Bruttoregionalprodukt 2018 : Kärnten ist auf Aufholjagd

11. Dezember 2019 Drucken
Bruttoregionalprodukt 2018 : Kärnten ist auf Aufholjagd
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Im Jahr 2018 verzeichneten laut Statistik Austria alle Bundesländer ein positives reales Wachstum des Bruttoregionalprodukts (BRP) zwischen +3,8 Prozent (Kärnten) und +1,3 Prozent (Burgenland). Im gleichen Zeitraum wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,4 Prozent.

Kärnten verzeichnete 2018 mit +3,8 Prozent das stärkste reale Wachstum aller Bundesländer. Verantwortlich für die gute Performance war vor allem der Produzierende Bereich, der mit +8,7 Prozent markant stärker als in allen anderen Bundesländern wuchs und deutlich über dem Österreichschnitt (+4,8 Prozent) lag. Die größte Dynamik zeigten dabei die Herstellung von Waren und die Energieversorgung. Entgegen dem Trend der vergangenen Jahre trugen auch positive Impulse im Dienstleistungssektor (+1,8 Prozent) zur guten wirtschaftlichen Performance des südlichsten Bundeslands bei.

K, NÖ, Stmk: Industriesektor wuchs kräftig

In Kärnten und Niederösterreich hatte die gute wirtschaftliche Entwicklung nur einen schwachen Effekt auf das Arbeitskräfteangebot – Kärnten bildete bei der Beschäftigtenentwicklung mit +1,1 Prozent (+3.000 Beschäftigungsverhältnisse) das Schlusslicht aller Bundesländer und auch Niederösterreichs Beschäftigung wuchs mit 1,6 Prozent unter dem Österreichschnitt von 1,9 Prozent. In der Steiermark verursachte das überdurchschnittliche BRP-Wachstum hingegen einen kräftigeren Beschäftigungsimpuls (+2,2 Prozent). Von den 14.600 neu geschaffenen Jobs in der Steiermark entfielen rund 7.300 auf den Produzierenden Bereich, insbesondere auf die Herstellung von Waren. Auch in Vorarlberg, wo die Beschäftigung mit +2,2 Prozent (+4.500) gleich stark anstieg wie die reale Wirtschaftsleistung, wurde 2018 fast jeder zweite Job im Produzierenden Bereich geschaffen.

Bruttoregionalprodukt 2018
Bundesland BRP 2018 BRP je Einwohner 2018 Erwerbstätige (Jobs) 2018
nominell reale Veränderung nominell reale Veränderung
in Mio. Euro in % zum VJ in Euro in % zum VJ Anzahl Veränderung in % zum VJ
Österreich 385.712 2,4 43.600 1,9 4.754.400 1,9
Burgenland 9.006 1,3 30.700 1,1 132.400 1,6
Niederösterreich 61.020 3,2 36.500 2,8 776.700 1,6
Wien 96.417 2 51.000 1,2 1.092.300 2,2
Kärnten 20.882 3,8 37.200 3,8 282.400 1,1
Steiermark 49.604 2,7 40.000 2,4 672.800 2,2
Oberösterreich 65.850 2,4 44.600 1,8 815.800 1,6
Salzburg 29.045 2,1 52.400 1,6 336.300 1,6
Tirol 34.673 1,7 46.100 1,2 436.500 1,9
Vorarlberg 19.077 2,2 48.500 1,5 208.600 2,2
Extra-Regio1) 138 4,7 700 4,5
Q: STATISTIK AUSTRIA, Regionale Gesamtrechnungen. – Erstellt am 10.12.2019. – Konzept ESVG 2010, VGR-Revisionsstand: September 2019. 1) Die „Extra-Regio“

BIP-Wachstum im Burgenland gedämpft

Das Burgenland bildete 2018 mit einem BRP-Wachstum von 1,3 Prozent das Schlusslicht aller Bundesländer. Ausschlaggebend für das schwache reale Wirtschaftswachstum des Burgenlands war die im Vergleich zu den anderen Bundesländern gedämpfte Entwicklung im Produzierenden Bereich (+2,1 Prozent). Auch bei der Entwicklung der Beschäftigung lag das Burgenland mit +1,6 Prozent leicht unter dem bundesweiten Schnitt von +1,9 Prozent, die größten absoluten Zuwächse gab es im Handel.

OÖ im Schnitt

Genau im Durchschnitt lag Oberösterreich mit einem realen Wachstum von 2,4 Prozent. Die sehr gute Entwicklung des oberösterreichischen Dienstleistungssektors konnte dort die leicht unter dem Österreichschnitt liegende Entwicklung im Produzierenden Bereich ausgleichen. Wachstumsimpulse kamen aus dem Bau und den bedeutendsten Dienstleistungsbereichen.

Tirol schwächelt bei Bau und Produktion

Grund für das schwächere reale Wachstum Tirols (+1,7 Prozent) war ebenfalls die im Bundesländervergleich gedämpfte Entwicklung im Produzierenden Bereich von nur +2,4 Prozent. Vor allem die Herstellung von Waren lag deutlich unter der österreichweiten Entwicklung, die Rückgänge im Bau verstärkten die unterdurchschnittliche Performance im Produzierenden Bereich. Dies hatte jedoch keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Tirol. Dieser erreichte 2018 ein im Österreichschnitt liegendes Plus von 1,9 Prozent (+8.100 Beschäftigungsverhältnisse).

Wien: Wirtschaftsentwicklung unter dem Durchschnitt

Österreichweit nahm die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse 2018 um 1,9 Prozent zu. Der stärkste Zuwachs in absoluten Zahlen war mit 23.600 Beschäftigungsverhältnissen in Wien zu beobachten, was einem Anstieg von 2,2 Prozent entsprach. Die Dynamik kam hier vor allem aus dem Dienstleistungssektor, aber auch der Bau trug zu dieser Entwicklung bei. Das reale Wirtschaftswachstum in Wien lag 2018 mit +2,0 Prozent unter dem Österreichschnitt von +2,4 Prozent. Sowohl die unterdurchschnittliche Entwicklung im Produzierenden Bereich, aber vor allem auch die schwache Entwicklung bei den öffentlichen Dienstleistungen wirkten sich hier dämpfend aus.

Jede SalzburgerIn erwirtschaftet 52.400 Euro

Beim BRP je Einwohner verzeichneten alle Bundesländer im Berichtsjahr 2018 ein positives reales Wachstum, das zwischen +3,8 Prozent in Kärnten und +1,1 Prozent im Burgenland lag und somit stark um den Österreichschnitt von +1,9 Prozent streute (siehe Tabelle 1). Das höchste BRP je Einwohner erzielte Salzburg mit rund 52.400 Euro, gefolgt von Wien mit rund 51.000 Euro (siehe Kartogramm). Wie auch in den Jahren zuvor lagen die östlichen und südlichen Bundesländer unter dem Österreichschnitt von 43.600 Euro.

Vorarlbergs Pro-Kopf-Einkommen 2018 wieder am höchsten

Die privaten Haushalte in Vorarlberg konnten auch 2018 wie in den Vorjahren das höchste verfügbare Einkommen pro Kopf mit 25.600 Euro verzeichnen. An zweiter Stelle lag Niederösterreich mit 25.300 Euro, gefolgt von Salzburg und dem Burgenland mit je 24.900 Euro. Leicht über dem Österreichschnitt von 24.300 Euro finden sich die Pro-Kopf-Einkommen der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher mit 24.500 Euro. Tirol und die Steiermark konnten 2018 dem Trend der letzten Jahre entsprechend beim verfügbaren Einkommen je Einwohner etwas aufholen und lagen mit 24.100 Euro nur noch leicht unter dem Österreichschnitt.

Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte 2018
Bundesland Verfügbares Einkommen 2018, nominell Verfügbares Einkommen je Einwohner 2018 Anteil am österr. verfügbaren Einkommen 2018 Anteil an der Wohnbevölkerung 2018
in Mio. Euro Veränderung in % zum VJ in Euro in % in %
Österreich 214.646 3,5 24.300 100 100
Burgenland 7.296 3,2 24.900 3,4 3,3
Niederösterreich 42.342 3,7 25.300 19,7 18,9
Wien 43.497 3,2 23.000 20,3 21,4
Kärnten 13.352 3,2 23.800 6,2 6,3
Steiermark 29.907 3,6 24.100 13,9 14
Oberösterreich 36.223 3,9 24.500 16,9 16,7
Salzburg 13.806 3,3 24.900 6,4 6,3
Tirol 18.158 3,8 24.100 8,5 8,5
Vorarlberg 10.064 3,7 25.600 4,7 4,4
Q: STATISTIK AUSTRIA, Regionale Gesamtrechnungen. – Erstellt am 10.12.2019 – Konzept ESVG 2010, konsistent mit den nicht-finanziellen Sektorkonten, Revisionsstand September 2019. – POoE = Private Organisationen ohne Erwerbszweck.

Kärnten bleibt Nachzügler beim Einkommen

Unterdurchschnittliche Einkommen verzeichneten die privaten Haushalte in Kärnten mit 23.800 Euro pro Kopf. Faktoren wie eine überdurchschnittliche Zunahme der Wiener Bevölkerung und eine schwache Entwicklung des Arbeitnehmerentgelts sowie der monetären Sozialleistungen trugen wesentlich zum Ergebnis der Bundeshauptstadt bei, die ein verfügbares Einkommen von nur 23.000 Euro pro Kopf aufwies. Im Gegensatz zum BRP, das auf den Arbeitsort abzielt, wird das verfügbare Einkommen nach dem Wohnort ausgewiesen.

Regional tiefer gegliederte Ergebnisse 2017

Für die Jahre 2000 bis 2017 gibt es regional tiefer untergliederte Ergebnisse für die 35 NUTS-3-Regionen Österreichs. Es stehen Bruttoregionalprodukt bzw. Bruttowertschöpfung und Beschäftigung zur Verfügung. Beim Bruttoregionalprodukt je Einwohner 2017 lag die Landeshauptstadtregion Salzburg und Umgebung mit einem BRP je Einwohner in der Höhe von 54.500 Euro vor Linz-Wels (52.800 Euro) und Wien (49.500 Euro).

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