Heimische Wirtschaft schrumpfte wegen Corona um 2,9 Prozent

29. Mai 2020 Drucken
Heimische Wirtschaft schrumpfte wegen Corona um 2,9 Prozent
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Österreichs Wirtschaft ist wegen der Coronakrise im ersten Quartal noch etwas stärker geschrumpft als bisher angenommen. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betrug im Jahresabstand real 2,9 Prozent. Das gab das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) bekannt. Bei der ersten Schätzung vor einem Monat war man von minus 2,7 Prozent ausgegangen.

Stärker als zuletzt gedacht war laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) vor allem die Abschwächung der Konsumausgaben der Privathaushalte, die 4,3 Prozent statt 3,6 Prozent ausmachte – womit sich auch der Einzelhandel noch mehr abschwächte. Auch Industrie und Bauwirtschaft erlitten infolge der Covid-19-Pandemie und der Maßnahmen zu deren Eindämmung Wertschöpfungseinbußen. Der Außenhandel sackte von Jänner bis März ebenfalls stärker ab: Exporte und Importe gaben binnen Jahresfrist um 4,2 bzw. 4,9 Prozent nach, Ende April war man noch von 3,9 bzw. 4,4 Prozent Rückgang ausgegangen.

Im ersten Quartal 2020 lag die heimische Wirtschaftsleistung nach den aktuellen Berechnungen um 2,9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Gegenüber der Vorperiode sank das BIP um 2,6 Prozent (Kenn­zahl laut Eurostat-Vorgabe). Damit wurde das Ergebnis der Schnellschätzung (‑2,7 Prozent im Vorjah­resvergleich bzw. ‑2,5 Prozent im Vorquartalsvergleich) von Ende April leicht nach unten revidiert.

Im Vergleich zum Ausbruch der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise im Spätherbst 2008 stellt sich der Wachstumseinbruch in der gegenwärtigen Krise deutlich kräftiger dar. Ein BIP-Rückgang dieser Größenordnung ist zu Beginn einer Krise in Friedenszeiten außergewöhnlich. Das rasante Tempo des Einbruchs zeigt sich besonders deutlich in den saisonbereinigten Werten im Vor­quartalsvergleich.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und der einhergehenden Maß­nahmen zeigten sich auch im Euro-Raum und der EU. Gemäß den Eurostat-Berechnungen von Mitte Mai sank das saisonbereinigte BIP im I. Quartal im Euro-Raum um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, in der EU um 3,3 Prozent.

Massive Einbußen bei Handel und Tourismus durch Covid-19

In Österreich wurden die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie ab Mitte März gesetzt. Diese zogen einen wirtschaftlichen Einbruch in der zweiten Märzhälfte nach sich, wel­cher den gesamtwirtschaftlichen Verlauf im Q1 2020 maßgeblich bestimmte. Das in der Schnellschätzung Ende April gezeichnete Bild der sektoralen Betroffenheit der heimischen Wirt­schaft wurde in der aktuellen Rechnung bestätigt.

Die konsumnahen Handels- und Dienstleistungsbereiche verzeichneten massive Einbußen. Im Tourismus führten das vorzeitige Ende der Wintersaison und die Betriebsschließungen zu Umsatz­ausfällen. Im Einzelhandel kam es zwar in Bereichen für die Grundversorgung (z. B. Lebensmit­telhandel) zu erhöhter Geschäftstätigkeit, diese konnte die Ausfälle in anderen Bereichen (z. B. Bekleidung, Schuhe) jedoch nicht kompensieren. Insgesamt sank in den Bereichen Handel, In­standhaltung und Reparatur von Kfz, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie die Wertschöp­fung gegenüber dem Vorjahr um 7,3 Prozent und zeigte sich mit ‑1,5 Prozentpunkten für mehr als die Hälfte des BIP-Rückganges im ersten Quartal verantwortlich.

Am stärksten war das Minus freilich in den Bereichen Sport-, Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen sowie persönliche Dienstleistungen (etwa Frisöre) mit unverändert 8,1 Prozent sowie im großen Bereich „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie“ mit weiterhin 7,3 Prozent. Stabilisierend wirkte hingegen die wirt­schaftliche Dynamik der Bereiche Information und Kommunikation, Kredit- und Versicherungs­wesen, Grundstücks- und Wohnungswesen sowie die öffentliche Verwaltung.

Industrie stark betroffen

Nachdem die Industrie bereits im Laufe des Jahres 2019 in eine Rezession geraten war, verstärk­ten die Produktionsausfälle im März diese Entwicklung weiter. Die Wertschöpfung in der Sach­gütererzeugung sank im ersten Quartal um 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Bauwirtschaft verlief die Konjunktur hingegen bis zum Ausbruch der Krise sehr gut, sodass in Q1 insgesamt nur ein moderater Rückgang verzeichnet wurde (‑0,7 Prozent). Auf der BIP-Nachfrageseite wurde der Konsum, welcher für gewöhnlich eine über den Konjunk­turzyklus hinweg stabilisierende Rolle hat, durch die gesundheitspolitischen Maßnahmen und die Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte massiv eingeschränkt.

Mit der gestiegenen Unsicherheit wurde die Investitionstätigkeit im ersten Quartal zurückgenommen, wobei hier die Ausrüstungsinvestitionen (‑6,1 Prozent) stärker reagierten als die Bauinvestitionen (‑1,0 Prozent). Insgesamt sanken die Bruttoanlageinvestitionen um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Vor dem Hintergrund der weltwirtschaftlichen Betroffenheit durch die Covid-19-Pandemie wurden auch die Exporte im ersten Quartal eingeschränkt (‑4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Das be­trifft sowohl die Waren (‑5,1 Prozent) als auch die Dienstleistungen (‑2,3 Prozent). Die Importe sanken um 4,9 Prozent, sodass der Außenhandel einen minimal positiven Beitrag zur BIP-Veränderung erzielte. (APA/red)

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