Coronavirus: Bei den Unternehmensberatern laufen die Telefone heiß

17. März 2020 Drucken
Coronavirus: Bei den Unternehmensberatern laufen die Telefone heiß
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Bei vielen Menschen geht wegen dem Corona-Virus die Angst um. „Bei einigen Supermärkten betragen die Lieferzeiten bis zu zwölf Tage. Das sind Marktlücken, die Unternehmen nützen können“, erklärt Claudia Strohmaier, Sprecherin der Berufsgruppe Unternehmensberatung in der Wiener Wirtschaftskammer.

Derzeit drehen sich aufgrund des Coronavirus viele Anfragen um Antragstellungen beim Finanzamt, Stundung der Fälligkeit bei der Sozialversicherung und andere Liquiditätsmaßnahmen. Strohmaier empfiehlt den Unternehmen im 2. Schritt sofort die Strategieplanung in Angriff zu nehmen, denn niemand weiß, wie lange das schwierige Umfeld anhält.

„Wenn sich die Menschen jetzt daran gewöhnen, dass man Lebensmittel sehr bequem über das Internet bestellen kann, dann hat das großen Einfluss auf die Zukunft“, so Strohmaier weiter. Auch für kleine Unternehmen gibt es rasch realisierbare Vertriebswege, bei denen kein persönlicher Kontakt zwischen Kunden und Geschäftsinhabern notwendig ist: Eierautomaten, Brotautomaten oder die Zustellung von Gemüsekisterl gehören da beispielsweise dazu. Wenngleich diese Vertriebsformen für die breite Versorgung der Gesamtbevölkerung eine eher untergeordnete Rolle spielen, sollten Unternehmen jede kreative Chance nutzen.

Offene Forderungen eintreiben, Zahlungen hinauszögern

„In den vergangenen Tagen drehten sich die Fragen unserer Klienten primär um die akute Liquiditätssicherung, um Anträge für Stundungen beim Finanzamt bzw. der Sozialversicherung sowie um öffentliche Förderungen und Kredithilfen“, schildert die Standesvertreterin. Kommuniziert wird derzeit mit den Kunden bevorzugt über das Telefon oder über Business-Messenger wie beispielsweise Microsoft Teams oder auch Signal. „Bei einer vor wenigen Monaten durchgeführten Umfrage unter Unternehmensberatungskunden wurden das hohe Vertrauen und der direkte Kontakt besonders gelobt. Nun wird die Berufsgruppe zeigen, dass auch mittels rein elektronischer Kommunikation eine ausgezeichnete Betreuung möglich ist“, ist Martin Puaschitz, Obmann der Wiener Fachgruppe für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) überzeugt.

Maßnahmengegen wegen Coronavirus, um gute Mitarbeiter zu halten

„Wir sind derzeit bevorzugt damit beschäftigt die Fixkosten der Unternehmen zu analysieren, Liquiditätspläne zu erstellen und Strategiepläne zu entwerfen“, erklärt Strohmaier. Eine der Grundweisheiten, um kurzfristig rasch zu flüssigen Mitteln zu kommen, sei beispielsweise die rasche Eintreibung der offenen Forderungen beziehungsweise im Gegenzug die Bezahlung der Verbindlichkeiten möglichst lange hinauszuzögern. Die Analysierung und Senkung der Fixkosten ist zwar ein Gebot der Stunde, es geht aber auch darum, die guten Mitarbeiter im Unternehmen zu halten“, plädiert Strohmaier. Da die Möglichkeit von Kurzarbeit nicht für alle Branchen in Frage kommt, sollten Unternehmen auch alle Maßnahmen zum Abbau von Urlaub und angelaufene Überstunden nutzen.