Pkw-Absatz: Die WLTP-Effekte sind verdaut – Elektroautos boomen

29. November 2019 Drucken
Pkw-Absatz: Die WLTP-Effekte sind verdaut – Elektroautos boomen
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Der Pkw-Absatz in der EU wird im Gesamtjahr auf Vorjahresniveau erwartet. Die Nachzieheffekte nach der WLTP-Einführung puschen den Verkauf. Auch die Neuzulassungen von elektrisch betriebenen Neuwagen sind EU-weit stark im Plus – nur nicht in Österreich.

Im Oktober verzeichnete der EU-Neuwagenmarkt ein auf den ersten Blick bemerkenswertes Wachstum von knapp neun Prozent – das allerdings in erster Linie auf das sehr niedrige Vorjahresniveau zurückzuführen ist. Im Herbst 2018 hatte nämlich die Umstellung auf den neuen Prüfstandard WLTP EU-weit zu einem Absatzeinbruch geführt. Mit 1,18 Millionen neu zugelassenen Pkw lag der Absatz in diesem Jahr im Oktober etwa auf dem Niveau von Oktober 2017, heißt es in einer Marktanalyse des Beratungsunternehmens EY.

Neuzulassungen steigen

In Österreich lag der Absatz zwar zwölf Prozent höher als im Oktober 2018, aber immerhin noch elf Prozent unter dem Niveau von Oktober 2017. Im bisherigen Jahresverlauf ist das Absatzniveau in Österreich fünf Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum – damit hat sich der österreichische Markt deutlich schlechter entwickelt als der EU-Markt, der derzeit um 0,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegt.

Verlierer des Jahres 2018 holen wieder auf

Kräftig aufwärts ging es im vergangenen Monat vor allem für die Unternehmen, die im Vorjahr die stärksten Einbußen verzeichnet hatten – allen voran der Volkswagen-Konzern, der im Oktober 2018 noch EU-weit ein Minus von 22 Prozent eingefahren hatte, und der im Oktober dieses Jahres seine Neuzulassungen in der EU um 31 Prozent steigern konnte. Renault hatte im Vorjahr ein Minus von 15 Prozent eingefahren – in diesem Jahr stieg der Absatz um 13 Prozent.

Nur Fiat nicht

Aber nicht alle Verlierer des Vorjahres konnten in diesem Jahr aufholen: Bei Fiat waren die Neuzulassungen im Oktober 2018 um 14 Prozent eingebrochen, im Oktober 2019 ging es nur um 2,7 Prozent aufwärts. Die Entwicklung am Automarkt zeigt im bisherigen Jahresverlauf EU-weit nach wie vor leicht nach unten.

Abstieg des Diesels hält an

Der Diesel-Antrieb hat noch immer einen schweren Stand – allerdings verliert der Abwärtstrend inzwischen an Fahrt. In den Top-5-Märkten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien) sank der Absatz von Diesel-Pkw im Oktober um fünf Prozent, in den ersten drei Quartalen waren die Diesel-Neuzulassungen noch um 15 Prozent gesunken. In Österreich und in Deutschland legte der Diesel-Absatz im Oktober gegenüber dem Vorjahr zu, in Großbritannien brachen die Verkäufe hingegen erneut um 28 Prozent ein. In Österreich und Deutschland deutet sich eine Stabilisierung des Diesel-Marktanteils an. In den südeuropäischen Ländern hingegen, wo das Kleinwagen- und Kompaktsegment eine größere Rolle spielen, verliert der Diesel-Antrieb weiter stark an Bedeutung, so EY

Elektroautos wachsen in der EU

Weitgehend unbeeinflusst von den WLTP-Verzerrungen entwickeln sich die Neuzulassungen von Elektroautos. Und hier zeigt sich, dass der steile Aufwärtstrend der vergangenen Monate weiter Bestand hat: In den fünf größten Absatzmärkten kletterten die Neuzulassungen reiner Elektroautos um 65 Prozent, die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden stiegen sogar um 91 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf liegt der Marktanteil ganz oder teilweise elektrisch betriebener Neuwagen in den Top-5-Märkten bei 3,2 Prozent, ein Jahr zuvor betrug der Anteil 1,9 Prozent.

Nur in Österreich werden weniger Akku-Autos verkauft

Österreich ist ein Sonderfall – hier sanken die Neuzulassungen reiner Elektroautos im Oktober um 38 Prozent, während sich die Zulassungen neuer Plug-in-Hybride fast verdreifacht haben (plus 160 Prozent). Der Marktanteil ganz oder teilweise elektrisch betriebener Neuwagen sank im Vergleich zum Vorjahr von 4,3 auf 3,4 Prozent – lag damit aber immer noch höher als im Durchschnitt der Top-5-Märkte. Im bisherigen Jahresverlauf stiegen die Neuzulassungen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden in Österreich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent. EY rechnet für das kommende Jahr mit einer Verdopplung des Marktanteils. Attraktive Modelle in niedrigeren Preisregionen würden Elektromobilität für ganz neue Käufergruppen attraktiv machen, so die Analyse.

Unsicherer Ausblick

Ab dem Jahr 2020 gelten in der EU die neuen, deutlich strengeren Vorgaben für den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte – die Hersteller werden daher bestrebt sein, die Neuzulassungen von Fahrzeugen mit hohem CO2-Ausstoß noch in das Jahr 2019 zu ziehen, was zu einem künstlichen Boom bei den Neuzulassungen großer Pkw / SUVs zum Jahresende führen könnte. Umgekehrt könnten die Neuzulassungen von Elektroautos tendenziell in das kommende Jahr verschoben werden, was den Aufwärtstrend bei Elektroautos im November und Dezember leicht bremsen würde. Unterm Strich rechnet EY mit einem Neuwagenabsatz in der EU auf dem Niveau des Vorjahres.

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