Geldanlage in Zeiten des Coronavirus

14. Mai 2020 Drucken
Geldanlage in Zeiten des Coronavirus
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Nach einem sehr langen Anstieg der Aktienmärkte kam es Mitte März zu einer dramatischen Korrektur der Aktienkurse. Rund um den Erdball sind Aktienindizes eingebrochen, weil Investoren vom Schlimmsten ausgegangen sind. In einem Blogbeitrag hat Markus Kaller von der Erste Asset Management GmbH (EAM) die aktuelle Situation analysiert.

Manche von uns haben noch schmerzliche Erinnerungen an die Finanzkrise, die 2008 durch die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers Inc. ausgelöst wurde. Mit der unerwarteten Insolvenz des bedeutenden Bankhauses begann auch damals eine bemerkenswerte Korrektur der Aktienkurse. Allerdings haben sich die Märkte von da an über die letzten zwölf Jahre sehr gut erholt und zu neuen historischen Höchstständen geeilt.

Viele Anleger konnten davon profitieren. Einige haben die Chancen ausgelassen und das Risiko einer Veranlagung in Aktien weiterhin gescheut. Diese fühlen sich nun bestätigt, weil wieder ein unerwartetes Ereignis den Kapitalmarkt und damit auch viele Klein- und Großanleger erschüttert hat.

Ein unerwartetes kleines Virus bringt die Wirtschaft zum Stillstand

Völlig unerwartet hat ein kleines Virus, das maximal 160 Nanometer groß ist, die Welt zum Stillstand und die Weltwirtschaft zum Erliegen gebracht. Eine mehr oder weniger prosperierende Weltwirtschaft wurde schlicht von Hundert auf Null gebremst.

Alle bis dahin vorhandenen, meist positiven, Prognosen für das Jahr 2020 waren plötzlich Makulatur. Damit nicht genug, kam auch noch ein Konflikt über die Ölfördermengen dazu, der zu einem Verfall des Ölpreises führte. Das „schwarze Gold“ verlor ebenfalls binnen kürzester Zeit um rund 30 Prozent seines Wertes.

Klar, dass das Virus in Kombination mit einem „Ölkrieg“ für den Kapitalmarkt generell und die Aktienmärkte im Besonderen reines Gift sind. Mitte März ist kein Stein auf dem anderen geblieben und alle Anlageklassen haben flächendeckend an Terrain verloren. Selbst Gold, die vermeintliche Krisenwährung schlechthin, musste Federn lassen und verlor in kurzer Zeit fast 15 Prozent an Wert.

Aktienmärkte entwickeln sich positiv

Soweit ein knapper Rückblick, denn in den Wochen nach dem Crash hat sich einiges getan. Nicht nur, dass die heimische Wirtschaft, allen voran der Tourismus und die Gastronomie, stark getroffen wurden, hat sich mit dem Virus auch eine Welle der Erschütterung über die Weltwirtschaft breit gemacht. Gleichzeitig haben – zumindest im Augenblick – die Märkte einen Boden gefunden und treten den Rückweg zu Kursgewinnen an.

Für viele Anleger und Investoren stellen sich dabei zumindest zwei Fragen: Wird die Wirtschaft, egal ob in Österreich, in Europa oder der ganzen Welt, zurück in die Spur finden und wachsen können? Und: wieso entwickeln sich die Aktienmärkte vergleichsweise positiv?

Dies scheint jedenfalls kontra-intuitiv zu sein. Eine gewisse Herausforderung bei der Beantwortung dieser Frage ist pikanterweise, dass es keine eindeutigen Antworten dafür gibt und vermutlich auch gar nicht geben kann.

Das Lager der Kommentatoren ist naturgemäß gespalten. Die Schwarzmaler wissen bereits, dass wir in eine noch nie da gewesene Rezession schlittern werden und glauben an den Weltuntergang. Einige (es sind definitiv weniger als die Schwarzmaler) denken, dass das nur eine temporäre, kurzfristige Erscheinung ist. Alles wird bald wieder gut.

Und um auch die Vertreter des Mittelwegs zu erwähnen: es ist im Moment nicht ideal, aber nach einer Phase eines negativen Wirtschaftswachstums, deren Länge nicht bestimmbar ist, wird auf Grund der weltweit gesetzten politischen Maßnahmen und der Eingriffe der Notenbanken, an einem Wiederaufbau gearbeitet.

Kurz gesagt: Nachdem die Ereignisse der letzten Wochen bis dato niemand so erlebt hat, ist jeder absolute Anspruch, die Zukunft vorher sagen zu können, wohl nicht ganz ernst zu nehmen.

Unsicherheit wird bleiben

Dennoch haben die meisten Äußerungen einige Gemeinsamkeiten: Zum einen müssen wir mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es zu einer globalen Rezession kommen wird, deren Ausmaß allerdings unbekannt sind. Zum anderen wird die weitere Entwicklung der Wirtschaft und auch an den Aktienmärkten massiv vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängen.

Jede positive Meldung zur Anzahl der Neuansteckungen wird als Strohhalm gerne aufgegriffen. Jede negative Nachricht zu bedauernswerten Todesfällen und der Ausweitung der Infektionszahlen wird eine Delle bewirken.

Wir erkennen also ziemlich deutlich, dass wir mit Unsicherheit leben müssen. Das ist ein Umstand, der uns unglücklich macht und der auch schwer zu beherrschen ist. Wer von uns lebt gerne in Ungewissheit? Wir alle bevorzugen Klarheit. Die gibt es aktuell nicht. Setzen wir nun die Brille des Anlegers auf.

Die Mixtur der Zutaten ist denkbar ungünstig: eine Pandemie, deren Beherrschung durch Medikamente oder Impfungen aus jetziger Sicht völlig offen ist. Eine wirtschaftliche Situation, die wir erahnen aber nur schwer prognostizieren können. Und das begleitet durch mehr oder weniger stark schwankende Märkte.

Ist das der Zeitpunkt, sich Gedanken über seine Veranlagung zu machen?

Es gilt zunächst, bestehende Portfolien zu durchleuchten. Ist die Zusammensetzung der Wertpapiere unter den jetzigen Umständen zeitgemäß und fühle ich mich damit wohl? Wenn auch nur der Verdacht eines Unbehagens besteht, ist es wahrscheinlich vernünftig, sich über ein De-Investment Gedanken zu machen.

Aber dabei gilt es zu bedenken, dass auch in einem schwierigen Umfeld eine Erholung möglich ist. So hat der Leitindex der Frankfurter Börse seit Mitte März einen Anstieg von cirka 25 Prozent verzeichnet.

Risiken reduzieren

Eine andere Perspektive ist, dass auch nach der Krise (genauso wie davor) eine gewisse Vorsorge vonnöten ist. Wer vor der Krise angespart hat oder gar mit Wertpapieren zum Erfolg gekommen ist, kann nun von Reserven zehren.

Aber soll man nun mit einem Einmalerlag einsteigen?

Da wie beschrieben eine gewisse Schwankungsfreudigkeit des Marktes besteht und Rückschläge nicht auszuschließen sind, gibt es bessere Möglichkeiten. Wer überlegt, die günstigen Kurse zu nutzen, kann in Tranchen über einen kürzeren Zeitraum – etwa 12 bis 24 Monate – einsteigen.

Oder wir greifen zum bewährten Mittel des Fondssparens. Es hat sich–nicht nur in dieser Krise – gezeigt, dass der regelmäßige Erwerb von Fondsanteilen zu einer Verteilung der Einstiegskurse führt und das Risiko von Marktschwankungen reduziert wird.

Schließlich besteht die Möglichkeit auf Kapitalgarantierte Produkte oder Investments mit einem gewissen Risikopuffer auszuweichen. Eine gewisse Auseinandersetzung mit den beschriebenen Themen bleibt dem Anleger nicht.

Markus Kaller ist Leiter Privatkunden Erste Asset Management.