Batterie oder Brennstoffzelle: Der Kampf um die automobile Zukunft

07. November 2019 Drucken
Batterie oder Brennstoffzelle: Der Kampf um die automobile Zukunft
Mercedes-Benz GLC F-Cell @ Daimler

Das Rennen um den künftigen alternativen Autoantrieb ist längst gestartet. Die Richtung, in die die Entwicklung geht, ist aber noch nicht entschieden. Clemens Klein, Senior Fondsmanager der Erste Asset Management, analysiert im Blog die Perspektiven von Akku und Brennstoffzelle.

Volkswagen investiert in den kommenden Jahren 40 Milliarden Euro in den Bereich Elektromobilität. Bis 2030 sollen 300 neue, batteriebetriebene Modelle lanciert und ab 2025 jährlich 2,5 Millionen Elektroautos abgesetzt werden. Einen ganz anderen Weg geht Hyundai. Der koreanische Autokonzern setzt auf Wasserstoff und investiert Milliarden in den Aufbau einer Brennstoffzellenproduktion. Bis 2030 will das Unternehmen jährlich 500.000 Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb produzieren und damit weltweit zum Marktführer in dieser Technologie werden.

Brennstoffzellen- oder Wasserstoffautos

Genaugenommen sind Brennstoffzellen– oder Wasserstoffautos auch Elektroautos. Nur wird der Elektromotor nicht mittels einer Batterie betrieben, sondern von einer Brennstoffzelle, die aus Wasserstoff und Sauerstoff Strom erzeugt. Der Wasserstoff wird, wie vom Verbrennungsmotor gewohnt, innerhalb weniger Minuten getankt und ermöglicht Reichweiten von bis zu 700 Kilometer. Emissionen gibt es so gut wie keine – aus dem Auspuff kommt Wasserdampf.

Technologie der Brennstoffzellen ist teuer

Wasserdampf als einzige Emission, große Reichweite, schnelles Tanken – das Rennen scheint entschieden. Doch die Realität sieht anders aus. Während im vergangenen Jahr 2 Millionen Elektroautos neu zugelassen wurden und die weltweite Flotte auf mittlerweile 5 Millionen Fahrzeuge angestiegen ist, fuhren Ende 2018 gerade einmal 10.000 Wasserstoffautos rund um den Globus, 4.000 mehr als im Jahr zuvor. Wie so oft sind es vor allem die Kosten, die über den Erfolg einer Technologie entscheiden. Und hier haben die in der Anschaffung ohnehin schon nicht ganz günstigen Elektroautos, dank des rasanten Rückgangs der Batteriepreise in den vergangenen Jahren, ganz klar die Nase vorn.

Fünf Wasserstofftankstellen in Österreich

Auch im Betrieb sind die batteriebetrieben den Brennstoffzellenmodellen kostenmäßig überlegen. Und dann wäre da noch die Infrastruktur. In Österreich gibt es aktuell gerade einmal 5 Tankstellen, an denen Wasserstoff getankt werden kann. Für Autor Clemens Klein ist die zuletzt wieder aufkeimende Euphorie rund um die Brennstoffzelle kein Strohfeuer. Zu überzeugend seien die Vorteile dieser Technologie:

  • Die Möglichkeit der längerfristigen Speicherung überschüssiger erneuerbarer Energie,
  • die Nutzung bestehender Leitungsnetze,
  • kurze Betankungszeiten sowie
  • große Reichweite.

Rohstoff Wasser

Dazu kommt, dass der zur Gewinnung von Wasserstoff benötigte „Rohstoff“ Wasser nahezu unbegrenzt zur Verfügung steht. Wissenschafter der Standford University haben ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, Wasserstoff auch aus Meerwasser zu gewinnen, das bekanntlich 97% der Wasserreserven der Erde darstellt. Und dass die Kosten neuer Technologien mit steigender Verbreitung dramatisch sinken können, haben Beispiele wie Wind- und Solarenergie, die mittlerweile in vielen Teilen der Welt die billigste Formen der Stromerzeugung darstellen, ebenso wie der Kostenrückgang bei Batterien von mehr als 85% während der vergangenen 10 Jahre eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Ausstiegsszenarien

Norwegen will ab 2025 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zulassen, Holland, Schweden, Dänemark und weitere Länder, planen den Ausstieg bis 2030 und eine Reihe weiterer Staaten sieht das Ende der Verbrenner spätestens im Jahr 2040 gekommen.

Ohne Umweltbelastung geht es nicht

Immer wieder tauchen Studien auf, die zu belegen versuchen, alternative Antriebstechnologien wären nur geringfügig oder gar nicht umweltfreundlicher als die derzeit dominierenden Verbrennungsmotoren. Klar ist: Auch batteriebetriebene ebenso wie Brennstoffzellenautos verursachen Treibhausgas-, Stickoxid- sowie Partikelemissionen. Das liegt vor allem am Produktionsprozess für die Fahrzeug- sowie die Akku- bzw. Brennstoffzellenherstellung. Bei Elektroautos kommen dazu Emissionen die bei der Produktion des benötigten Stroms, bei Wasserstoffautos jene Emissionen, die bei der Herstellung des Wasserstoffes anfallen. Im Betrieb verursachen beide Technologien keine Treibhaus- oder Stickoxidemissionen.

Unterm Strich: Deutliche Reduktion

Eine aktuelle Studie des Bundesumweltamtes kommt daher zum Ergebnis, dass abhängig vom Strommix die Emissionen beider Technologien bei Treibhausgasen um bis zu 87%, bei Stickoxid um bis zu 66% unter jenen von Verbrennungsmotoren liegen.

Mehr zum Thema