PISA-Studie 2018: Warum Österreich im Mittelmaß verharrt

03. Dezember 2019 Drucken
PISA-Studie 2018: Warum Österreich im Mittelmaß verharrt
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Schülerinnen und Schüler in Österreich haben bei der PISA-Studie 2018 im Bereich Leseverständnis und bei den Naturwissenschaften im OECD-Vergleich durchschnittliche Ergebnisse erzielt, in Mathematik leicht überdurchschnittliche Ergebnisse.

Laut OECD-Presseaussendung sind bei den heimischen Schülern die Ergebnisse im Leseverständnis und in Mathematik  langfristig stabil geblieben, in den Naturwissenschaften jedoch seit 2006 rückläufig. Der Abstand zu den Spitzenreitern – darunter vier chinesische Provinzen, Singapur, Estland und Finnland – bleibt in allen drei Bereichen groß. Positiv schneidet Österreich bei der Einstellung seiner Schülerinnen und Schüler zur möglichen Weiterentwicklung der eigenen Leistungen und zur Kooperation mit Mitschülern ab.

Anwendung war gefragt

Wie immer fragte die PISA-Studie kaum gelerntes Wissen ab, sondern untersuchte hauptsächlich, ob die Schülerinnen und Schüler in der Lage waren, Wissen anzuwenden, Fakten von Meinungen zu unterscheiden, Informationen zu verknüpfen und eigene Lösungswege zu finden – Schlüsselqualifikationen in einer zunehmend digitalisierten Welt.

Armut behindert Bildung

Mit allen PISA-Teilnehmern ist Österreich gemein, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Hintergrund und der Leistung gibt.

Aber man kann etwas dagegen tun

Obwohl der Zusammenhang zwischen Herkunft und Leistung auch beim Leseverständnis deutlich wurde, gelang es hier zehn Prozent der benachteiligten Schülerinnen und Schüler in Österreich, landesweit zu den besten 25 Prozent zu gehören und damit zu zeigen, dass Armut kein Schicksal sein muss.

Geschlechtertrends scheinen zementiert

Insgesamt schnitten Jungen in Österreich in Mathematik besser ab als Mädchen, in den Naturwissenschaften zeigten sich keine geschlechterspezifischen Leistungsunterschiede. Beim Leseverständnis waren in Österreich – wie in allen PISA-Teilnehmerländern – die Mädchen deutlich stärker.

Ambitionen bleiben hinter den Leistungen

Die PISA-Studie 2018 untersuchte auch Faktoren, die für das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler eine Rolle spielen, und befragte die Teilnehmenden zu ihrer sozialen Herkunft, ihren Einstellungen, Lernerfahrungen und Ambitionen. Hier zeigte sich in vielen Ländern, dass Schülerinnen und Schüler oft in Bezug auf ihre spätere Bildungslaufbahn weniger ambitioniert waren, als ihre Leistungen es vermuten ließen.

In Österreich sind soziale Schranken besonders hoch

Gerade Schülerinnen und Schüler aus sozioökonomisch schwierigen Verhältnissen erklärten auch bei sehr guten Leistungen besonders selten, eine tertiäre Bildung anzustreben. Österreich und Deutschland gehören zu einer Gruppe von Ländern, in denen der soziale Faktor besonders stark ausgeprägt ist: Während unter den leistungsstarken, ökonomisch bessergestellten Schülerinnen und Schülern nur etwa 20 Prozent keine tertiäre Bildung anstrebten, galt dies unter den leistungsstarken, aber sozioökonomisch benachteiligten Schülerinnen und Schülern für etwa die Hälfte.

Glauben an eigene Handlungsfähigkeit

Dennoch ließen Österreichs Schülerinnen und Schüler ein insgesamt dynamisches Selbstbild in Bezug auf die Leistungsentwicklung erkennen. 72 Prozent widersprachen der Aussage, dass man an der eigenen Intelligenz nicht wirklich etwas ändern könne. Im OECD-Schnitt taten dies nur 63 Prozent.

Hoher Kooperationswillen

Ein erfreuliches Bild ergaben auch die Antworten auf die Frage, ob Mitschülerinnen und Mitschüler miteinander kooperierten. Das bestätigten 76 Prozent der Teilnehmenden in Österreich im Vergleich zu nur 62 Prozent im OECD-Durchschnitt.

Größte Studie

Die PISA-Studie 2018 war mit rund 600.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 79 Ländern und Regionen die bisher größte PISA-Studie. In Österreich absolvierten 6.802 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren aus 293 Schulen den Test.

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