KSV1870 zu Coronavirus-Krise: „Finanzielles Fundament ist entscheidend“

24. März 2020 Drucken
KSV1870 zu Coronavirus-Krise: „Finanzielles Fundament ist entscheidend“
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Die heimischen Unternehmen haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet, dennoch ist laut KSV1870 aufgrund der derzeitigen Coronavirus-Wirtschaftsflaute ein deutlicher Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen zu erwarten.

In einer vor Beginn der Coronavirus-Krise durchgeführten KSV1870-Umfrage haben noch knapp 63 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage positiv bewertet. Ursprünglich für 2020 geplante Investitionen wollten 68 Prozent der Betriebe in erster Linie mit ihrem Eigenkapital finanzieren. Auch, weil die Unternehmen ihre Eigenkapitalquote zuletzt sukzessive erhöht haben: zwischen 2015 und 2018 im Schnitt um plus zwei Prozent pro Jahr. Diese Rücklagen helfen in der aktuellen Situation massiv. Mit einem deutlichen Anstieg der Firmenpleiten ist dennoch zu rechnen, so das Fazit des KSV1870.

„Es ist schon generell, aber insbesondere in angespannten Zeiten, unsere Aufgabe, an der Seite der Unternehmen zu stehen, um mit ihnen gemeinsam schwierige Situationen zu bewältigen. Wie groß die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise am Ende tatsächlich sein werden, kann heute noch nicht vorhergesagt werden, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO von KSV1870 und ergänzt: „Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung ist jedoch ein wesentlicher Schritt, um möglichst viele Unternehmen vor dem Zusperren zu bewahren. Unser Appell an die Unternehmer: Behalten Sie einen kühlen Kopf, schauen Sie, welche Formen der finanziellen Unterstützung für Sie individuell am besten passen und verfallen Sie vor allem nicht in eine Art Krisenlethargie.“

Wirtschaft ist durch Coronavirus nicht zum Erliegen gekommen

Trotz der angespannten Situation läuft die heimische Wirtschaft weiter: „Vielerorts werden nach wie vor Geschäfte abgeschlossen, Kunden gewonnen und Kredite vergeben. Die Bonität der Geschäftspartner sollte dabei auch weiterhin genau im Blick behalten werden“, so Gerhard Wagner, Geschäftsführer von KSV1870 Information.

Dabei sei es sinnvoll, sämtliche Vereinbarungen schriftlich festzuhalten, um nach der Krise – wenn die Schutzhandschuhe wieder ausgezogen werden – keine rechtlichen Probleme zu bekommen. Zudem ist es in dieser Phase laut Wagner besonders wichtig, mit seinen Geschäftspartnern laufend in Kontakt zu bleiben, wenn auch nur via Telefon oder E-Mail. Das stärke das gegenseitige Vertrauen und die langfristige Beziehung.

Inkasso: Forderungsmanagement mit sozialem Aspekt kombinieren

Die heimische Zahlungsmoral ist im internationalen Vergleich sehr gut und hat sich in der aktuellen Krise noch nicht gravierend verändert. Um die eigene Liquidität zu sichern, ist Unternehmen zu empfehlen, auch jetzt ein konsequentes Forderungsmanagement zu betreiben: „Das Legen der Rechnung ist und bleibt dabei der entscheidende Faktor. Allein schon deshalb, um Rechtssicherheit zu erlangen.

Wird eine Rechnung nicht bezahlt, sollte mit dem Geschäftspartner rasch Kontakt aufgenommen werden, um dessen individuelle Situation gemeinsam zu besprechen“, so Walter Koch, Geschäftsführer vom KSV1870 Forderungsmanagement. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es ratsam, eine für beide Seiten sinnvolle Lösung zu finden. Hier bieten sich Koch zufolge etwa Ratenvereinbarungen oder Stundungen an, um die Krise zu bewältigen.

Massiver Zuwachs an Insolvenzen ist zu erwarten

Aus heutiger Sicht ist laut dem KSV1870 mit einem deutlichen Anstieg bei den Insolvenzeröffnungen zu rechnen. „Ab wann dieser eintreten wird, ist noch völlig offen“, so Vybiral. Das hänge auch von der geplanten „Insolvenzbremse“ ab, welche die Regierung diskutiert. Aktuell sind betroffene Unternehmer verpflichtet, innerhalb von 60 Tagen eine Insolvenz zu beantragen, wenn entsprechende Insolvenzvoraussetzungen vorliegen und gleichzeitig auch eine negative Zukunftsprognose besteht. Diese Frist soll auf 120 Tage ausgeweitet werden. „Welche Unternehmen aktuell besonders gefährdet sind, hängt nicht nur von der jeweiligen Branche ab, sondern auch davon, wie gut der Betrieb in der Vergangenheit gewirtschaftet hat und wie hoch die finanziellen Rücklagen sind, um eine derartige Krise zu bewältigen“, erklärt Vybiral.

In Zeiten wie diesen geht es auch darum, gemeinschaftlich zu agieren. Der KSV1870 arbeitet weiter auf Hochtouren, um seine Mitglieder, Kunden und Geschäftspartner in diesen schwierigen Zeiten bestmöglich zu unterstützen. „Darüber hinaus kann ich Unternehmen nur empfehlen, sich trotz allem schon heute Gedanken über mögliche Zukunftsszenarien zu machen“, so Vybiral abschließend.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.