Erste Group: Die ersten drei Quartale bringen Milliardengewinn

31. Oktober 2019 Drucken
Erste Group: Die ersten drei Quartale bringen Milliardengewinn
Erste Group-CEO Andreas Treichl @ Erste Group

Die börsennotierte Erste Group hat für die ersten neun Monate einen Milliardengewinn ausgewiesen und den Ausblick für das Gesamtjahr 2019 bestätigt. Die Erträge sollten demnach stärker zulegen als die Kosten, das Kreditrisiko niedrig bleiben und das Eigenkapital mit mehr als 11 Prozent verzinst sein.

Für den scheidenden Konzernchef Andreas Treichl stehen die Zeichen für die Gruppe gut, wie er im Zwischenbericht am Mittwoch erklärte. „Ende 2019 werde ich meine Funktion als CEO zurücklegen. Es war ein Privileg, dieser Gruppe 25 abwechslungsreiche Jahre als Vorstand dienen zu dürfen“. Anfangs mit rund 3.000 Mitarbeitern in Österreich und jetzt mit etwa 47.000 in Zentral- und Osteuropa.

Stabile Erträge

Bei einem 12-prozentigen Anstieg des Betriebsgewinns auf 2,23 Mrd. Euro lag der Nettogewinn bis Ende September bei 1,223 Mrd. Euro, das war um 0,4 Prozent unter dem Wert von Vorjahr (1,228 Mrd. Euro). „Es freut mich, dass ich mich mit einem sehr positiven Ergebnis von Ihnen verabschieden kann“, schrieb Treichl im Aktionärsbrief. In allen Kernmärkten wachse das Kreditgeschäft, auch bei den Einlagen sei keine Trendwende in Sicht.

Kernkapitalquote über 13 Prozent

Unter Berücksichtigung des Gewinns vom 3. Quartal – er lag mit 491 Mio. Euro deutlich über dem des Vorquartals sowie des Vorjahresquartals – belief sich die harte Kernkapitalquote Ende September auf 13,5 Prozent, womit die interne Zielquote erreicht sei. Ohne Quartalsgewinn waren es 13,1 Prozent. Positiv wirkten sich hohe Eingänge aus abgeschriebenen Forderungen vor allem in Tschechien, Ungarn und Rumänien sowie Auflösungen von Wertberichtigungen für Kreditzusagen und Finanzgarantien in Österreich, Tschechien und Rumänien aus.

Ausblick

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen sollten Kreditwachstum unterstützen. Für die Kernmärkte der Erste Group in CEE wird für 2019 ein reales BIP-Wachstum von etwa 3-4 Prozent erwartet sowie für Österreich von etwa 2 Prozent, in erster Linie weiterhin getragen durch robuste Inlandsnachfrage. In CEE sollten Reallohnzuwächse und niedrige Arbeitslosigkeit die Wirtschaftstätigkeit fördern. Die Erste Group geht in ihrer Prognose davon aus, dass die CEE-Staaten ihre Haushaltsdisziplin beibehalten werden.

Chancen in Polen

Die deutsche Commerzbank hat vor einem Monat den Verkauf der polnischen Tochter mBank angekündigt, an der sie 69 Prozent hält. Zu den Interessenten zählen polnische, aber auch internationale Bankkonzerne. Am Mittwoch hat der designierte Vorstandschef der börsennotierten Erste Group, Bernhard Spalt, in einer Analysten-Telefonkonferenz ein Interesse der Ersten an dem polnischen Bankhaus deponiert. Die Erste bekräftigt, passende Akquisitionsmöglichkeiten prüfen zu wollen. Polen ist für Spalt ein wachsender und sehr wichtiger Markt und die mBank eine interessante Gelegenheit.

Ungelöste Probleme mit Fremdwährungskrediten

Wie andere polnische Banken sitzt auch die mBank auf einigen Milliarden Euro an Schweizer-Franken-Krediten. Spalt sprach heute von einer „höheren Wahrscheinlichkeit“, dass dieses Frankenportfolio kein Teil des Verkaufs sein wird. Der Chef der polnischen Regulierungsbehörde, KNF, Jacek Jastrzebski, hatte schon im September erklärt, dass das Franken-Hypothekarportfolio bei der Commerzbank bleiben soll.

Verhandlungsstand ungeklärt

Wie weit das Interesse der Ersten an der mBank schon gediehen ist, wurde nicht näher erläutert. Die Commerzbank hat nach internationalen Finanzmedien bereits Investmenthäuser als Berater mandatiert. Laut Insidern rechnet man sich bei der Commerzbank durch den Verkauf der Polenbank gut 2 Mrd. Euro an Erlös aus. Aktuell betreut die polnische Tochtergesellschaft mBank S.A. rund 5,6 Millionen Privat- und Firmenkunden, überwiegend in Polen, aber auch in Tschechien und der Slowakei.

Staffelübergabe zum Jahreswechsel

Bernhard Spalt übernimmt im Jänner 2020 den Erste-Vorstandsvorsitz von Andreas Treichl. Über die künftigen Ziele und Strategien im Jahr 2020 will der Erste-Vorstand die Märkte am 21. November informieren, am Kapitalmarkttag der Gruppe in Wien. (APA)