Wintersaison 2019/20: Fachkräftemangel bremst Tourismusbranche

22. Oktober 2019 Drucken
Wintersaison 2019/20: Fachkräftemangel bremst Tourismusbranche
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In der Tourismusbranche herrscht nach wie vor akuter Personalmangel. 82 Prozent der Vier- und Fünf-Sterne-Hotels suchten Anfang Oktober noch nach Mitarbeitern für die bevorstehende Wintersaison.

Laut ÖHV-Inside, der Befragung von mehr als 1.400 Top-Hotels, schließt die Nächtigungsperformance für 2019/2020 ans Vorjahr an: 52,9  Prozent der befragten Hoteliers sehen sich in der Wintersaison 2019/20 auf Vorjahresniveau, exakt 33,3  Prozent  erwarten Steigerungen. „Das sind gute Aussichten, wenn wir genug Mitarbeiter finden“, sieht Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Dazu braucht es die notwendigen Arbeitskräfte. In der Küche und im Service fehlten bei knapp 77  Prozent noch Arbeitskräfte, an der Rezeption bei 54 Prozent und in der Etage bei 37 Prozent, wie aus einer Umfrage der Hoteliervereinigung (ÖHV) hervorgeht.

Für viele noch schwieriger geworden

Die Mitarbeitersuche sei schwieriger geworden, meinten gut 47 Prozent der befragten Hoteliers; rund 43 Prozent hielten diese für gleich schwierig wie im Vorjahr. „Entweder werden die offenen Stellen rechtzeitig besetzt oder das Angebot zurückgefahren“, stellt ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer fest.

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Optimismus überwiegt

Angesichts der für den Winter per Ende September/Anfang Oktober bereits getätigten Buchungen war die Stimmung in der Tourismusbranche zum Umfragezeitpunkt (20. September bis 3. Oktober) noch recht positiv: ein Drittel (33 Prozent) erwartete sogar mehr Nächtigungen als im Vorjahr, über die Hälfte (53 Prozent) gleich viel. Nur knapp 14 Prozent sahen einen Rückgang bei den Zimmerbuchungen.

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Auswirkungen der Cook-Pleite nicht absehbar

In diese Einschätzung noch nicht eingearbeitet ist allerdings die Pleite des internationalen Reisekonzerns Thomas Cook gegen Ende September, der in den Jahren davor ein wichtiger Nächtigungsbringer für die Hotels war. Gewiss ist, dass diese Großinsolvenz auch auf die heimische Beherbergungsbranche durchschlagen wird. Die wirtschaftlichen Folgen für die einzelnen Betriebe sind allerdings noch nicht abschätzbar. „Wie sich das im Detail auswirkt, ist noch nicht absehbar – aber sicher nicht positiv“, betonte Reitterer, die selbst ein Hotel in Wien betreibt. Die erst kürzlich erfolgte Freigabe der Thomas-Cook-Kontingente bis Jahresende für Ersatzbuchungen durch den Insolvenzmasseverwalter sei „ein wichtiger erster Schritt“ gewesen. „Aber wir brauchen auch nach Silvester Gäste und davor genügend Zeit, um die Kapazitäten zu verkaufen und den Saisonhöhepunkt zu planen“, erklärte die Branchensprecherin.

Umsatzsteigerungen werden erwartet

Auf Basis der bis Ende September/Anfang Oktober bereits erfolgten Buchungen rechneten bei der Umfrage noch 60 Prozent der Hoteliers mit höheren Umsätzen in der Wintersaison 2019/20, mit Werten auf Vorjahresniveau 28 Prozent. Geringere Erlöse erwarteten nur etwa 12 Prozent. Fast ein Viertel der Hoteliers berichtete zudem von einer besseren Durchsetzbarkeit ihrer Zimmerpreise bei den Kunden, knapp 67 Prozent orteten hier keine Veränderung gegenüber dem Vorjahr.

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Gewerkschaft mahnt

Die Gewerkschaft führt den Personalmagel auf schlechte Bedingungen in der Branche zurück. „Wir haben genug Jobsuchende, aber viel zu wenig gute Jobs“, meinte der Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, Berend Tusch. In der Branche sind rund 220.000 ArbeitnehmerInnen beschäftigt. Deren Arbeits- und Lebenssituation müsse verbessert werden, hieß es. „Ich vermisse das selbstständige Bemühen der Branche, die Situation für die ArbeitnehmerInnen nachhaltig zu verbessern“, so Tusch. Nur dann werde es langfristig gelingen, jene Zahl an Beschäftigten zu bekommen, welche die Branche brauche. Diese müsse „Gas geben und Änderungswillen zeigen“. (APA/red)

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