IWF warnt vor Überhitzung des Immobilienmarktes

04. Februar 2020 Drucken
IWF warnt vor Überhitzung des Immobilienmarktes
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Der IWF warnt Österreichs Finanzsystem vor einer Überhitzung des Immobilienmarkts. Er rät den Aufsichtsbehörden, ihre Datengrundlage zu verbessern und stärkere Regulierungen in Betracht zu ziehen.

Der Internationale Währungsfonds IWF warnt Österreichs Finanzsystem vor einer möglichen Überhitzung des Immobilienmarktes. Er rät den Aufsichtsbehörden, ihre Datengrundlage zu verbessern und stärkere Regulierungen in Betracht zu ziehen.

Der Internationale Währungsfonds veröffentlichte die Warnung in seiner aktuellen Studie zur Stabilität des österreichischen Finanzsystems.

Preise sind um 10 bis 15 Prozent zu hoch

In den vergangenen Jahren habe am Immobilienmarkt eine Überbewertung der Häuserpreise stattgefunden. Schätzungen des IWF zufolge seien die Preise in Österreich derzeit um rund 10 bis 15 Prozent überbewertet, in Wien sogar um 20 Prozent. Zudem sei die Zahl der Transaktionen am Immobilienmarkt 2018 um rund 13 Prozent und damit deutlich gewachsen, was eine Überhitzung suggeriere.

Kreditbelastungen steigen

Obwohl sich die Kreditqualität in Österreich generell verbessert habe und auch die Verschuldung der Haushalte unter dem Euroraum-Schnitt liege, weise eine große Zahl neu abgeschlossener Immobilienkredite eine hohe loan-to-value-ratio, (d.h. der Anteil des Kreditwerts am gesamten Immobilienwert ist sehr hoch) sowie eine hohe debt-service-to-income-ratio (d.h. die Kreditraten machen einen hohen Anteil am Einkommen aus) aus.

Immer mehr Immokredite im Bankenportefolio

Zudem machten Immobilienkredite bei den heimischen Banken einen immer größeren Anteil aller Assets aus. So habe sich der Anteil an Wohnungskrediten im Portfolio einer Bank von 2008 bis 2018 von 8 Prozent auf 16 Prozent verdoppelt, aber auch der Anstieg bei den Unternehmenskrediten sei vor allem von Bau- und Immobilienaktivitäten angetrieben worden. Im ersten Quartal 2019 seien rund die Hälfte aller an Nicht-Finanzunternehmen vergebenen Kredite auf den Immobilien- und Bausektor gefallen.

Aufsichtsbehörden gut aufgestellt

Generell seien die österreichischen Aufsichtsbehörden – die Finanzmarktaufsicht (FMA) sowie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) – gut gerüstet, um Systemrisiken zu beobachten und zu analysieren. Betreffend die Immobilienmarkt-Risiken empfiehlt der IWF jedoch, die Datengrundlage weiter auszubauen. So sollten detaillierte Daten zum Exposure der Finanzinstitutionen im Wohnungsmarkt gesammelt werden, aber auch die Datengrundlage bei der Vergabe von Unternehmenskrediten – beispielsweise zu Kreditqualität, Rentabilität und Firmencharakteristika – ausgeweitet werden.

Begrenzungen für Kreditvergaben

Zudem müssten sich die Aufsichtsbehörden auf die mögliche Einführung von Limits einstellen. So schlägt der IWF vor, eventuell Grenzen bei der loan-to-value-ratio sowie der debt-service-to-income-ratio einzuführen. Solche Limits könnten laut IWF dabei helfen, die Zahl der Kredite mit hohem Verschuldungsgrad regulieren zu können und sicherzustellen, dass das Kreditrisiko im Immobiliensektor für Banken überschaubar bleibt. (APA)

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