Deutsche Provider kooperieren bei 5G-Ausbau – Europa zaudert

12. November 2019 Drucken
Deutsche Provider kooperieren bei 5G-Ausbau – Europa zaudert
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Die Mobilfunk-Provider Deutsche Telekom, Telefonica Deutschland und Vodafone wollen ihre Kräfte beim Ausbau des schnellen Mobilfunks bündeln. Die Unternehmen wollen bis zu 6.000 neue Mobilfunkstandorte koordiniert aufbauen und nutzen. Allerdings hinkt Europa beim Ausbau der 5G-Infrastruktur gegenüber Asien stark hinterher. 

In Deutschland wurde entsprechende Absichtserklärung von den drei Anbietern Deutsche Telekom, Telefonica Deutschland und Vodafone unterzeichnet. Zudem gaben die drei Unternehmen bekannt, dass Mitbewerber 1&1 Drillisch eingeladen sei, sich an dem „kooperativen Netzausbau“ zu beteiligen. „Voraussetzung ist die Bereitschaft, in gleichem Umfang am Ausbau mitzuwirken.“

Keine Funklöcher mehr

Ziel sei eine „bestmögliche mobile Breitbandversorgung“ für die Kunden in ganz Deutschland, insbesondere auf dem Land und entlang der Verkehrswege auf Straßen, Schienen und Flüssen. Deren Versorgung war den Betreibern im Zuge der 5G-Frequenzauktion auferlegt worden. Vor allem auf dem Land gibt es noch viele Funklöcher in Deutschland.

Verzögerungen in Gesamteuropa

Die Gesamtsituation des Telekomausbaus sei allerdings in Europa schwach. Europa hinkt beim Ausbau der Telekom-Infrastruktur gegenüber Asien stark hinterher, sagt der Technik-Chef des Schweizer Mobilfunkanbieters Sunrise, Elmar Grasser. Die Schweiz sei eine Ausnahme und bei der neuen Mobilfunk-Generation 5G weltweit einer der Vorreiter. In Österreich dürfte 5G frühestens 2023 für den Massenmarkt relevant sein, glaubt Michael Krammer, Chef des Mobilfunkdiskonters HoT.

Schweiz als Vorreiter

„Wir haben das erste 5G-Netz in Europa aufgebaut und eines der ersten weltweit“, berichtete Grasser vor Journalisten in Wien. Sunrise habe in der Schweiz 309 Ortschaften mit 5G abgedeckt mit bis zu einem Gigabit pro Sekunde. Gleichzeitig habe man in der Schweiz eines der besten 4G-Netze, das 96 Prozent der Fläche abdecke. „Wenn man ein schlechtes 4G-Netz hat, macht es aus meiner Sicht keinen großen Sinn, sich schon auf 5G zu konzentrieren.“

In Europa nicht viel los

Insgesamt sei in Sachen 5G „in Europa noch nicht sehr viel los, UK fängt ein bisschen an“, so Grasser, „und erstaunlicherweise scheint man auch in den arabischen Gebieten sehr engagiert zu sein.“ Auch in den USA gebe es noch kaum 5G, weil dort das wichtige 3,5-GHz-Band, das sonst weltweit verwendet werde, aus militärischen Gründen nicht zur Verfügung gestellt werde. Anders sehe es in Asien aus, „die werden rasch mit 5G ausgestattet sein, dort wird das einfach gemacht“.

Nicht vor Angst erstarren

Angst vor Digitalisierung und 5G sei in Europa und auch in der Schweiz sehr verbreitet, man müsse aber die Chancen und Gefahren analysieren und nicht vor Angst stehenbleiben. Viele Menschen hätten Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen und vor elektromagnetischen Wellen – so würden Geschichten darüber kursieren, dass in Holland wegen elektromagnetischer Wellen sogar Vögel tot vom Himmel gefallen seien. In Wahrheit würden Vögel sogar ihre Nester auf den 5G-Stationen bauen, was manchmal ein Problem sei.

Investition in 4G noch nicht verdient

In Europa mache man außerdem immer wieder denselben Fehler, warnte Grasser: „Man hat in Europa diese verheerenden Frequenzauktionen gemacht, wo wahnsinnig viel Geld ausgegeben wird.“ 6,6 Mrd. Euro hätten etwa die Mobilfunker in Italien für viel weniger Frequenzen bezahlt als in der Schweiz. „Den Fehler hat man bei 3G schon gemacht, man hat ihn bei 4G wiederholt, und weil’s so schön ist macht man ihn zum dritten Mal.“ Dieses Geld fehle dann für den Netzausbau. In China hingegen habe man sich darauf geeinigt, dass drei Betreiber für den Wettbewerb ausreichend seien, und diese Betreiber hätten die Frequenzen praktisch zum Nulltarif erhalten, allerdings mit einer Ausbauverpflichtung. „Das ist für eine Volkswirtschaft effizient.“

Österreicher „zu preissensibel“

Dass die Schweizer beim 5G-Ausbau einen so deutlichen Vorsprung gegenüber Österreich haben, begründete Krammer – er ist Chef des hinter HoT stehenden Betreibers Ventocom – unter anderem damit, dass die Schweizer Mobilfunkkunden viel stärker qualitätsorientiert seien als die Österreicher. „Die Schweizer liefern sich einen Qualitätswettbewerb bei hohen Preisen.“ In Österreich seien die Kunden viel preissensibler. (APA/red)