Diebstahl und Steuer: Ohne Anzeige keine Betriebsausgabe

31. Januar 2020 Drucken
Diebstahl und Steuer: Ohne Anzeige keine Betriebsausgabe
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Es kommt zu oft vor: Erst wird im Unternehmen etwas gestohlen und dann bleibt der Betrieb auf dem Diebstahlsschaden noch sitzen. Es gibt aber Ausnahmen. Hübner & Hübner informieren über einen Spruch des Bundesfinanzgerichtes  (BFG) 

Denn wenn ein ein Unternehmer finanziellen Schaden nimmt, weil sich ein Dienstnehmer durch Diebstahl, Veruntreuung etc. widerrechtlich bereichert hat, können diese Einbußen als Betriebsausgaben steuerlich mindernd geltend gemacht werden.

Das Gericht hat gesprochen

Das Bundesfinanzgericht (BFG) gibt Leitlinien vor, welche Voraussetzungen zur Anerkennung von drittverursachten Schadensfällen als Betriebsausgaben gegeben sein müssen. Um solche Schadensfälle, etwa aus einem Diebstahl, somit als Betriebsausgabe geltend machen zu können, bedarf es

  • einer genauen innerbetrieblichen Dokumentation der Vorfälle,
  • nach außen erkennbarer Handlungen, wie etwa die Verfolgung durch Strafanzeigen bei Deliktsfällen oder die zumutbare Geltendmachung und Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen.

Mitarbeiter: Veruntreute Gelder sind zu versteuern

Aus Sicht des Dienstnehmers ist beachten, dass zu den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit nicht nur die im Dienstvertrag vereinbarten Entgelte zählen, sondern auch Vorteile, auf die kein Rechtsanspruch besteht und die sich der Dienstnehmer gegen den Willen des Dienstgebers verschafft. Das Resultat dieser Logik: Veruntreute Gelder sind somit vom Dienstnehmer als Einkünfte zu versteuern!

Alle zumutbaren Maßnahmen

Im vorliegenden BFG-Fall stellte ein Dienstgeber fest, dass es bei Anwesenheit einer bestimmten Dienstnehmerin regelmäßig zu Fehlbeträgen kam, woraufhin das Dienstverhältnis mit dieser Dienstnehmerin beendet wurde. Die Dienstnehmerin wurde aber weder angezeigt noch zu einer Schadenswiedergutmachung verpflichtet. Als Nachweis der „Schadensfälle“ führte der Dienstgeber innerbetrieblich monatliche Zwischeninventuren durch und erstellte verschiedene Dienstpläne, um genaue Rückschlüsse auf die die Fehlbeträge verursachende Dienstnehmerin ziehen zu können. Nach Ausscheiden dieser Dienstnehmerin bestanden keinerlei Differenzen mehr. Mangels hundertptozentigen Nachweises des „Diebstahls“ verzichtete der Dienstgeber aber auf eine strafrechtliche Anzeige der vermeintlichen Täterin.

Zu wenig gegen Steuerminderung unternommen

Das BFG führte dazu aus, dass der Steuerpflichtige aber alle ihm zumutbaren Maßnahmen zu ergreifen hat, um durch deliktische Handlungen verursachte Minderungen seines Betriebsvermögens und damit des steuerpflichtigen Gewinnes hintanzuhalten oder durch Ersatzansprüche auszugleichen. Schadensfälle wurden vom BFG nicht als Betriebsausgaben berücksichtigt

Anzeige unverzichtbar

Da der Beschwerdeführer in diesem Fall nicht alle ihm zumutbaren Maßnahmen ergriffen hatte (Anzeige), waren die geltend gemachten Schadensfälle als Betriebsausgaben laut BFG nicht zu berücksichtigen.

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