Food Revolution: So steigert Fleischkonsum den Gebrauch von Pestiziden

26. Juli 2019 Drucken
Food Revolution: So steigert Fleischkonsum den Gebrauch von Pestiziden
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Die Entwicklung der Welternährung ist durch die stetig wachsende Nachfrage nach Produkten aus Tierhaltung geprägt. Laut FAO steigen Verbrauch und Produktion von Fleisch bis 2050 weltweit um 120 Prozent. Stefanie Schock, Senior Research Analyst der Erste Asset Management, hat die Zusammenhänge der Food Revolution analysiert.

In den Entwicklungsländern findet gegenwärtig die Food Revolution statt: die vermehrte Nachfrage nach Fleischprodukten. Laut Welternährungsorganisation FAO hat sich die weltweite Fleischproduktion seit 1965 von damals 84 Millionen Tonnen auf 335 Millionen fast vervierfacht. Der Verbrauch und die Produktion von Fleisch könnten bis 2050 um 120 Prozent steigen.

China und Brasilien steigern Verbrauch drastisch

Historisch sind große Teile des Konsumwachstums auf China und Brasilien zurückzuführen: Der weltweite durchschnittliche Pro-Kopf-Fleischkonsum wuchs von 30,7 kg in den 1980ern auf 36,4 kg in 1997/1999. Vor allem die in dieser Periode stark wachsende Schweinefleischproduktion in China erklärt diesen Effekt, ohne China wäre der weltweite Durchschnitt annähernd unverändert geblieben. In Brasilien stieg der Fleischkonsum zwischen 1975 bis 1990 um 55%. Die FAO rechnet außerdem damit, dass sich Schwellenländer an die sogenannte „western diet“ mit starkem Fleischanteil, angleichen werden.

Die Fleischproduktion an Futtermittel gebunden

Gebunden an die wachsende Nachfrage nach Fleisch ist auch der steigende Bedarf an Futtermitteln (hauptsächlich Getreide und Ölsaaten), deren Anbau aber auch negative Umwelt- u. Klimaeffekte haben kann:

  • Durch den großflächigen Anbau von Futtermittel werden Primärwälder verdrängt, die ein wichtiger CO2- Speicher sind. Besonders herausfordernd ist die Situation in Australien, wie ein WWF-Bericht aus dem Jahr 2018 beschreibt: Hier wird 88 Prozent der gerodeten Waldfläche in Weideland umgewandelt. In Südamerika wurden zwischen 1990 und 2015 90 Mio. Hektar Waldfläche für Sojaanbau und Weidezwecke gerodet, wobei Soja auch als Futtermittel dient um z.B. die europäische Fleischnachfrage zu bedienen.
  • Der Einsatz von Kunstdünger ist sowohl Energie- als auch CO2-intensiv und belastet die Umwelt. Durch übermäßigen Eintrag auf Feldern (man spricht auch von Eutrophierung) geraten auch angrenzende Ökosysteme wie Fließgewässer in Mitleidenschaft, denn der erhöhte Nährstoffgehalt im Wasser macht diese Systeme für sensible Lebensformen unbewohnbar.
  • Pestizide, die in der konventionellen Landwirtschaft ebenfalls eingesetzt werden, haben negative Umwelteinflüsse und werden einer karzinogenen Wirkung wegen, verdächtigt.

Bayer AG & Monsanto Co: Punitive Damages

Nach der Übernahme von Monsanto Co. durch die Bayer AG kam es in den Vereinigten Staaten zu mehreren Klagen bzgl. des Herbizids „Roundup“, dass sich im Produktportfolio der Monsanto Co. befindet und einer karzinogenen Wirkung wegen unter Verdacht steht. Der Bayer AG wurde vorgeworfen, die rechtlichen und Reputationsrisiken unterschätzt zu haben, die durch die Akquisition von Monsanto Co. entstanden sind. Der internationale Stimmrechtsberater ISS (International Shareholder Services) schlug daher vor, diese Fehleinschätzung auch in der Abstimmung über die Entlastung des Vorstands bei der diesjährigen Hauptversammlung Rechnung zu tragen. In einer Reaktion der Bayer AG wurde darauf hingewiesen, dass nach Ergebnissen zahlreicher Studien ein Zusammenhang zwischen Roundup und karzinogenen Erkrankungen ausgeschlossen werden könnte.

Mehrere US-Urteile

In den Vereinigten Staaten kam es jedoch bereits zu drei Gerichtsurteilen, die das Gegenteil beschlossen, bei der letzten Gerichtsverurteilung im Mai wurde einem klagenden Ehepaar die bis dato höchste Summe von über zwei Milliarden Dollar zugesprochen. „Punitive damage“ meint in diesem Zusammenhang, dass die Strafe über den eigentlichen Schaden hinausgeht, um unter anderem als Abschreckungssignal zu dienen. Bezüglich ihrer Glyphosat Produkte sieht sich die Bayer AG in Amerika mit rund 13.000 Klagen konfrontiert.

Verbote stehen im Raum

Auch über ein Einsatz-Verbot von Glyphosat wird vielerorts diskutiert: in Los Angeles wurde ein solches bereits eingeführt, mit dem Hinweis, dass das Herbizid nicht mehr einzusetzen sei, bis öffentliche Gesundheitsstellen und Umweltbeauftragte sicherstellen, dass der Einsatz bedenkenlos sei. Auch in Österreich konnte sich eine Mehrheit für ein solches Verbot finden.

Bayer-Vorstand nicht entlastet

Bei der Hauptversammlung am 26.4.2019 wurde schließlich mit 56%er Mehrheit beschlossen, dass der Vorstand für das vergangene Geschäftsjahr nicht zu entlasten sei, der Aufsichtsrat jedoch mit 66% schon. Bei diesem Ergebnis spricht man auch von symbolischem Charakter, da wie auch schon in der Vergangenheit bei Klimaanträgen (Exxon Mobil, 2017) bewiesen wurde, Investoren ihr Stimmrecht auch zunehmend einsetzen, um Nachhaltigkeitsthemen zu adressieren, die sich negativ auf den Unternehmenswert auswirken könnten.

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