Messetrends aus Singapur: Wie die Ölindustrie um ihre Nachhaltigkeit kämpft

07. Oktober 2019 Drucken
Messetrends aus Singapur: Wie die Ölindustrie um ihre Nachhaltigkeit kämpft
@ pixabay

Anfang September fand in Singapur die 35te Ausgabe der APPEC, der Asian Pacific Petroleum Conference, statt. Erste AM Commodities Specialist Alexander Weiss berichtet von einer der größten Konferenzen rund um die Ölindustrie.

Über ein Viertel der weltweiten Schiffsbetankungen finden in Singapur statt, dem Veranstaltungsort der APPEC. Der Stadtstaat ist damit einer der größten Umschlagsplätze für Öl weltweit. Eines der zentralen Themen der Asian Pacific Petroleum Conference: Die „IMO 2020“, eine Richtlinie, die ab 01.01.2020 den Schadstoffausstoß von Schiffen enorm reduzieren soll. Hier waren es vor allem große Reedereien, internationale Schiffsfahrtorganisationen und Erdöl-Raffinerien, die die Auswirkungen der neuen Richtlinie in Experten-Paneelen und Fachvorträgen diskutierten. (Mehr zu IMO 2020 in einen separaten Beitrag).

OPEC kämpft um eigene Stabilität

Mohammed Barkindo, General-Sekretär der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) mahnte in einer Live-Einschaltung, dass kein einzelnes Produzentenland versuchen soll, den Ölmarkt zu destabilisieren. Dies war wohl eine Anspielung auf die USA, welche in den letzten Jahren die eigene Produktion, dank des Schieferöl-Booms, konstant erhöhte und die Relevanz der OPEC zunehmend reduziert.

Öl-Verknappung erschreckt niemanden mehr

Die Ängste vor einer Angebots-Knappheit scheinen in der Vergangenheit zu liegen, die weltweite Öl-Nachfrage wird vom amerikanischen Schiefergas und großen neuen Öl-und Erdgasfunden gedeckt. Der künftige Energiebedarf wird außerdem nicht mehr so stark von Erdöl gedeckt werden wie heute. Erdgas und nachhaltige Energieerzeugung werden immer wichtiger.

Öl-Multis wechseln Flaggen

Der Nachhaltigkeit, dem Klimaschutz und der Dekarbonisierung wurde in der Konferenz sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Man merkt, dass das Thema mittlerweile auch in der Industrie angekommen ist. Das reicht von Namensänderungen (Statoil heißt nun Equinor), Zielsetzungen der Geschäftsführung nach CO2-Gesichtspunkten bis hin zu Änderungen der Unternehmensbeschreibung. Große Ölmultis bezeichnen sich nicht mehr als Öl-Unternehmen, sondern als Energie-Unternehmen und bauen ihre Kompetenzen und Investments im nachhaltigen Bereich aus.

Erneuerbare Energie wird wirtschaftlich

Wirtschaftlich kann der Umstieg auf nachhaltige Energieproduktion Sinn machen, so ist beispielsweise der Produktionspreis von Solar- und Windenergie mittlerweile mit vielen konventionellen Energieträgern konkurrenzfähig geworden. In Indien möchte man den Anteil an nachhaltiger Energieproduktion bis 2040 von momentan ~ drei Prozent auf 16 Prozent erhöhen. Bei Royal Dutch Shell werden Investitionen in erneuerbare Energie in den nächsten Jahren für ~zehn Prozent der Gesamtausgaben ausmachen. Maersk, eine der größten Containerschiff-Reedereien der Welt möchte bis 2050 komplett CO2-neutral werden.

Energiewandel ist „next big thing“

Und auf die Frage, was „the next big thing“ sein wird, waren sich Teilnehmer eines Experten-Panels (darunter Vertreter des Internationalen Währungsfonds, BP, Gazprom und Petronas) einig – ein Umstieg auf umweltfreundlichere Energieproduktion, welche vermutlich mit einer globalen CO2 Steuer bzw. Bepreisung einhergehen muss. Dies würde traditionellen Öl-und Gasunternehmen teuer zu stehen kommen, während nachhaltige Unternehmen davon profitieren.

Nachhaltigkeit wird zum Geschäftsmodell

Die Erdöl-Industrie befindet sich im Umbruch. Im Spannungszentrum des wachsenden öffentlichen und politischen Fokus auf Nachhaltigkeit und dem Druck der Investoren muss man seine Geschäftsmodelle überdenken. Solange die Nachfrage steigt, wird man aber weiterhin Erdöl und Erdgas fördern. Es liegt an der Politik, die Rahmenbedingungen für eine Dekarbonisierung in der Energieproduktion und im Transport (Stichwort E-Mobilität) zu schaffen.

Mehr zum Thema