Mehr Paypal als Bitcoin: Facebooks Cyberwährung Libra und die Banken

11. Juli 2019 Drucken
Mehr Paypal als Bitcoin: Facebooks Cyberwährung Libra und die Banken
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Die Ankündigung von Facebook, mit Libra eine eigene Währung zu schaffen, schlägt hohe Wellen. Mit einer Kryptowährung hat das Zahlungsmittel aber wenig gemeinsam. Den beteiligten Unternehmen dürfte es eher um ein Gegenmodell zu Bitcoin und Co gehen.

Das Konsortium rund um den Facebook-Konzern hat mit Libra im Erfolgsfall gute Chancen, den internationalen Zahlungsverkehr zu verändern. Mit namhaften Größen wie Visa, Mastercard und PayPal an der Seite startet das Projekt mit einem breiten Fundus an Wissen über Zahlungsnetzwerke und deren Infrastruktur.

Unterstützer sind lebensnotwendig

Ohne die Unterstützung dieser Firmen wären die Aussichten auf Erfolg deutlich geringer: „Ein reines Facebook-Projekt hätte keinerlei Chancen gehabt“, ist Fabian Schär, Professor und Geschäftsleiter am Center for Innovative Finance der Universität Basel, überzeugt. Ein großes Fragezeichen setzt der Blockchain-Experte aber hinter die Ertragsquellen. Denn die Gebühren für Zahlungen sollen laut Facebook verschwindend klein sein. Den „Business Case“ sieht Schär eher in der Verwertung von Zahlungsdaten und im Zinsgeschäft. Eine Integration von Facebook-Plattformen wie Instagram und WhatsApp würde es dem Konzern ermöglichen, den erfolgreichen „Super App-Modellen“ wie WeChat aus China entgegenzutreten.

Breite Basis

Genügend Schlagkraft besitzt das Konsortium allemal. Unter den bisher 28 Partnern befinden sich neben den großen Payment-Anbietern auch Unternehmen wie eBay, Uber, Lyft und Spotify dabei. Einzig ein klassisches Bankenhaus fehlt.

Regulierung aus Sicht der Banken unverzichtbar

FMA-Chef Klaus Kumpfmüller forderte zuletzt gegenüber der APA für die geplante Facebook-Cyberwährung, dass diese wie alle Krypto-Assets reguliert und beaufsichtigt werden muss. „Wichtig wird auch bei Libra sein, dass der Handel transparent erfolgt, um Missbrauch zu Lasten der Nutzer vorzubeugen“, sagte Kumpfmüller. „Der europäische Gesetzgeber hat hier ja schon erste Schritte gesetzt und unterwirft etwa auch Krypto-Assets künftig gesetzlichen Verpflichtungen zur Prävention der Geldwäsche, wo er bei den Handelsplattformen und Wallet-Providern ansetzt“, so der Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA). „Diesen Weg müssen wir rasch und konsequent weiter gehen.“ Bekanntlich soll Libra an „harte Währungen“ wie den Dollar, Euro oder Yen gebunden sein, um Wertschwankungen zu minimieren. „Dafür dürfte eine klassische Bank benötigt werden“, lautet Schärs Prognose.

Banken werden sich anschließen

Dies ist aber nur eine Frage der Zeit, ist David Marcus, CEO der neugegründeten Facebook-Tochter Calibra, überzeugt. Der ehemalige PayPal-Chef und Vize von Facebook Messenger rechnet fest damit, dass sich bis zum Start von Libra im Jahr 2020 „einige Banken“ dem Konsortium anschließen werden, wie er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte.

Krypto-Unternehmen bahnen den Weg

Die Chancen, dass es dem Libra-Konglomerat gelingt, die Banken an Bord zu holen, schätzt auch der Blockchain-Experte Schär als „relativ groß“ ein. Zudem gehören dem Verbund auch große Krypto-Unternehmen wie Xapo oder Coinbase an. Diese erbringen bereits heute bankenähnliche Dienstleistungen für Private und Institutionelle.

Mit Schweizer Behörden im Gespräch

Auch mit Regulationsbehörden in der Schweiz ist die Libra Association laut eigenen Angaben bereits in Kontakt. Ein Sprecher der Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma bestätigte dies auf Anfrage. Ob und welche Bewilligungspflichten anfallen, hänge indes von der konkreten Ausgestaltung der Dienstleistung ab. Der Erwerb einer Bankenlizenz dürfte dabei aber (noch) kein Thema sein.

Offene Haltung in Bern

Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen SIF bestätigte ebenfalls, dass man von Facebook über das Projekt informiert worden sei, „allerdings nicht im Detail“, erklärte SIF-Sprecher Frank Wettstein. Aus seiner Sicht sei es ein positives Zeichen, dass der Standort Schweiz für ein „ambitioniertes internationales Vorhaben eine Rolle spielen soll“, so Wettstein. Damit bestätige sich einmal mehr die offene Haltung der Schweizer Behörden gegenüber Kryptowährungen.

Mehr Paypal als Bitcoin

Die neue Internetwährung der in Genf ansässigen Libra Association hat aber nur wenig gemein mit Kryptowährungen wie Bitcoin. „Das System ist weder offen noch zensurresistent angelegt“, erklärt Uniprofessor Schär. Mit den hinter dem Bitcoin stehenden Prinzipien einer zugangsoffenen und nicht von Unternehmen zentral verwalteten Blockchain habe Libra wenig gemeinsam: „Vielmehr handelt es sich um eine Art PayPal 2.0“, lautet sein Fazit.

Kryptos sind nicht regulierbar

Beim Bitcoin kann sich hingegen zumindest theoretisch jeder ohne Auflagen anschließen und zum Konsens der Blockchain beitragen. Und auch Zensur und Transaktionsverbote sind im Bitcoin-Universum schwierig. Zwar können Kryptobörsen geschlossen und Anbieter belangt werden. Ein totales Verbot, geschweige denn ein „Abschalten“ der Blockchain bleibt aber praktisch unmöglich.

Libra misst sich mit Geldtransferdienstleister

Bitcoin-Anhänger zeigen sich daher überzeugt, dass Libra auch im Erfolgsfall keine Gefahr für bestehende Kryptowährungen darstellt: „Libra ist hauptsächlich eine Konkurrenz für die Banken“, sagte der Präsident der Bitcoin Association Switzerland, Lucas Betschart, letzte Woche anlässlich eines Branchenanlasses. Libra wird – wenn überhaupt – die Notenbanken und Banken beschäftigen sowie Geldtransferdienstleister wie Western Union herausfordern. (APA)