Millionen Barrel/Tag auf 1 Million Barrel/Tag zurückgegangen. In Libyen, wo momentan Kämpfe um die Hauptstadt Tripolis geführt werden, sind zwischen 300-400 Millionen Barrel in Gefahr. Doch die größten Auswirkungen hat der fortlaufende Disput zwischen den USA und dem Iran am Persischen Golf. 2015 unterzeichnete der Iran ein Abkommen welches vor allem auf eine Regelung dessen Nuklearprogramms abgezielt hat. Und obwohl die Vereinbarung laut unabhängiger Prüfungskommission eingehalten wurde, kündigte US Präsident Trump im Mai 2018 an vom Abkommen zurückzutreten und Sanktionen gegen den Iran zu verhängen. Im ersten Schritt gab es noch Ausnahmenregelungen. Seit 01.05.2019 sind allerdings die kompletten US-Sanktionen gegen den Iran aktiv. Dies führte zu einer Reduktion der Förderung von fast 4 Millionen Barrel/Tag vor auf knapp 2,5 Millionen Barrel/Tag im April diesen Jahres. Mai Zahlen sind noch nicht veröffentlicht. Allerdings ist die Tendenz stark fallend.

Schiefergas macht USA zum Nettoexporteur

Von den geopolitischen Turbulenzen profitiert momentan vor allem ein Land – die USA. Durch den Schiefergas-Boom konnte man die Erdölproduktion so stark steigern, dass man, nach Angaben des Energieministeriums der Vereinigten Staaten, 2020 das erste Mal seit 1953 Netto Exporteur von Erdöl sein wird. Gleichzeitig wurde die Fördermenge von der OPEC bzw. „OPEC+“ stabil gehalten beziehungsweise reduziert –dies hat den Preis gestützt.

Eskalation bedeutet Preisauftrieb

Da die OPEC-Mitgliedsstaaten einen hohen Ölpreis für einen ausgeglichenen Staatshaushalt benötigen, erwarten wir keine großen Erhöhungen der Fördermenge. Viel hängt von der Gesamtlage der Wirtschaft ab. Sollte es zu einer Einigung im Handelskrieg zwischen den USA und China kommen und die Weltwirtschaft wieder anspringen, wird sich das fundamental positiv auf Öl auswirken.  Eine Eskalation im Persischen Golf würde zusätzlich kurzfristigen Auftrieb für den Ölpreis geben. Dann wird es auch an den österreichischen Tankstellen wieder teurer. Eine ähnliche Zuspitzung der Preise wie 1973 wird es allerdings nicht mehr geben. Dafür ist die Weltproduktion mittlerweile zu gleichmäßig verteilt.

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