KSV1870: Verzögerte Insolvenzanträge schaden der Wirtschaft

24. Juni 2020 Drucken
KSV1870: Verzögerte Insolvenzanträge schaden der Wirtschaft
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Seit Beginn der Coronavirus-Krise in Österreich, am 16. März 2020, sind die Firmenpleiten laut dem KSV1870 nicht gestiegen, sondern vielmehr ist das Gegenteil eingetreten: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist gegenüber dem Normalbetrieb auf rund 50 Prozent gesunken.

Dabei handle es sich nicht um einen Statistikfehler, sondern um eine Konsequenz der durch die Regierung gesetzten Coronavirus-Maßnahmen. Der KSV1870 warnt in diesem Zusammenhang in einem offenen Brief vor einschneidenden Konsequenzen für die österreichische Wirtschaft bei Fortführung dieser Vorgehensweise.

Obwohl sich die Unternehmerlandschaft mit einer der herausforderndsten Situationen der Geschichte konfrontiert sieht, gibt es dennoch weniger Insolvenzen als in Normalzeiten – zumindest offiziell. „Nur weil weniger Insolvenzen vor Gericht angemeldet werden, heißt das noch lange nicht, dass weniger Unternehmen zahlungsunfähig geworden sind“, erklärt Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz beim KSV1870, und warnt davor,  die Zahlen nicht miss zu interpretierten.

KSV 1870 nennt Gründe für die täuschenden Statistiken

Es gibt drei Hauptgründe, die zu der aktuellen Datenlage geführt haben. Zuerst einmal wurde die Frist für Insolvenzanträge, etwa bei Zahlungsunfähigkeit, von 60 auf 120 Tage ausgeweitet. Weiters wartet eine Vielzahl der Unternehmen zu und hofft, mithilfe staatlicher Mittel die Krise finanziell zu überwinden. Zudem stellen die österreichischen Finanzbehörden sowie die Gesundheitskassen keine Insolvenzanträge – sie sind aber in Normalzeiten die Hauptantragssteller. „Mit diesem Vorgehen werden Unternehmen regelrecht dazu ermutigt, mit einem Insolvenzantrag zuzuwarten. Das kann bedeuten, dass sie nicht rechtzeitig die Chance erhalten, durch ein Insolvenzverfahren ihr Unternehmen zu sanieren und so einen Neubeginn zu starten“, erklärt Götze.

Die aktuelle Handhabe, Insolvenzen auf die lange Bank zu schieben, ist weder für die Unternehmen, noch die Gläubiger und schon gar nicht für die österreichische Wirtschaft sinnvoll. Wenn ein Unternehmen in finanzielle Schieflage gekommen ist, ist ein Insolvenzantrag auch eine Chance auf einen ehrlichen und besonders nachhaltigen Neubeginn.

Ein Hinauszögern der Antragstellung vermindert hier nicht nur die Entschuldungschancen, sondern vergrößert mitunter sogar die bereits bestehenden Vermögensschäden zusätzlich. Als Konsequenz könnten aktuell noch sanierungsfähige Unternehmen in ein paar Monaten jegliche Vermögenswerte verloren haben, wodurch sie in weiterer Folge keine Basis für eine mögliche Sanierung mehr vorweisen können und zu 100 Prozent liquidiert werden müssten. Nicht zuletzt ist dann auch von einer unnötigen Vernichtung von Arbeitsplätzen die Rede.

Konsequenzen für die Zukunft der heimischen Wirtschaft

Durch die aktuelle Handhabe seitens der Finanz- und den Gesundheitskassen, keine Insolvenzanträge zu stellen, wird kein Problem gelöst, sondern vielmehr die Tatsache von kränkelnden Unternehmen negiert. „Durch diese Form der Insolvenzverschleppung werden die Probleme der gesamten Wirtschaft nur noch weiter vergrößert anstatt sie zu verringern. Es ist jetzt an der Zeit, zu einer wettbewerbsorientierten Volkswirtschaft zurückzukehren. Nur so investieren wir tatsächlich in eine erfolgreiche Zukunft eines gestärkten österreichischen Wirtschaftsstandortes“, so Ricardo-José Vybiral, Geschäftsführer des Kreditschutzverband von 1870.

Eine Insolvenz ist in erster Linie die Möglichkeit einer bis zu 80 prozentigen Entschuldung und damit eine zeitnahe Chance auf einen Neubeginn. Unternehmer können sich dabei auf ein erfolgreich erprobtes österreichisches Insolvenzsystem mit funktionierenden Werkzeugen verlassen. Daher plädiert der KSV1870 auch dazu, zu sanieren, bevor es zu spät ist – und das gerade in der jetzigen Situation. „Aktuell besteht innerhalb der Wirtschaft ein überdurchschnittlich hohes Verständnis dafür, dass Unternehmen Insolvenz anmelden müssen, da es sich um eine durch externe Faktoren aufgekommene Krisensituation handelt. Somit ist auch die Chance größer, mittel- und langfristig unbeschadet als Unternehmer wieder neu durchstarten zu können und es ist davon auszugehen, dass Gläubiger aktuell sämtliche Sanierungsbemühungen mittragen und im Regelfall Entschuldungsangeboten zustimmen. Denn auch für sie ist es immer noch besser, von Ihren Forderungen eine Mindestquote von 20 Prozent wieder zu sehen, als komplett durch die Finger zu schauen“, fasst Vybiral zusammen.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.