Hybride EPU: Abgesicherte Fahrt in die Selbständigkeit

06. November 2019 Drucken
Hybride EPU: Abgesicherte Fahrt in die Selbständigkeit
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Rund ein Fünftel der Ein-Personen-Unternehmen in Österreich sind sogenannte hybride EPU – die neben der Selbstständigkeit als Angestellte arbeiten. Sie stehen finanziell auf sicheren Beinen, kämpfen aber mit bürokratischen Hürden und steuerlichen Belastungen. KMU Forschung Austria hat im Auftrag der WKO die Situation der heimischen EPU erhoben. 

Die meisten Hybrid EPU sind zwischen 50 und 59 Jahre alt, fast die Hälfte sind Akademiker. Methodisch erfasst wurden ihre Motive, Ziele und Bedürfnisse erstmals in einer Studie der KMU Forschung Austria, die im Juli 2019 im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) durchgeführt wurde.

Vielfältige Motive für die Selbstständigkeit

Unterschieden wird zwischen primär unselbstständigen bzw. selbstständigen Hybriden, je nachdem, welchen Stellenwert die Selbstständigkeit gegenüber dem Anstellungsverhältnis einnimmt. Die Entfaltung der eigenen Potentiale, eine abwechslungsreiche Tätigkeit und die Möglichkeit der finanziell abgesicherten Selbstverwirklichung sind die Hauptmotive für ein primär unselbstständiges Hybrid-Unternehmertum, welches von einer überwältigenden Mehrheit der befragten EPU praktiziert wird. Für primär Selbstständige steht hingegen die Entfaltung und Anwendung eigener Potentiale und Kompetenzen im Vordergrund.

Geld ist nicht primärer Antrieb

Die Grundstimmung unter Österreichs Selbstständigen ist positiv. 70 Prozent aller hybriden Einzelunternehmer- und Unternehmerinnen berichten, ihre persönlichen Potentiale, Kompetenzen und Talente frei entfalten und im Job zur Anwendung bringen zu können. Die finanzielle Absicherung ist natürlich wichtig, aus reiner Geldnot wählen jedoch die wenigsten den Weg in die nebenberufliche Selbstständigkeit. Die Befragung zeigte im Gegenteil, dass die Hälfte der hybriden EPU sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrem Einkommen ist. In den Umsätzen sind Hybride EPU stark in den Umsatzbereichen bis zu Euro 50.000,- vertreten, immerhin 12 Prozent konnten im Jahr 2018 einen Jahresumsatz von mehr als Euro 100.000,- erwirtschaften. In der Vergleichsgruppe aller EPU lag der Anteil mit 24 Prozent sogar doppelt so hoch.

Die Zeichen stehen auf Wachstum

Hybrides Unternehmertum sollte laut KMU Austria als eigenständige, nachhaltige Form unternehmerischer Tätigkeit betrachtet werden. So plant mehr als die Hälfte aller hybriden EPU, ihre Zeit zwischen Anstellung und Selbstständigkeit auch in den nächsten Jahren ähnlich aufzuteilen. Ein Großteil der hybriden Ein-Personen-Unternehmerinnen- und Unternehmer ist außerdem in einer anderen Branche als im jeweiligen Hauptberuf aktiv. Auch hegen hybride EPU deutlich öfter Wachstumspläne: Jedes zweite hybride Unternehmen plant in den nächsten drei Jahren eine Erweiterung am regionalen (50 Prozent) oder am österreichischen Markt (44 Prozent).

Neue Kleinunternehmergrenze

Herausforderungen für Ein-Personen-Unternehmen jeder Art liegen im mitunter erheblichen Arbeitspensum und administrativen Hürden wie der als zu hoch empfundene Steuerlast. Jeweils 57 Prozent der befragten hybriden EPU bewerten diese Faktoren als herausfordernd. Linderung würde eine steuerliche Begünstigung von Aufwendungen für den Arbeitsplatz im Wohnungsverband bringen, auf den immerhin die Hälfte aller hybriden EPU angewiesen sind. Außerdem wären die Vorsteuerabzugsfähigkeit für PKW-Kosten sowie weitere Abschreibungsmöglichkeiten für Neuanschaffungen eine willkommene Entlastung für Österreichs hybrid-EPU. Bereits beschlossen wurde eine Anhebung der Kleinunternehmergrenze, die 2020 von 30.000 Euro im Jahr auf 35.000 Euro angehoben wird. Damit müssen Unternehmen, die einen Jahresumsatz von bis zu 35.000 Euro aufweisen, keine Umsatzsteuer zahlen – was in besonderem Maße EPU zu Gute kommen wird.

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