Immobiliensuche: So wollen die ÖsterreicherInnen heute wohnen

31. Juli 2019 Drucken
Immobiliensuche: So wollen die ÖsterreicherInnen heute wohnen
@ ruhaltinger

Warum begeben sich die ÖsterreicherInnen auf Immobiliensuche? Für 24 Prozent der Befragten (2018: 34 Prozent), also für fast jeden Vierten, war der Hauptgrund, dass die derzeitige Immobilie zu klein geworden ist. Familienzuwachs ist dafür meist ausschlaggebend. An der von s REAL und Wohnnet durchgeführten Umfrage nahmen 5.084 Personen teil.

Eigentumserwerb statt Miete stand für 26 Prozent der Teilnehmenden im Vordergrund ihrer Immobiliensuche. Ein notwendiger Ortswechsel und persönliche Gründe wie eine Scheidung, ein Jobwechsel oder pflegebedürftige Angehörige standen für 14 Prozent bzw. 13 Prozent an erster Stelle. In die erste eigene Wohnung einziehen wollten sieben Prozent (2018: acht Prozent), und elf Prozent der Teilnehmenden gaben finanzielle Gründe für ihre Immobiliensuche an; dahinter steht einerseits der Wunsch nach Wohnkostensenkung, andererseits aber natürlich auch die Suche nach stabilen Investitionsmöglichkeiten in Zeiten niedriger Zinsen.

Kein Downsizing bei älterer Generation

Weitere Faktoren wie ein ausgelaufener Mietvertrag (zwei Prozent) oder eine zu große derzeit bewohnte Immobilie (vier Prozent) spielten auch heuer wieder eine untergeordnete Rolle; „Downsizing“ der älteren Generation liegt anscheinend in der österreichischen Gesellschaft immer noch nicht im Trend.

Eigentumswunsch bleibt vorrangig

Der Wunsch nach Immobilieneigentum ist nach den Vorjahren auch heuer wieder angestiegen: Mittlerweile suchen 73 Prozent nach Immobilien im Eigentum (2018: 67 Prozent; 2017: 62 Prozent; 2016: 53 Prozent). Eigentumswohnungen wollten dabei 32 Prozent kaufen (2018: 30 Prozent), Häuser wurden von 29 Prozent gesucht (2018: 26 Prozent). 12 Prozent suchten ein Grundstück (2018: 11 Prozent).

Immobiliensuche soll Fixkosten reduzieren

Der Hauptgrund für Immobilieneigentum war für 68 Prozent der Befragten, dass sie ein Eigenheim erwerben und – gegebenenfalls nach erfolgter Rückzahlung eines Darlehens – nur noch mit überschaubaren Fixkosten rechnen müssen. Explizit vorsorgen für das Alter wollten weitere 16 Prozent mit einem Immobilienerwerb. Damit ist der Vorsorgegedanke für 89 Prozent der Teilnehmenden das wichtigste Motiv beim Immobilienkauf, weil sie sich dadurch langfristiges Wohnen versprechen: Stabile und überschaubare monatliche Belastungen, keine kostspieligen Übersiedlungen mehr und Wohninvestitionen nur noch in das eigene Heim. Geldanlage oder eine zu erwartende Wertsteigerung gaben hingegen nur elf Prozent als Hauptmotiv an, und mit vier Prozent waren diejenigen, die eine Immobilie nach dem Erwerb einfach nur vererben wollten, eindeutig in der Minderheit.

Motive für Miete

Eine Immobilie mieten wollten 27 Prozent der Befragten. Von diesen waren 20 Prozent auf der Suche nach einer Mietwohnung und 7 Prozent nach einem Miethaus; das Angebot an Miethäusern am Markt ist allerdings denkbar knapp. Für die Suche nach einer Mietimmobilie gibt es im Wesentlichen drei Hauptgründe: Die aktuelle Lebensphase (36 Prozent), wenn z.B. die berufliche Situation oder die Familienplanung einen Wohnungswechsel nötig machen, mangelnde finanzielle Möglichkeiten (32 Prozent) und die persönliche Flexibilität und Freiheit, die mit einer Eigentumsimmobilie nach Meinung einiger eingeschränkt würden.

In die Stadt oder aufs Land?

Diese Frage wurde von den Teilnehmenden an der Umfrage in den letzten Jahren einigermaßen uneinheitlich beantwortet. 2016 wollten noch 53 Prozent unbedingt ländliche Idylle, 2018 waren es nur noch 42 Prozent, und 2019 können sich wieder 47 Prozent ein Leben auf dem Land vorstellen. 25 Prozent zieht es in die Bundeshauptstadt Wien,  15 Prozent in eine Landeshauptstadt, und 13 Prozent wollen in einer Bezirkshauptstadt leben. Damit sind weiterhin stabile 40 Prozent auf Immobiliensuche in Wien oder einer der anderen Landeshauptstädte (2018: 39 Prozent), weil sich eben dort Arbeitsplätze, öffentliche Verkehrsmittel, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten befinden, zu denen man in ländlicher Idylle oft weite Anfahrtswege in Kauf nehmen muss.

Dem Lichte entgegen

In den Städten wünschen sich 43 Prozent der Wohnungssuchenden ein neues Domizil in den Obergeschoßen, weitere 30 Prozent träumen von einem Zuhause in einem Dachgeschoß. Immerhin 25 Prozent der Befragten gaben an, eine Wohnung im Erdgeschoß zu suchen (2018: 27 Prozent). Zum mittlerweile dritten Mal haben wir nachgefragt, ob sich die Teilnehmenden vorstellen könnten, in einem für Wohnzwecke adaptierten Geschäftslokal zu wohnen; für 46 Prozent wäre das durchaus eine Option (2018: 48 Prozent; 2017: 40 Prozent). Länger leerstehende Geschäftsflächen hätten also das Potenzial, durch Umwidmung und Umbau als attraktive Wohnimmobilie einer neuen Nutzung zugeführt zu werden. Terrasse oder Balkon sind für stabile 55 Prozent sehr wichtig, einen Garten hätten gerne 42 Prozent). Weitere wichtige Faktoren für die Teilnehmenden sind eine intelligente Raumaufteilung (54 Prozent), die Luftqualität (48 Prozent) und eine ruhige Lage (46 Prozent).

Daran scheiden sich die Geister

Getrennt ausgewertet wurden auch heuer wieder die Antworten auf die Frage „Wie wichtig sind Ihnen folgende Faktoren, wenn Sie sich für Ihr neues Zuhause entscheiden?“ Dabei sind öffentliche Verkehrsmittel und Unabhängigkeit von einem eigenen Auto bei Immobiliensuchenden in der Stadt natürlich wesentlich wichtiger als am Land, wo man in der Regel auf ein Individualverkehrsmittel angewiesen ist. Auch die Nahversorgung ist als Kriterium in der Stadt bedeutend wichtiger als am Land. Wie auch schon im Vorjahr für beide – Stadt und Land – weniger wichtig war die Gesundheitsversorgung mit Ärzten und Apotheken.

Wo und wie wird gesucht?

Immobilienportale sind nach wie vor die beliebtesten Medien bei der Immobiliensuche (36 Prozent). Direkt dahinter: Websites von Immobilienmaklern direkt (22 Prozent) und Social Media (14 Prozent). Unverändert zum Vorjahr präsentieren sich Tageszeitungen, die bei 14 Prozent beliebt sind, und Immobilienmagazine, die für  13 Prozent eine wichtige Rolle spielen.

Virtual Reality wird bei Suche immer wichtiger

360°-Rundgänge und virtuelle Besichtigungen erfreuen sich stetig steigender Beliebtheit bei den Immobiliensuchenden. Nach 74 Prozent im Jahr 2018 haben sie heuer bereits 80 Prozent als hilfreich bei der Suche befunden, und nur 20 Prozent haben diese Frage mit nein beantwortet (2018: 26 Prozent). Schöne und aussagekräftige Fotos einer Immobilie sind für 85 Prozent die mit Abstand wichtigste Information, die Immobiliensuchende benötigen, um einen Besichtigungstermin anzufragen, gefolgt von Raumplänen und Grundrissen (76 Prozent), Standort und Lageplan (74 Prozent) und einer ausführlichen Beschreibung (67 Prozent). Nicht ganz so wichtig befanden die Teilnehmenden an der Umfrage Angaben zur Infrastruktur in der Umgebung (42 Prozent), vermutlich deshalb, weil sie für den Bezirk, in dem sie suchten, diesbezüglich bereits Informationen eingeholt hatten.

E-Mail bevorzugt

Bevorzugte Art der Kontaktaufnahme für ein interessantes Immobilienangebot sind auch heuer wieder E-Mail oder Kontaktformular (57 Prozent), nach wie vor wollen aber 43 Prozent per Telefon Kontakt aufnehmen, um sofort zusätzliche Informationen zu erhalten oder gleich einen Besichtigungstermin vereinbaren zu können.

Vermieterseite muss rasch handeln

12 Prozent der Befragten erwarten sich nämlich eine Beantwortung ihrer Anfrage innerhalb der nächsten Stunde, weitere 58 Prozent innerhalb von 24 Stunden, und 30 Prozent innerhalb der nächsten zwei bis drei Tage. Dabei sind ältere Interessenten deutlich geduldiger: Von diesen können nämlich 40 Prozent ein paar Tage auf Antwort warten, während es bei den unter 50 Jährigen nur 25 Prozent sind.

Datenbasis

An der von s REAL und Wohnnet durchgeführten Umfrage nahmen 5.084 Personen teil. Der aus 13 Fragen und 11 Gewichtungsfragen bestehende Fragebogen wurde zwischen 21. Februar und 21. Juni 2019 den Website-Besuchern von www.wohnnet.at und www.sreal.at ausgespielt. Die Geschlechterverteilung liegt bei 43 Prozent männlichen und 57 Prozent weiblichen Teilnehmern. 70 Prozent der Teilnehmenden waren unter 50 Jahre alt.