Ein bisserl mehr geht immer: WIFO-Tourismusanalyse Mai bis Juli 2019

02. September 2019 Drucken
Ein bisserl mehr geht immer: WIFO-Tourismusanalyse Mai bis Juli 2019
@ Burgenland Tourismus /eter Burgstaller

Die WIFO-Tourismusanalyse fällt für Mai bis Juli 2019 positiv aus. Nach einer wachstumsstarken Sommervorsaison 2019 wurden auch im Juli als zweitwichtigstem Monat des Sommers weitere, wenn auch mäßige Nachfragezuwächse erzielt (Ankünfte +0,4 Prozent; Nächtigungen +1,8 Prozent).

Die Bilanz zur Sommerhalbzeit 2019 fällt daher aus Sicht des WIFO mit einem Anstieg von insgesamt 3,1 Prozent bei Ankünften und 3,0 Prozent bei Nächtigungen deutlich positiv aus. Seit 2010 wurden im Zeitraum Mai bis Juli stetig Zuwächse bei Ankünften und Nächtigungen verzeichnet, die mit Abstand kräftigsten in den Jahren seit 2015. Österreich erweist sich damit weiterhin als attraktives Sommerurlaubsziel für inländische und vor allem ausländische Gäste.

August bestimmt den Sommer

Die ersten drei Sommermonate zeichnen für knapp die Hälfte der gesamten Saisonnächtigungen verantwortlich, wobei Mai und Juni zusammen in etwa die gleiche Bedeutung wie dem Juli zukommt. Am stärksten wird die Sommernachfrage jedoch vom August bestimmt – mehr als ein Viertel der Übernachtungen von Mai bis Oktober entfällt auf diesen Monat, der damit ganz wesentlich zum Erfolg des heimischen Sommertourismus beiträgt.

Historischer Rekordumsatz von rund 7 Mrd. Euro

Ersten Schätzungen des WIFO zufolge erzielte der heimische Tourismus in der ersten Sommerhälfte 2019 nominelle Einnahmen von 6,91 Mrd. Euro, das entspricht einem Zuwachs gegenüber Mai bis Juli 2018 von 3,1 Prozent. In realer Rechnung stiegen die Umsätze um 1,5 Prozent. Damit wurden zur Sommerhalbzeit sowohl nominell als auch preisbereinigt neue historische Höchstwerte erreicht.

Städtetourismus überdurchschnittlich stark

Regional entwickelten sich im Analysezeitraum die nominellen Einnahmen in der Städte-Destination Wien (+7,5 Prozent), in Ober- und Niederösterreich (+6,2 Prozent bzw. +5,3 Prozent) sowie in Salzburg und Vorarlberg (jeweils +3,3 Prozent) überdurchschnittlich. Bemerkenswert ist hier vor allem der Entwicklungsverlauf in Vorarlberg, das mit kräftigen Nachfragezuwächsen im Juli 2019 das Minus der Vorsaison mehr als wettmachen konnte. Im Burgenland, in Tirol, der Steiermark und Kärnten lag die Umsatzdynamik zum Teil deutlich unter dem bundesweiten Trend (nominell +0,5 Prozent bis +2,4 Prozent; siehe Übersicht 1).

Starker Juli

Nach kräftigen Nächtigungseinbußen im viel zu kühlen und nassen Mai 2019 (-12,2 Prozent) und einer durch Feiertagsverschiebungen begünstigten, deutlich gegenläufigen Entwicklung im überdurchschnittlich warmen und trockenen Juni (+17,0 Prozent) folgte ein von zwei Hitzewellen und wenig Niederschlag geprägter Juli 2019, der sich damit unter die zehn wärmsten Vergleichsmonate der 253-jährigen Messgeschichte reiht. In diesem ersten Monat der Sommerhauptsaison 2019 stieg die Nachfrage, ausgehend von einem in den letzten Jahren bereits sehr hohem Niveau, um 0,4 Prozent (Ankünfte) bzw. 1,8 Prozent (Übernachtungen).

Tourismusentwicklung in der laufenden Sommersaison
Sommersaison 2018  Mai bis Juli 2019 
Übernachtungen Übernachtungen
Umsätze Insgesamt Aus dem  Inland Aus dem  Ausland Umsätze Insgesamt Aus dem Inland Aus dem Ausland
Österreich 4,9 2,3 2 2,5 3,1 3 1,7 3,5
Wien 6,2 4 4,7 3,9 7,5 6,3 2 7,2
Niederösterreich 5,1 2,6 0,8 5,9 5,3 5 5,1 4,7
Burgenland 1,8 – 2,1 – 3,1 1,1 2,4 1,9 1 4,4
Steiermark 3,3 1,1 2,6 1,2 0,9 1,5 0,5 3
Kärnten 2,9 0,1 2,2 – 1,2 0,5 0,9 0,4 1,2
Oberösterreich 8,4 5,2 4,6 5,9 6,2 5,2 3,6 6,9
Salzburg 4,9 2,5 2,4 2,6 3,3 3,6 2 4
Tirol 5,3 2,9 1,1 2,9 1,5 1,5 0,3 1,6
Vorarlberg 3,1 1,3 2,9 1 3,3 4,6 – 0,1 5,4
Q: Statistik Austria, WDS – WIFO-Daten-System, Macrobond. Unbereinigte Werte. Wintersaison: 1. November bis 30. April des Folgejahres, Sommersaison: 1. Mai bis 31. Oktober. Umsätze einschließlich des internationalen Personentransportes.
– 1) Schätzung laut WIFO. – 2) Juli 2019: Hochrechnung.

Drei Übernachtungen im Schnitt

Damit erreichte die Zahl der Gästeankünfte im gesamten Zeitraum der Tourismusanalyse Mai bis Juli 2019 mit 12,75 Mio. (+3,1 Prozent) einen neuen Höchstwert, jene der Nächtigungen wuchs auf 38,76 Mio. an (+3,0 Prozent). Die durchschnittliche Verweildauer je Gast in derselben Unterkunft stagnierte in der ersten Sommerhälfte 2019 bei 3,04 Nächten, nachdem in der Vorjahresperiode erstmals seit 2008 (+0,6 Prozent gegenüber Mai bis Juli 2007; die Aufenthaltsdauer lag damals bei 3,56 Nächten) wieder ein leichter Zuwachs (+0,3 Prozent) verzeichnet worden war. Der langfristige Trend zu kürzeren Aufenthalten je Unterkunft spiegelt damit zum einen die Tendenz zu häufigeren Unterkunfts- bzw. Ortswechseln während einer Reise sowie zum anderen den Trend zu häufigeren, dafür kürzeren Reisen wieder.

Ausländeranteil von 70 Prozent

Gemessen an der Zahl der Übernachtungen wurde der österreichische Tourismus von Mai bis Juli 2019 zu 70,1 Prozent (27,16 Mio.) vom ausländischen Gästesegment dominiert. Davon entfielen wiederum rund 85 Prozent auf nur 15 ausgewählte Herkunftsländer. Diese entwickelten sich im Durchschnitt aber weniger dynamisch als die internationale Gesamtnachfrage (+2,9 Prozent zu +3,5 Prozent), wofür vor allem Deutschland als Österreichs wichtigster Quellmarkt (51,8 Prozent der Nächtigungen aus dem Ausland) mit einem geringeren relativen Zuwachs von +1,8 Prozent hauptverantwortlich zeichnete.

Heimische Urlauberzahl stieg nur bedächtig

Die Binnennachfrage wuchs im Analysezeitraum – wie auch schon in den Vergleichsperioden 2017 und 2018 – deutlich schwächer als jene aus dem Ausland, wobei die Diskrepanz bei den Gästeankünften (+2,3 Prozent zu +3,4 Prozent) geringer ausfiel als bei den Nächtigungen (+1,7 Prozent gegen +3,5 Prozent).

Ferienwohnungen werden gesucht

Unter den einzelnen Unterkunftsarten profitierten von Mai bis Juli 2019 einmal mehr die Ferienwohnungen (gewerblich +9,6 Prozent; privat +3,7 Prozent) überdurchschnittlich von der insgesamt gesteigerten Nächtigungsnachfrage, ihr Marktanteil beträgt damit aktuell 17,9 Prozent (+0,5 Prozentpunkte). In der Hotellerie erreichte nur das Top-Segment (5/4-Stern +3,1 Prozent) ein im Durchschnitt aller Unterkünfte vergleichbares Wachstum, während die Nachfrage in 3-Stern-Betrieben nur schwach zunahm (+1,2 Prozent) und in der preisgünstigen 2/1-Stern-Kategorie stagnierte (-0,1 Prozent).

Hotels verlieren leicht an Anteilen

Hotels und ähnliche Betriebe stellen mit 61,0 Prozent nach wie vor das bedeutendste Unterkunftssegment dar, ihr Marktanteil schrumpfte jedoch im Vergleich zur ersten Sommerhälfte 2018 um 0,5 Prozentpunkte. Tendenziell ähnlich erging es den Privatquartieren. Sie büßten im Analysezeitraum 0,6 Prozent ihrer Nächtigungen und 0,1 Prozentpunkt ihres Marktanteils auf aktuell 3,8 Prozent ein.

Deutliches Plus unter Campern und auf Schutzhütten

Die übrigen Beherbergungstypen (Campingplätze, Unterkünfte für Kinder und Jugendliche, Kurheime, bewirtschaftete Schutzhütten und sonstige Unterkünfte) verzeichneten in Summe überdurchschnittliche Zuwächse ihrer Nächtigungen (+3,8 Prozent), ihr Gewicht an den Unterkünften insgesamt stieg damit von 17,2 Prozent (Mai bis Juli 2018) auf 17,3 Prozent.

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