Hörgeräte: Trotz voller Lager starkes Wachstum in DACH-Region

01. Oktober 2019 Drucken
Hörgeräte: Trotz voller Lager starkes Wachstum in DACH-Region
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Das Wachstum bei Hörgeräten im deutschsprachigen Raum reduzierte sich 2018 um mehr als die Hälfte. Was nach einer Wachstumsdelle aussieht, ist laut Daten von Branchenradar.com Marktanalyse eine anhaltende Aufwärtsbewegung.

Die Nachfrage nach Hörgeräten wächst auch im heurigen Jahr robust. Im Jahr 2019 erhöht sich der Herstellerabsatz von Hörgeräten in Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) voraussichtlich um etwas mehr als drei Prozent gegenüber Vorjahr auf knapp 1,6 Millionen Stück. Allerdings lag der Zuwachs im Jahr 2018 noch bei 7,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Dass sich die Wachstumsrate der Industrie gegenüber dem Vorjahr halbiert ist aber weniger einer langsamer wachsenden Nachfrage geschuldet, als den bereits zu Jahresbeginn bestens gefüllten Lagerbeständen auf Seiten der Hörakustiker.

Lager werden geleert

Durch die Abschichtung dieser Lagerbestände kam das Absatzwachstum der Hörgeräteproduzenten im heurigen Jahr eben etwas unter Druck. Die Konsumnachfrage wuchs indessen in den letzten drei Jahren nahezu gleichförmig um rund drei Prozent pro Jahr. Und da die Käufer immer öfter zu höherpreisigen Hörgeräten greifen, wachsen im heurigen Jahr die Herstellererlöse um vermutlich knapp vier Prozent auf 2,4 Milliarden Euro.

Marktentwicklung Hörgeräte in D-A-CH
Umsatz in Mio. Euro 2016 2017 2018 2019e
Total 2.096,5 2.131,6 2.304,0 2.403,0
Deutschland 1.851,3 1.879,2 2.044,5 2.134,2
Österreich 111,2 113,9 117,5 122,3
Schweiz 134 138,5 142 146,5

Fast zwei Millionen Hörgeräte pro Jahr

Auch für die kommenden Jahre geht Branchenradar.com Marktanalyse von einem robust wachsenden Markt aus, liegt doch das Marktpotential bei gut 1,9 Millionen Hörgeräten pro Jahr. Denn medizinische Studien gehen davon aus, dass nahezu fünfzehn Prozent der Gesamtbevölkerung zumindest mit einem leichten Hörschaden leben. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Hörgerätes liegt aktuell bei rund acht Jahren. Zudem sollten die Überalterung der Gesellschaft und ein ständig zunehmender Umweltlärm den Markt für Hörgeräte beflügeln. Die Gründe für das unausgeschöpfte Potenzial sind seit langem bekannt: das Dilemma, ein Produkt zu verkaufen, auf das eigentlich niemand angewiesen sein will, ist evident.

Deutschland hört bestens

Am höchsten ist die Akzeptanz für Hörgeräte in Deutschland. Im laufenden Jahr werden voraussichtlich 1,41 Millionen Hörgeräte verkauft. Mit 12,5 Millionen Hörgeschädigten und unter Beachtung der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Hörgerätes, erreicht die Bundesrepublik damit nahezu 90 Prozent des potenziellen Marktes.

AUT und CH mit Potential

Vergleichsweise schwach fällt hingegen die Performance in den beiden südlichen Nachbarstaaten aus. In Österreich und der Schweiz werden im laufenden Jahr mit 88.300 bzw. 90.000 verkauften Hörgeräten jeweils lediglich rund sechzig Prozent des Marktpotentials erreicht. Erfreulich ist jedoch, dass die Abdeckung im gesamten deutschsprachigen Raum zulegt. Bezogen auf die Einwohnerzahl werden in Deutschland rund 170 Hörgeräte pro 10.000 Einwohner verkauft, in der Schweiz sind es 105 Hörgeräte, Österreich ist Schlusslicht mit lediglich 100 Hörgeräten je 10.000 Einwohnern.

Verschiedene Technologien

Auch auf Ebene der Produktgruppen zeigt sich ein differenziertes Bild des Marktes. Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte beherrschen, nicht zuletzt aufgrund ihres deutlich niedrigeren Preises (durchschnittlicher EVP 1.400 Euro), mit einem mengenmäßigen Marktanteil von rund 88 Prozent noch immer klar den Markt. Das Marktsegment zeigt sich mit einem Absatzwachstum von knapp über drei Prozent in 2019 weitgehend im Marktmittel. Demgegenüber wächst das Segment der Im-Ohr Hörgeräte, trotz der höheren Preise (durchschnittlicher EVP 2.410 Euro), deutlich rascher, mit plus sechs Prozent gegenüber Vorjahr. In Bezug auf die Preissegmente kommt es im heurigen Jahr zu einem Phänomen das man unter dem Begriff „Verlust der Mitte“ kennt. Das bedeutet, dass sich Kunden entweder für Hörgeräte des Premium-Segmentes entscheiden, die ihnen eine Vielzahl unterschiedlichster Funktionen bieten, wie etwa die Verbindung zu Handy, Musikanlage oder TV, oder aber für weniger aufwendigere Modelle der Preiseinstiegslage. Tatsächlich steigt der Absatz im Premium-Segment (durchschnittlicher EVP über 1.800 Euro) um nahezu 22 Prozent und auch die Preiseinstiegslage (durchschnittlicher EVP bis 800 Euro) verzeichnet ein Absatzwachstum von zehn Prozent, während das mittlere Segment (durchschnittlicher EVP 801-1.800 Euro) um über fünf Prozent einbricht.

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