Home Office: Wenn ausländische Arbeitgeber steuerpflichtig werden

21. Oktober 2019 Drucken
Home Office: Wenn ausländische Arbeitgeber steuerpflichtig werden
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Wenn ein österreichischer Arbeitnehmer, der für ein ausländisches Unternehmen arbeitet, seine Tätigkeit auch an seinem österreichischen Wohnsitz im Home Office ausübt, kann dies für das ausländische Unternehmen in Österreich eine Steuerpflicht auslösen.

Der Sachverhalt tritt häufig auf. ÖsterreicherInnen arbeiten für ein ausländisches Unternehmen im Ausland, arbeiten aber auch immer wieder aus dem Home Office im Inland.  Steuerrechtlich wirft dies mehrere Fragen auf, wie Hübner & Hübner dies in ihrem aktuellen Newsletter festhalten. Es können Einkommen- bzw. Körperschaftsteuerpflicht und eine Lohnsteuerabfuhrverpflichtung ausgelöst werden.

Betriebsstätte: ja oder nein

Im Inland ist ein ausländisches Unternehmen mit seinen Einkünften aus Gewerbebetrieb dann beschränkt steuerpflichtig, wenn das Home Office eine Betriebsstätte begründet. Die beschränkte Steuerpflicht erstreckt sich dabei lediglich auf die in Österreich erwirtschafteten Einkünfte.
Bei der Beurteilung der Frage, ob in Österreich eine Betriebsstätte begründet wird, sind drei unterschiedliche Betriebsstättenbegriffe zu berücksichtigen.

  • Firmeneigenes Equipment: Einerseits gilt als Betriebsstätte jede feste örtliche Anlage oder Einrichtung, die der Ausübung des Betriebes dient. Nach Ansicht der Finanzverwaltung kann dies bereits dann gegeben sein, wenn im Home Office in der Wohnung des Arbeitnehmers ein vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellter Laptop und ein Mobiltelefon zur Arbeitsausübung genutzt wird. Weiters genügt es, dass in der Wohnung eine – wenn auch nur geringfügige – Tätigkeit für den Gewerbebetrieb ausgeübt wird.
  • Doppelbesteuerung prüfen: Wird vom ausländischen Unternehmen aufgrund der Home Office-Tätigkeit des inländischen Arbeitnehmers nach nationalem Recht eine Betriebsstätte in Österreich begründet, ist in einem zweiten Schritt zu prüfen, ob der innerstaatliche Besteuerungsanspruch Österreichs auch bei Berücksichtigung des jeweils anwendbaren Doppelbesteuerungsabkommens aufrechterhalten wird. Für Zwecke des internationalen Steuerrechts sind bei der Beurteilung des Betriebsstättenbegriffs insbesondere die Faktoren Verfügungsmacht, Dauerhaftigkeit und unternehmerische Tätigkeit zu berücksichtigen.
  • Lohnsteurpflicht steht im Raum: Darüber hinaus kann auch für Zwecke der Lohnsteuer eine Betriebsstätte begründet werden, wenn die für die Dauer von mehr als einem Monat unterhaltene feste örtliche Anlage oder Einrichtung der Ausübung der durch den Arbeitnehmer ausgeführten Tätigkeit dient. In diesem Fall kann es zu einer Lohnsteuerabzugspflicht des ausländischen Unternehmens in Österreich kommen.

Was bedeutet dauerhaft?

Ein Home Office wird nach Ansicht der Finanzverwaltung dauerhaft zur Ausübung einer betrieblichen Tätigkeit des Arbeitgebers genutzt, wenn die Tätigkeit des Arbeitnehmers – unter wöchentlichem Wechsel – zu je 50 Prozent am ausländischen Unternehmenssitz und zu 50 Prozent im österreichischen Home Office ausgeführt wird. Faktische Verfügungsmacht ist etwa dann gegeben, wenn der Arbeitgeber vom Arbeitnehmer verlangt, seine Wohnung für die Geschäftstätigkeit des Unternehmens des Arbeitgebers zur Verfügung zu stellen, weil der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, obwohl die Tätigkeit des Arbeitnehmers einen Arbeitsplatz erfordert.

Es soll Neues kommen

Im Zuge der „Steuerreform 2020“ ist geplant, dass ab dem Kalenderjahr 2020 auch ausländische Arbeitgeber ohne Betriebsstätte in Österreich den Lohnsteuerabzug für die Beschäftigung eines österreichischen Arbeitnehmers vorzunehmen haben. Der weitere Gesetzwerdungsprozess bleibt abzuwarten.

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