Neue Jobwelt: Wie die Digitalisierung das Berufsleben verändert

25. Juni 2019 Drucken
Neue Jobwelt: Wie die Digitalisierung das Berufsleben verändert
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MitarbeiterInnen in der Telekommunikationsbranche sowie im Banken- und Versicherungswesen haben am meisten Angst um ihren künftigen Arbeitsplatz. Schon heute habe die Digitalisierung für 69 Prozent der Arbeitnehmer großen Einfluss, heißt es in einer Jobstudie des Beratungsunternehmens EY Österreich. 

Die Digitalisierung beeinflusst den Arbeitsalltag. Sie führt dazu, dass Aufgaben erheblich verändert oder sogar ersetzt werden. Bei rund sieben von zehn Arbeitnehmern (69 Prozent) hat die Digitalisierung nach eigener Aussage bereits einen großen oder sehr großen Einfluss auf den Arbeitsalltag. Gar keine Einwirkung spürt gerade einmal jeder 25. Arbeitnehmer (4 Prozent).

Bau und Handel geben sich resistent

Die Auswirkung der Digitalisierung variiert beträchtlich zwischen den untersuchten Branchen: In der Telekommunikationsbranche bewerten zwei von drei Beschäftigten (68 Prozent) den Einfluss als sehr hoch. Stark überdurchschnittlich ist die Bedeutung der Digitalisierung auch im Banken- und Versicherungswesen – für jeden Zweiten (48 Prozent) ist der Arbeitsalltag vom digitalen Wandel geprägt. Vergleichsweise gering ist der digitale Einfluss in der Bauwirtschaft (10 Prozent) und im Handel (14 Prozent).

Neue IT-Anwendungen im Job

Bei 82 Prozent wirkt sich Digitalisierung in Form von neuen Programmen und IT-Anwendungen aus. Mehr als sieben von zehn Beschäftigten (72 Prozent) arbeiten vermehrt mit internetfähigen Arbeitsgeräten wie Tablets oder Smartphones. Auch von der Digitalisierung und Automatisierung von Abläufen sind inzwischen zwei von drei Beschäftigten (66 Prozent) betroffen. Das sind Ergebnisse der EY-Jobstudie, für die 1.001 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich befragt wurden.

Mehrheit fühlt sich „up to date“

Mehr als neun von zehn Beschäftigten in Österreich (94 Prozent) fühlen sich den Veränderungen, die die Digitalisierung im Job mit sich bringt, meistens oder immer gewachsen. Interessant ist, dass sich ältere Arbeitnehmer als besser gewappnet einschätzen als jüngere: Bei jenen über 50 fühlen sich nur fünf Prozent den neuen Anforderungen selten oder nie gewachsen, bei den 21- bis 50-Jährigen jedoch sieben, bei den Arbeitnehmern unter 20 immerhin sechs Prozent. Vor allem im Handel und in der Bauwirtschaft fühlt sogar mehr als jeder zehnte Befragte (12 bzw. 11 Prozent), dass er mit den Veränderungen nicht mehr Schritt halten kann. Im Banken- und Versicherungswesen sehen sich dagegen ausnahmslos alle Befragten gut aufgestellt.

Telekom-Branche am stärksten betroffen

Insbesondere bei Unternehmen der Telekommunikationsbranche sowie bei Banken und Versicherungen machen sich die Veränderungen durch die Digitalisierung bemerkbar: 57 Prozent der Beschäftigten aus der Telekommunikationsbranche und 51 Prozent im Banken- und Versicherungswesen bilden sich auf digitalem Gebiet weiter. Das ist offenbar auch nötig: 95 Prozent der Beschäftigten in der Telekommunikation und 92 Prozent im Banken- und Versicherungswesen sagen, die Digitalisierung habe auf sie einen sehr großen oder eher großen Einfluss. Die Fortbildungsoffensive scheint Früchte zu tragen: Trotz der hohen Betroffenheit fühlen sich alle Beschäftigten aus der Banken- und Versicherungsbranche den Veränderungen gewachsen – kein einziger Befragter gibt an, nicht Schritt halten zu können.

Die Sorge bleibt

Auch wenn die Beschäftigten im Banken- und Versicherungswesen sowie der Telekommunikation ausreichend Schulungen bekommen und sich den Veränderungen gewachsen fühlen, sorgt sich doch jeder dritte Arbeitnehmer (35 Prozent) um das Fortbestehen seines eigenen Arbeitsplatzes. In der Telekommunikationsbranche sorgen sich sieben Prozent sogar in erheblichem Umfang.

Identifikation mit dem Job sinkt

In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Identifikation der Beschäftigten mit dem eigenen Job gemindert: Fast jeder fünfte Beschäftigte in Österreich (19 Prozent) gibt an, dass er eine andere Karriere eingeschlagen hätte, wäre ihm zu Zeiten der Ausbildung bzw. des Studiums klar gewesen, wie sehr sich das angestrebte Berufsbild ändern würde. Männer hätten im Wissen um die zukünftige Wandlung des Berufsbildes deutlich häufiger eine andere Karriere angestrebt als Frauen (22 Prozent vs. 16 Prozent).

Großes Vertrauen in eigene Zukunftsfähigkeit

Gut sieben von zehn Beschäftigten (71 Prozent) rechnen damit, dass die Produkte und Dienstleistungen des eigenen Unternehmens auch in zehn Jahren noch in weitgehend unveränderter Form am Markt erfolgreich sein werden – jeder Siebte (14 Prozent) geht sogar davon aus, dass sie zukünftig noch erfolgreicher sein werden. Besonders Großunternehmen und Unternehmen in der Telekommunikationsbranche sowie im Banken- und Versicherungswesen (je 66 Prozent) unternehmen große Anstrengungen, um ihre Produkte an die neuen Entwicklungen am Markt anzupassen. Diese Ansicht spiegelt sich auch im vorhandenen Vertrauen der Beschäftigten (76 Prozent) in das Management und deren Entscheidungen bezüglich nötiger Zukunftsstrategien wider.

Ungewissheit macht Angst

„Auch wenn die Mehrheit der Arbeitnehmer der Digitalisierung gegenüber positiv gestimmt ist und sich an die Veränderungen anpasst, gibt es auch eine gewisse Angst vor der Zukunft. Daher ist es wichtig, in die Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitern zu investieren und sie bei wichtigen digitalen Veränderungen von Beginn an zu involvieren“, so die Studie.

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