Neues EU-Fördertool: Eine Mrd. Euro für Start ups und Mega-Innovationen

21. Juni 2019 Drucken
Neues EU-Fördertool: Eine Mrd. Euro für Start ups und Mega-Innovationen
© FEEI/Bernhard Wolf

Der Europäische Innovationsrat EIC bringt für die heimischen Förderagenturen wie FFG und aws die Gelegenheit, bei ihren Projekten durch Co-Investments in Größenklassen vorzudringen, die bislang nicht möglich waren.

Für große Innovationsprojekte

Der Start der „Pilotphase für den Europäischen Innovationsrat“ (European Innovation Council – EIC) ist Teil des aktuellen EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ und wird im Rahmenprogramm „Horizont Europe“ in den Jahren 2021-2027 fortgeführt. Neu ist ein Budget von 100 Millionen Euro für Kapitalbeteiligungen bei Sprunginnovationen. Der Europäische Innovationsrat soll auch in Österreich entwickelten Technologien der Zukunft zum internationalen Durchbruch verhelfen.

Das ist der EIC

Der Europäische Innovationsrat (EIC) besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptelementen: Im „Pathfinder“, ein Förderinstrument noch nahe an der Grundlagenforschung, wird die Fortentwicklung jener wissenschaftlichen Ideen systematisch unterstützt, die sehr ausgeprägtes unternehmerisches Potenzial in sich bergen. Im nachfolgenden „Akzelerator“ erfolgt schließlich die Weiterentwicklung hin zum konkreten Marktdurchbruch. Entweder können die Unternehmen ein Zuschusselement in Höhe von durchschnittlich 1,5 bis 2 Millionen Euro beantragen und sich nachfolgend selbst um weitere Finanzierung kümmern, beispielsweise via Venture Capital. Neu ist im EIC-Akzelerator die Möglichkeit von „Blended Finance“. Wie bisher können die Unternehmer um das Zuschusselement ansuchen, aber zusätzlich besteht die Option für EU finanziertes Beteiligungskapital.

Mischfinanzierungsinstrument für Innovationen

Mit dem EIC soll die schwierigste Finanzierungsphase zwischen Forschung und Markteinführung überbrückt werden. Denn bislang ist Europa ein Musterschüler, wenn es um exzellente Forschung geht, aber die Umsetzung in erfolgreiche Marktinnovation funktioniert anderswo oft besser, heißt es in einer Aussendung des FFG.  Das hänge mit mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten und -instrumenten für risikobehaftete aber bahnbrechenden Innovationen zusammen. Während in China hierfür nahezu unbegrenztes Staatskapital zur Verfügung steht und die USA über eine ausgeprägte Risikofinanzierungskultur verfügt, ist Europa hier weniger gut aufgestellt. Mit dem EIC soll sichergestellt werden, dass auch in Europa ein Mischfinanzierungsinstrument aus Zuwendungen und Beteiligungskapital verfügt werden kann. Damit soll die Anschlussfinanzierung für risikobehaftete, aber bahnbrechende und marktschaffende Innovationen ermöglicht werden, so die FFG anlässlich einer Einführungsveranstaltung zum EIC.

Verbesserte Marktchancen für KMU

Der FFG ist nationale Kontaktstelle für das EU-Forschungsrahmenprogramm. Während die direkten EU-Förderungen wie bislang in Brüssel von der Europäischen Kommission bzw. ihrer Europäischen Agentur für KMU gemanagt werden, so wird das Equity-Investment durch einen neu etablierten und rechtlich selbständigen EIC-Fund erfolgen.  Auftraggeber ist die EU-Kommission, aber das volle Know-How von Spezialisten wird hinzugezogen. Der FGG spricht damit auch private Investoren an, die besten Ideen zu unterstützen. Co-Investment des neuen Fonds mit Privatinvestoren sei nicht die einzige, aber eine sehr wichtige Option!.

Co-Investment setzt wichtige Impulse

Dabei wird auch das aws eine wichtige Rolle einnehmen. Die österreichische Förderbank betreibt eine Reihe von Aktivitäten im Bereich Eigenkapital, wie die Venture-Capital-Initiative oder das i2Business Angel-Netzwerk. Die Beteiligungstöchtern aws Gründerfonds und Mittelstandsfonds  sind angjährig am Markt aktiv und investieren vorzugsweise gemeinsam mit Privatinvestoren erfolgreich in innovative Unternehmen. Der EIC bringt die neue Gelegenheit, durch Co-Investment in Größenklassen vorzudringen, die bislang nicht möglich waren. Neue europäischer ‚Big Player‘ sollen entstehen. Auch ein Co-Investment von privaten Investoren, von aws-Fonds und dem EIC-Fund sei denkbar.

Der EIC ergänzt nationale Initiativen

Österreich hat bei Risiko- und Wachstumskapital ab ein bis zwei Millionen Euro für disruptive Technologien und Sprunginnovationen noch Aufholbedarf . Der Europäische Innovationsrat soll daher österreichische Initiativen wie den Digitalisierungs- und Wachstumsfonds ergänzen.

Erster Stichtag im Oktober

Der erste europaweite Stichtag für „Blended Finance“-Einreichungen ist am 9. Oktober 2019. In den Jahren 2019 und 2020 stehen 100 Millionen Euro für den neuen Equity-Teil zur Verfügung. Die Europäische Kommission hofft, damit 20-40 europäischen Sprunginnovationen zum Durchbruch zu verhelfen“, so Hermann Hauser bei einer Veranstaltung in Wien. Hauser ist Österreich-stämmiger Eigentümer von Amadeus Capital, einem in Cambridge angesiedelten auf Innovation fokussierten Venture Capital Fonds. Hauser fungierte als einer der wichtigsten Ideengeber für Forschungskommissar Carlos Moedas bei der Entwicklung des neuen EIC-Modells, und ist gleichzeitig Berater der österreichischen Bundesregierung als Mitglied des Rates für Forschung und Technolgieentwicklung.

Durchgestartet wird 2021

Richtig durchgestartet soll im neuen Forschungsprogramm ‚Horizon Europe‘ (2021-27) ab Anfang 2021 werden, . Dann tritt der EIC in seine Hauptphase, und die verfügbaren Mittel für (Co-)Investitionen betragen dann jährlich ein Mehrfaches.

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