WIFO: Abschwung fällt in Österreich mild aus

10. Februar 2020 Drucken
WIFO: Abschwung fällt in Österreich mild aus
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Der Abschwung fällt in Österreich dank des boomenden Tourismus mild aus. Zu diesem Ergebnis kommt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in einem Kurzbericht.

Der Abschwung fällt in Österreich dank des boomenden Tourismus mild aus. Zu diesem Ergebnis kommt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in einem Kurzbericht. Der Protektionismus der USA gehe für das Land weitgehend ins Leere – und bringe Wohlfahrtsverluste mit sich. 

Die Industriekonjunktur war in Österreich im vierten Quartal 2019 nicht mehr so trüb wie davor.

Dienstleistungsbranche steigert Produktivität

In Österreich verlangsamte sich die Eintrübung der Industriekonjunktur im IV. Quartal. Wegen der anhaltend kräftigen Wertschöpfungszuwächse der Dienstleistungen wuchs die Wirtschaft mit 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal insgesamt solide. In der Bauwirtschaft hingegen nahm die positive Dynamik im Jahresverlauf ab, im Jänner profitierte der Sektor aber vom milderen Wetter. Gleichzeitig schadete der milde Winter dem Tourismus offenbar nicht, die Nachfrage expandierte am Beginn der Wintersaison ungebrochen. Damit setzt sich der überdurchschnittliche Preisauftrieb in der Gastronomie und Hotellerie fort. Beherbergungsdienstleistungen verteuerten sich im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 5,2 Prozent, Bewirtungsdienstleistungen um 3,3 Prozent, insgesamt stiegen die Verbraucherpreise um 1,7 Prozent.

Arbeitsmarkt bleibt positiv

Die Expansion der Beschäftigung und der Rückgang der Arbeitslosigkeit hielten im Dezember und Jänner an. Der Anstieg der Beschäftigung fiel um etwa ein Viertel höher aus als der Rückgang der Arbeitslosigkeit. Im Jänner sank die Arbeitslosenquote saisonbereinigt auf 7,1 Prozent.

US-Protektionismus geht ins Leere

„Der neue Protektionismus der USA hat das Ziel, das Außenhandelsdefizit abzubauen, weitgehend verfehlt. Langfristig bringt er für alle Beteiligten Wohlfahrtsverluste mit sich“, so der Autor des aktuellen WIFO-Konjunkturberichtes Stefan Schiman.

Fed sichert Bankenliqudität

Die Fed, die Zentralbank der USA, erwirbt wieder öffentliche Schuldverschreibungen in großem Umfang. Im Gegensatz zu den vergangenen Programmen werden nur kurzfristige Schatzwechsel gekauft. Ziel ist es nicht, die Zinssätze zu dämpfen und die Konjunktur zu beleben, sondern die Liquiditätsversorgung der Banken sicherzustellen. Deren Nachfrage nach sicheren Anlagen nahm aufgrund der Finanzmarktregulierungen der letzten Jahre stark zu.

US-Politik bewirkt Verlagerung der Warenströme

Infolge des Handelskonfliktes brachen Chinas Exporte in die USA in den letzten eineinhalb Jahren um durchschnittlich 7,3 Mrd. $ pro Monat ein (‑18 Prozent), die Exporte der USA nach China um 3 Mrd. $ pro Monat (‑26 Prozent). China konnte einen Großteil des Ausfalls auf anderen Absatzmärkten wettmachen, die USA fanden keine anderen Abnehmer. Da zudem ein Teil der entfallenen Importe aus China durch Importe aus anderen Ländern ersetzt wurde, verringerte sich das Außenhandelsdefizit der USA bisher nur wenig.

WIFO zweifelt an Elektromobilität

In der EU stabilisierte sich die Industriekonjunktur zuletzt zwar, neue strenge Abgasvorschriften belasten die Produktion und den Absatz von Kfz aber auch in den nächsten Jahren. Sie erfordern einen signifikanten Anstieg des Marktanteils der Elektro- und Hybridfahrzeuge, der laut WIFO-Autor Schiman angesichts der Schwächen dieser Technologie (geringe Reichweite, spärliche Ladeinfrastruktur) fraglich ist.