Leere Geschäfte: Wie das Internet unsere Städte verändert

30. August 2019 Drucken
Leere Geschäfte: Wie das Internet unsere Städte verändert
@ Zneaschta/pixelio.de

Innerstädtische Handelszonen mit bis zu 25 Prozent Leerständen sind keine Seltenheit mehr.  Nur mehr die allerbesten Einkaufsstraßen und Stadtzentren haben keine Probleme. Im Schnitt liegt der Anteil an leeren Geschäften bei fünf Prozent – Tendenz steigend. 

Aktuell sind etwa Wiener Neustadt, Villach, St. Veit an der Glan, Liezen, Bruck an der Leitha sowie viele andere kleine und mittlere Städte in einer schwierigen Lage. Seit fünf Jahren geht die Verkaufsfläche – ausgenommen im Lebensmittel- und Drogeriehandel – um jährlich ca. zwei Prozent zurück, wie RegioPlan in einer aktuellen Studie schreibt. Betroffen seien nicht mehr nur B- oder C-Lagen, sondern auch die stärksten Handelszonen. Generell sind in den Top-Geschäftsstraßen noch kaum Leerstände über längere Zeit zu beobachten. Die Situation ist in kleineren Städten mit schwächeren Handelszonen mit Leerstandsquoten von 15 Prozent oder mehr aber bereits dramatisch.

Das Internet verändert Städte

Knapp 13 Prozent der Konsumausgaben der ÖsterreicherInnen werden online ausgegeben. Ohne den wenig onlineaffinen Lebensmittelhandel sind es bereits über 18 Prozent. In dem für die Geschäftszonen so wichtigen Fashion-Bereich werden fast 25 Prozent der Ausgaben Online getätigt. Jener Umsatz geht den Geschäften in den Innenstädten, den Geschäftsstraßen sowie Shopping Centern und den Nahversorgungszonen verloren, was die Bewirtschaftung dieser oft sehr teuren Flächen kaum mehr rentabel macht.  Innerstädtische Handelszonen mit 25 Prozent und mehr Leerständen sind keine Seltenheit.  Aktuell sind etwa Wiener Neustadt, Villach, St. Veit an der Glan, Liezen, Bruck an der Leitha sowie viele andere in einer schwierigen Lage. Nur mehr die allerbesten Einkaufsstraßen und Stadtzentren haben geringe Probleme, aber auch hier steigen die Leerstandsquoten. Aktuell liegen sie bei fünf Prozent – Tendenz steigend. Ist das Internet Schuld?

Die Verkaufsflächen gehen zurück

Seit fünf Jahren geht die Verkaufsfläche – ausgenommen im Lebensmittelhandel – um jährlich ca. zwei Prozent zurück. Betroffen sind nicht mehr nur B- oder C-Lagen, sondern auch die stärksten Handelszonen. Die Expansionslust der Einzelhändler ist ebenso stark zurückgegangen. Waren es noch vor wenigen Jahren viele Unternehmen, die sich um die besten Standorte gestritten haben, expandieren im Moment nur wenige, und dies vorwiegend im Diskontbereich. Viele Händler wollen ihre Geschäftsflächen verkleinern oder schließen Standorte. Einige Unternehmen mussten überhaupt Insolvenz anmelden oder befinden sich in groben Schwierigkeiten. Die Zahl der Mietinteressenten ist stark zurückgegangen.

Alexa drückt die Kundenfrequenzen

In einzelnen Branchen läuft schon fast ein Drittel des Marktes über Onlinebestellungen. Aber es sind nicht nur die Onlineeinkäufe, die die Expansionslust der stationären Händler dramatisch bremsen, sondern auch die zahlreichen anderen elektronischen Services. Es ist nicht mehr notwendig, wegen Bankgeschäften, Behördenwegen, Reisebuchungen, Apotheken, etc. in die Stadt zu kommen. Das alles spiegelt sich in den Frequenzzahlen wider. Die zumeist üppigen Verkaufsflächen in den Einkaufszentren am Stadtrand tun das Übrige. Laut RegioPlan müssen Gründe geschaffen werden, zu den zentralen Verkaufsflächen zu kommen. Derartige Gründe kann es viele geben: Gastronomie, Kultur, Neues erleben, Sachen ausprobieren, Events, Kommunikation, Freunde treffen, Freizeitangebote, u.v.m. Wer sich anpassen und positionieren kann, wird es trotz Alexa schaffen.

Stadtzentren in Schwierigkeiten

Online-Handel hat den Einzelhandel „entortet“. Der Kaufakt kann schnell und bequem von überall erfolgen, denn wenn Alexa oder die anderen sprachgestützten Bestellsysteme einkaufen gehen, tun sie dies nicht in der Innenstadt oder in der Shopping Mall. Das alles drückt auf die Kundenfrequenzen in den (Innerstädtischen)Handelszonen. Die Passantenfrequenzen in den Stadtkernen und innerstädtischen Handelszonen sinken aktuell im Durchschnitt um etwa 4-6 Prozent pro Jahr. Was wiederum weniger Umsatz für die Geschäfte und dementsprechend mehr Leerstand zur Folge hat. Nur in wenigen Fällen können die steigenden Touristenfrequenzen die Lücken füllen.

Fehler in der Stadtplanung

Hinzu kommt, dass Stadtplaner, Verkehrsplaner, Baubehörden und Lokalpolitiker viele Fehler machen: Eine koordinierte Planung, die die Bedürfnisse der potenziellen Kunden erkennt und berücksichtigt, fehlt zumeist. Die Kunden müssen nicht mehr in die Innerstädtischen Handelszonen kommen. Die verantwortlichen Planer, Politiker, aber auch Geschäftsleute und Investoren müssen nun lernen, was sie den Kunden bieten können, sodass sie kommen wollen. Der Tourismus habe es vorgezeigt: Es wird künftig darum gehen, die Menschen nicht als Umsatzspender und Steuerzahler, sondern als Gäste zu betrachten. Es muss den Städten und deren Handelszonen gelingen, wieder für die Besucher attraktiver zu werden.

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