Regierungsübereinkommen: Das soll sich für Einzelunternehmen steuerlich ändern

13. Januar 2020 Drucken
Regierungsübereinkommen: Das soll sich für Einzelunternehmen steuerlich ändern
© BKA/Andy Wenzel

Im Regierungsübereinkommen der türkis-grünen Regierung  finden sich – unter anderem – eine Senkung des Einkommensteuer- und Körperschaftsteuertarifs, sowei eine Ausweitung des investitionsunabhängigen Gewinnfreibetrages.

Im Regierungsübereinkommen der türkis-grünen Regierung  finden sich – unter anderem – eine Senkung des Einkommensteuer- und Körperschaftsteuertarifs, eine Ausweitung des investitionsunabhängigen Gewinnfreibetrages oder eine Erhöhung der steuerlichen Freigrenze für Geringwertige Wirtschaftsgüter. LBG Österreich hat sich das Konzept aus Sicht der Steuerberatung angesehen. 

LBG Österreich hat das Regierungsprogramm nach steuerlichen Auswirkungen analysiert. Folgend jene Bereiche, die die Einkommenssteuer und damit die steuerlichen Interessen von Einzelunternehmen betreffen.

Weitere Senkung der Einkommensteuer

Der für natürliche Personen anzuwendende Einkommensteuertarif soll künftig weiter reduziert werden, und zwar für die erste Stufe (aktuell für Einkommensteile über  11.000 Euro bis 18.000 Euro) von 25 Prozent auf 20 Prozent, für die zweite Stufe (aktuell für Einkommensteile über  18.000 Euro bis 31.000 Euro) von 35 Prozent auf 30 Prozent und für die dritte Stufe (aktuell für Einkommensteile über 31.000 Euro bis 60.000 Euro) von 42 Prozent auf 40 Prozent.

Höchststeuersätze bleiben unverändert

Der Steuertarif für die vierte Stufe (aktuell für Einkommensteile über 60.000 Euro bis 90.000 Euro) mit 48 Prozent und für die fünfte Stufe (aktuell für Einkommensteile über 90.000 Euro) mit 50 Prozent soll demnach unverändert bleiben. Der Steuersatz für die sechste Stufe (aktuell für Einkommensteile über 1 Mio. Euro) ist nach der geltenden Gesetzeslage zeitbefristet für 2016 – 2020 und beträgt 55 Prozent. Für Einkommensteile bis jährlich 11.000 Euro wird aktuell keine Einkommensteuer erhoben.

Positive Auswirkungen auf kleine und mittlere Einkommen

Der geplante neue Einkommensteuertarif führt laut LBG Österreich zu einer deutlicheren Entlastung vor allem der kleinen und mittleren Einkommensbezieher und gilt für Unternehmer und Selbstständige gleichermaßen wie Dienstnehmer und Pensionisten. Aufgrund der höheren Ausgabenneigung unterer Einkommensschichten bei steigendem verfügbaren (Netto-)Einkommen sind daraus auch positive Konjunktureffekte sowie resultierende abfedernde Budgeteffekte (höherer Konsum führt zu zusätzlichem Steueraufkommen, das eine Steuerreform teilweise finanziert) zu erwarten.

Gewinnfreibetrag wird attraktiver

Bei natürlichen Personen kann aktuell bei der Gewinnermittlung eines Betriebes unter bestimmten Voraussetzungen ein steuerlicher Gewinnfreibetrag, bestehend aus einem Grundfreibetrag von derzeit 30.000 Euro und einem investitionsabhängigen Gewinnfreibetrag, geltend gemacht werden. Das Investitionserfordernis soll künftig erst ab einem Gewinn von 100.000 Euro bestehen.

Erhöhte Attraktivität des Einzelunternehmens

Die Absenkung des Einkommensteuertarifs führt aus Sicht von ÖLBG Österreich gemeinsam mit der Ausweitung des investitionsunabhängigen steuerlichen Gewinnfreibetrages zu einer relativen Erhöhung der steuerlichen Attraktivität des Einzelunternehmens im Vergleich zur vollausschüttenden GmbH. Dies sollte bei der mittelfristigen Steuerplanung und Rechtsformwahl in Abhängigkeit von den für die nächsten Jahre erwarteten wirtschaftlichen Ergebnissen und der anzuwendenden Steuerprogressionsstufen beachtet werden.

Keine zeitlichen Vorgaben

Ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung der nachstehend genannten Maßnahmen innerhalb der Gesetzgebungsperiode 2020 – 2024 liegt nicht vor. Ein stufenweises Inkrafttreten im Lauf der Gesetzgebungsperiode sei aus Sicht der Autoren von LBG Österreich zu erwarten, was nicht zuletzt aufgrund der noch im Detail erforderlichen fachlichen Ausarbeitungen notwendig sei.

Mehr zum Thema