Coronakrise: Größere Unternehmen erwarten längere Erholungszeit

17. Juni 2020 Drucken
Coronakrise: Größere Unternehmen erwarten längere Erholungszeit
© pixabay

Die Coronakrise trifft alle Firmen und Branchen jeder Größe, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. In Österreich erwarten große Unternehmen eine deutlich längere Krisen-Erholungszeit als kleinere. Zudem erwarten die Branchen Industrie und Bau eine raschere Erholung als die Gastrobranche. Das ergab eine Untersuchung der Wirtschaftsuniversität Wien (WU).

Die Corona-Pandemie stellt die Wirtschaft weltweit vor enorme Herausforderungen. Unternehmer stehen vor zahlreichen offenen Fragen – gerade Zukunftsentscheidungen bei hoher Unsicherheit bergen Risiken.
Die Covid-19-Pandemie sowie die Maßnahmen, diese einzudämmen, stellen für zahlreiche Unternehmen in Österreich eine enorme Herausforderung dar. Jonas Puck, Professor an der WU Wien, untersuchte in einer durch den WWTF geförderten Studie, wie Unternehmer die Coronakrise wahrnehmen und welche Ableitungen sie daraus für zukünftige Investitionen ziehen.

Größere Unternehmen erwarten längere „Erholungszeit“

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Zeit bis zur Erholung von der Krise je nach Branche sehr unterschiedlich eingeschätzt wird. Während zum Beispiel die verarbeitende Industrie von rund 9,6 Monaten ausgeht, werden im Gastgewerbe 15,9 Monate bis zur vollständigen Erholung von der Krise erwartet. „Wie zu erwarten war, nehmen die Unternehmer auch entsprechend der Betroffenheit von Corona-Maßnahmen die Krise unterschiedlich wahr. Eine relativ schnelle Erholung wird in der Baubranche erwartet (7,8 Monate) – im Gegensatz zum unterstützenden und administrativen Dienstleistungssektor (22,6 Monate).“ Generell gehen größere Unternehmen von einer längeren Zeit bis zur vollständigen Erholung von sich und ihren Lieferketten nach der Krise aus. „Sehr große Unternehmen gehen durchschnittlich von 12 Monaten aus, mittlere Unternehmen von nur 10,7. Daraus lässt sich schließen, dass kleinere Unternehmen auch flexibler sind und besser auf die Krise reagieren können“, so Puck.

Pessimismus in Vorarlberg

Die Firmen in Vorarlberg erwarten mit 15,2 Monaten die längste Regenerationszeit, in der Steiermark ist man mit 8,8 Monaten optimistischer. Der Studienautor erklärt: „Gründe für die pessimistischere Prognose der Vorarlberger Unternehmen könnten die teilweise geschlossenen Grenzen oder auch die Gemeinden sein, die unter Quarantäne standen.“ Die Tiroler Firmen gehen mit 12,6 Monaten von der zweitlängsten Erholungszeit aus. Trotz geschlossener Grenzen sehen die Kärntner Firmen positiver in die Zukunft und erwarten nach 9,1 Monaten eine vollständige Erholung. „Kärnten wies im Verhältnis zu anderen Bundesländer bis dato auch deutlich weniger Coronafälle auf“, so Puck.

Unterstützung aus öffentlicher Hand

Zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben außerdem an, während der Coronakrise öffentliche Unterstützung beantragt zu haben oder, dass sie planen, diese zu beantragen. Im Rahmen der Studie werden die befragten Unternehmer noch 2 weitere Male befragt, um so das Stimmungsbild der österreichischen Wirtschaft während der Coronakrise weiter beobachten zu können.

„Wir wissen heute aus der Forschung, wie sehr die Wahrnehmung einer Krise unternehmerisches Handeln beeinflusst. Die Ergebnisse unserer Untersuchung sind daher vor allem für politische EntscheidungsträgerInnen relevant, denn sie zeigen, wie die Stimmungslage von Österreichs Unternehmen in der Krise ist und zeigen Potenziale, wie politische EntscheidungsträgerInnen durch ihre Kommunikation das Stimmungsbild und den Ausblick der Unternehmen beeinflussen können. Mit diesem Wissen lassen sich nachteilige wirtschaftliche Folgen minimieren, denn gerade jetzt brauchen wir Optimismus und Investitionsbereitschaft für die Zukunft“, so Puck.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.