Hotellerie rechnet mit schwierigem Start

28. Mai 2020 Drucken
Hotellerie rechnet mit schwierigem Start
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Dem Wiederaufsperren der österreichischen Hotellerie sieht die Gewerkschaft vida nur mit verhaltener Euphorie entgegen. Vor allem die mangelnde Auslastung der Häuser bereitet noch Kopfzerbrechen. Dieser Umstand könnte viele Arbeitsplätze kosten.

Ein Hotelbetrieb sei nicht einfach mit der Industrie vergleichbar, es brauche zu jeder Tages- und Nachtzeit Arbeitnehmer, wenn der Betrieb offen ist. Solange aber nicht ausreichend Gäste in Hotels nächtigten, sei ein wirtschaftliches Führen der Betriebe selbst mit minimalem Personaleinsatz nicht möglich. „Aufsperren dürfen, ist nicht aufsperren können“, so der Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, Berend Tusch, und „tausende Menschen, die vor allem in der Stadt-Hotellerie beschäftigt sind, bangen um ihren Arbeitsplatz oder haben diesen schon verloren“.

Ein Personalgrundstock sei auch bei minimaler Auslastung notwendig. Ebenso fielen monatlich weitere Kosten an, auf denen die Hotels sitzenblieben, wenn sie wegen der fehlenden Auslastung nicht den notwendigen Umsatz generieren zu könnten.

„Wenn die Bundesregierung in den nächsten Wochen und Monaten nicht einen weiteren Zuwachs an Arbeitslosen produzieren will, braucht es dringend finanzielle Unterstützung für die Beschäftigten, die Corona-Arbeitslosen und jene Betriebe, deren Auslastung gering ist, die aber den Beschäftigtenstand halten“, betonte Tusch.

Sorge um Gesundheit der Mitarbeiter

Der Gewerkschafter sorgt sich auch um die Gesundheit der Hotelmitarbeiter. Denn die Gäste müssen nur im Eingangsbereich und an der Rezeption einen Mund-Nasen-Schutz tragen, an den Tischen im Restaurant dürfen sie diesen abnehmen. Die Kellner wiederum müssen überall im Innenraum Masken tragen. Und sie müssen auch einen Covid-19-Test machen.

„Gegen Testungen für Beschäftigte im Tourismus ist natürlich nichts einzuwenden – wichtig ist, dass der Job unabhängig vom Testergebnis gesichert ist und alle getestet werden und nicht nur jene, die direkt am Gast oder Kunden arbeiten“, meinte Tusch. „Die Übertragung kann genauso durch Gäste erfolgen, die in mehreren Lokalen unterwegs sind – wie auch internationale Erfahrungen zeigen“, sagte der Gewerkschafter. Er versteht nicht, dass die Regierung einerseits Corona-Tests für Arbeitnehmer plane, die am Gast arbeiten, andererseits aber Gäste ohne Mund-Nasen-Schutz in geschlossenen Räumen herumlaufen lasse. „Die kurzfristig abgeänderte Verordnung, dass Gäste nur im Eingangsbereich Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, passt nicht zur Idee mit Tests für Beschäftigte“, findet Tusch.

„Soll es Corona-Tests für Beschäftigte im Tourismus geben, braucht es gleichzeitig das verpflichtende Tragen von Mund-Nasen-Schutz für Gäste in allen geschlossenen Räumen, außer man befindet sich am Tisch, im Hotelzimmer oder im Wellnessbereich“, so die Meinung des Gewerkschafters. Damit sei auch für jeden Gast klar, was wo gelte. Der vida-Gewerkschafter fragt sich zudem, was passiere, wenn „plötzlich ein Mitarbeiter tatsächlich positiv getestet wird“. Die Pläne seien dementsprechend nicht zu Ende gedacht.

Wiener Hotellerie rechnet mit geringer Auslastung

Auch Dominic Schmid, Obmann der Wiener Hotellerie blickt besorgt auf die Wiedereröffnung der Hotellerie: „Wir sehen für den Juni nur eine 5- bis 10-prozentige Auslastung. Um positiv zu bilanzieren, benötigen wir jedoch 77 Prozent“. Er hofft, dass die Öffnung der Grenzen zu Deutschland ab Mitte Juni weitere Gäste in die Bundeshauptstadt locken wird. Und er will auch die Wienerinnen und Wiener mit eigenen Angeboten zum Urlaub in der Heimat – samt Übernachtung im Hotel – motivieren.

Mit einer spürbaren Entspannung der Lage für die Wiener Hotellerie rechnet Schmid frühestens im Herbst, ab September könnte das besonders wichtige Segment der Geschäftsreisen wieder Fahrt aufnehmen, wenn die Reisebeschränkungen in Europa und weltweit wieder gelockert werden. Aber auch hier gilt dann: „März bis Juni waren in den letzten Jahren starke Monate für Geschäftsreisende, der Verlust dieser Buchungen wird heuer keinesfalls mehr aufzuholen sein“.

Deshalb hält Schmid eine Verlängerung der Kurzarbeit für seine Branche für wichtig: „Kurzarbeit ist eine wichtige Maßnahme für die Betriebe, um bewährte Mitarbeiter nicht kündigen zu müssen. Für die Hotellerie wird sie aber noch bis zum zweiten Quartal 2021 notwendig sein.“ (APA/red)

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.