Libra, Bitcoin & Co: Welche Kryptowährungen gibt es?

04. November 2019 Drucken
Libra, Bitcoin & Co: Welche Kryptowährungen gibt es?
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Per Mitte Oktober gab es  2980 Kryptowährungen mit einer Marktkapitalisierung von 226,9 Mrd. Dollar. Harald Egger, Chief Analyst der Erste Asset Management, beschreibt die Welt der neuen Währungen. 

Die Erste Asset Management präsentiert im Blog eine Unterteilung, nach der man Kryptowährungen einordnen kann. Damit werde  klar, dass es sich bei den meisten neuen und digitalen Finanzmitteln gar nicht um eine Währung handelt.

Währungen haben Eigenschaften

Eine Währung zeichnet sich durch drei Eigenschaften aus:

  • Tauschmittel
  • Recheneinheit
  • Wertspeicher

Selbst Bitcoin erfüllt diese drei Eigenschaften nur zum Teil. Als Tauschmittel kann Bitcoin mitunter eingesetzt werden, aber bei weitem nicht flächendeckend. Die meisten Käufer halten Bitcoin als Wertspeicher (viele sprechen von Gold 2.0), das gilt umso mehr, wenn ein Staat eine schwache Währung hat (Bsp. Venezuela, Argentinien, Türkei, u.a.). Die mitunter wichtigste Eigenschaft, die Recheneinheit, ist nicht gegeben. D.h. mit ganz wenigen Ausnahmen werden keine Produkte in Bitcoin-Einheiten angeboten.

Vorgabe von Staaten

Dazu kommt, dass ein Staat bestimmt was eine offizielle Währung ist. Eine Währung ist dann staatlich anerkannt, wenn ein Kreditgeber diese als Rückzahlung akzeptieren muss (im englischen Legal Tender). Außerdem bestimmt der Staat womit man Steuern zahlen kann (der Kanton Zug in der Schweiz akzeptiert Steuerzahlungen in Bitcoin, in Japan ist Bitcoin Legal Tender). Ein besserer Ausdruck statt Krypto-Währungen wäre demnach digitale Token, klinge aber nicht so spannend, so der Autor. Alle diese Token haben gemein, dass sie „nur“ digital existieren und von einer Software produziert werden, die kryptographische Verschlüsselungsmethoden anwendet.

Token-Triple

Die Token können in drei Gruppen eingeteilt werden.

  • Payment Token:  Dazu zählen beispielsweise Bitcoin, Bitcoin Cash, Dash, Monero u.a. Die Entwickler dieser Token verfolgen das Ziel ein Token anzubieten, der als Tauschmittel eingesetzt werden kann. D.h. die Token wurden als Zahlungsmittel entwickelt um Produkte zu erwerben. Zu den Payment Token zählen auch sogenannte Stable Coins, also Token, die an eine Währung wie z.B. US Dollar gekoppelt sind (z.B. Tether). Im weitesten Sinne fällt auch die angedachte digitale Währung Libra in diese Kategorie. Im Gegensatz zu den oben genannten Payment Tokens hat Libra aber ein Unternehmen (Facebook mit Partner) als Emittenten. Facebook sieht sich derzeit massivem Widerstand seitens vieler Regulierungsbehörden ausgesetzt, womit die Realisierung des Projekts sehr fraglich ist. Viele Staaten glauben, dass Libra systemrelevant sein könnte und wollen ihr Währungsmonopol keineswegs in Frage stellen. Einige Partner wie Visa oder Mastercard haben  sich bereits von diesem Projekt distanziert.
  • Utility Token:  Mehr als 90% der „Krypto-Währungen“ fallen in diese Kategorie. Diese Token wurden dazu entwickelt um bestimmte Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Diese Token können nur sehr eingeschränkt eingesetzt werden. Viele haben solche Token in ähnlicher Form schon kennengelernt ohne diese als Währung zu bezeichnen.  Autodroms-Chips oder Miles-and More-Punkte entsprechen dieser Gattung. Kein Supermarkt würde aber diesen Plastik-Chip als Bezahlmittel anerkennen. So verhält es sich auch mit den Utility Tokens. Viele haben im ICO-Boom diese Token fälschlicherweise als Investment eingestuft – ein fataler Fehler. Utility Token sind nicht reguliert, wozu auch? Die FMA reguliert auch keine Autodrom-Chips.
  • Security Tokens:  Security Token sind eine junge, aber vielversprechende Token-Kategorie. Im Gegensatz zu Utility Token sind diese reguliert. D.h. jemand der einen  Security Token auf den Markt bringt unterliegt der Prospektpflicht und benötigt eine Genehmigung einer Regulierung. Security Token sind Aktien oder Anleihen ähnlich. D.h. der Besitzer eines Security Tokens hat bestimmte Rechte, wie z.B. Eigentumsanspruch, Stimmrecht, Dividendenanspruch. Wie funktionieren Security Token? Jeder kann Token generieren, allerdings benötigt man eine Rechtsanwaltskanzlei, die eine Verbindung zwischen dem Token und einem realen Asset herstellt.  Dazu kommt die Genehmigung einer Regulierung.
    Beispiel: Doch was wird tokenisiert? Derzeit sind es hauptsächlich Immobilien, Kunstwerke, Juwelen, etc. es ist zum Beispiel möglich eine Immobile mit einem Gegenwert von 2 Mio. zu tokenisieren. D.h. jemand kauft diese Immobilie, gründet dazu eine Zweckgesellschaft und begibt 200 Token im Gegenwert von €10,000. Der Besitzer eines Token besitzt nun 0,5% dieser Immobile und erhält den entsprechenden Gegenwert der Miteinnahmen. Noch sind diese Token schwer handelbar, weil es an funktionieren Märkten fehlt. Allerdings bereiten sich traditionelle Börsen darauf vor den Handel mit diesen Security Tokens aufzunehmen. Security Tokens haben das Potenzial das Finanzwesen deutlich zu verändern.

Handel von Anteilen

So wird es in absehbarer Zukunft auch möglich sein ohne Bankverbindung Aktien oder Fondsanteile in Form von Security Tokens zu erwerben. Wer heute schon Aktien, Indices oder Rohstoffe in Form von Security Tokens erwerben möchte, kann dies z.B. auf der Internetseite currency.com realisieren.

Variable Nutzung

Krypto-Währungen werden sehr unterschiedlich eingesetzt. Auch im Wertpapierbereich hält die  Technologie langsam Einzug. Wir beobachten die Entwicklung genau. Auf der Veranlagungsseite sind Kryptowährungen für die Erste Asset Management kein Thema. Dafür fehlen wichtige Voraussetzungen. Auf der Technologieseite ist jedoch einiges zu erwarten.

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