#glaubandich: Willkommen in der Hyper-Acceleration

17. Juni 2020 Drucken
#glaubandich: Willkommen in der Hyper-Acceleration
© Niki Ernst

Covid-19 ist keine Krise sondern ein Vorbote der Hyper-Acceleration in der exponentiellen Entwicklung unseres Planeten. „Übermorgen“ gibt es zwei Unternehmen: die einen sind damit beschäftigt, die Zukunft zu gestalten, die anderen sind damit beschäftigt, ihr letztes Mobiliar zu verkaufen.

Sind Sie noch da? Sehr oft verliere ich nach Worten wie diesen ein paar Leute im Publikum. Einmal ist sogar jemand aufgestanden und hat den Raum verlassen. Fair enough. Ein paar Leute im Publikum fragen mich dann, ob ich das nicht fürchterlich und/oder beängstigend finde. Ich frage dann gerne zurück, ob wir uns mit Angst beschäftigen wollen, oder mit Vision. Eins von beiden bringt uns nämlich nicht vom Fleck.

Wenn Sie noch immer da sind, dann sprechen wir ab jetzt von Vision. Also nicht von den Arbeitsplätzen, die wegfallen, allerdings auch nicht von den Arbeitsplätzen, die geschaffen werden. Ich glaube, dazu sind schon alle Meinungen und Kommentare auf dem Tisch. Sprechen wir davon, wie jeder einzelne, also auch SIE für diese nächste Welt vorbereitet sind, sich dafür fit machen.

Seit 2012 gestalte ich Innovationstouren im Silicon Valley, eine Woche mit 4 bis 5 Terminen pro Tag, die sich genau dieser Frage stellen: wohin entwickelt sich meine Industrie und wie schnell kann ich dafür sorgen, dass mein Unternehmen diese Zukunft gestaltet. In einer Welt in Hausarrest findet das nun online statt. Zwei Termine pro Tag, selbe Mission: Ich möchte jede Woche das Leben von 10 Menschen verändern.

Herausforderung oder Chance, eine Frage der Sichtweise

Zurück zur Welt von morgen, eine Welt die uns aktuell vor Augen hält, wo wir in der Vergangenheit falsch gelegen sind – welche Konzepte uns in dieser Zukunft nicht nach vorne bringen werden. Die Theorien drehen sich alle um den Überbegriff „exonomics“, als die Welt der Exponentiellen Organisationen, die im Unterschied zu Linearen Organisationen nicht bemüht sind, Produkte so oft wie möglich zu verkaufen („wird es skalieren?“ – eine klassische Frage aus diesem Mindset), sondern erkennen, dass die Gleichung zum Erfolg lautet: Wenn man Milliardär werden möchte, dann muss man das Leben von einer Milliarde Menschen verbessern.

Wir verlieben uns also in Probleme und nicht in Lösungen, was natürlich damit beginnt, aufzuhören, Dinge die keine Probleme sind, Problem zu nennen – dafür wirkliche Probleme nicht mit dem rosa Mascherl – Herausforderung oder Chance – zu verharmlosen. Herausforderungen oder Chancen können wir uns stellen, oder sie annehmen, Probleme sollten wir lösen.

In dieser Welt von morgen haben wir uns dann auch endlich wieder von der Predigt verabschiedet, wir sollten so oft und so schnell wie möglich Fehler machen. Ein Fail-Fast-Fail-Forward kann nicht falscher übersetzt werden mit der Ansage, sich ab sofort in Fehler zu verlieben. Die meisten von uns sind nicht im Fehlermachen-Geschäft, also sollten wir auch nicht so tun, als würden wir uns über Fehler freuen. Fehler sind nichts anderes als Erfolge, nämlich: Informationen, Datenpunkte. Datenpunkte die uns sagen: „das funktioniert“ oder „das funktioniert nicht“.

Technologie ist ein Instrument

Ich möchte dem Leser, der mich bis hier her begleitet hat, ans Herz legen, sich davon zu verabschieden, Technologie als Treiber für die Entwicklung zu sehen. Technologie ist kein Treiber, bestenfalls ein Instrument. So wie ein Klavier keine Musik macht, sondern der Pianist der (hoffentlich) weiß, damit umzugehen. Wenn wir ein Problem, eine Sorge, ein Bedürfnis, einen Wunsch oder ähnliches identifizieren, für dessen Lösung oder Umsetzung Menschen Geld ausgeben, dann wird Technologie entweder ohnehin schon zur Verfügung stehen oder sehr schnell und überraschend günstig entwickelt werden.

Wir sind in der Era, in der Maschinen und Menschen einander gegenüber stehen und sich nur der Mensch die Frage stellt, ob er von der Maschine ersetzt wird. Die Maschine stellt sich diese Frage nicht. Der Maschine ist das relativ egal, sie hat kein Machtbedürfnis. Aber alles, was Menschen nicht machen sollten, wird die Maschine besser machen, als der Mensch. Also müssen wir uns daran erinnern, was wir besser können, als die Maschine.

Unter anderem spreche ich dabei von den sogenannten „Soft Skills“. Wenn es irgendetwas gibt, worin Silicon Valley tatsächlich besser ist, als alle Orte in denen ich in meinem Leben war, dann ist es wahrscheinlich die Art und Form wie Menschen dort miteinander umgehen. Was hört man von außerhalb über die Region? „Silicon Valley is 120km2, surrounded by reality“.

Es ist an der Zeit, diese „Reality“ zu hinterfragen. Weil in einigen wesentlichen Aspekten des Lebens hat sich diese Reality wohl geirrt. Immerhin sind wir jetzt da, wo wir gelandet sind. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, sich eine andere „Reality“ persönlich anzuschauen. Weil ab jetzt wird es schnell.

Die nächste Virtual Tour findet von 29.06. bis 03.07 statt und kann an zwei Terminen pro Tag vom Computer aus begleitet werden, der Preis ist 500 Euro. Die nächste Onsite Silicon Valley Inspiration Tour findet von 10. bis 14.08. statt – mit täglich 5 Terminen zwischen San Francisco und San Jose und kostet 3.000 Euro pro Teilnehmer (Frühbucher bis 30.06. zahlen 2.500 Euro).

Der Autor Niki Ernst ist Co-Gründer und CEO der Silicon Valley Inspiration Tours, der Global Inspiration Tours und der School of Talk. Seit etwa 20 Jahren baut er weltweit communities, war 7 Jahre Global TEDx Ambassador und arbeitet u.a. seit 2015 als faculty coach bei der Singularity University.