Schub für Künstliche Intelligenz durch Coronakrise

24. Juni 2020 Drucken
Schub für Künstliche Intelligenz durch Coronakrise
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Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft erwarten durch die Coronakrise einen erheblichen Schub für die Künstliche Intelligenz (KI). Einer von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie kommt zu dem Schluss, dass die Krise die Bedeutung und Entwicklung von KI-Technologien deutlich steigern werde.

Dies gelte sowohl für die Wirtschaft als auch den Bildungsbereich. KI könne nun noch schneller zum elementaren Wettbewerbsfaktor werden und damit die gesellschaftliche Akzeptanz für Künstliche Intelligenz spürbar beschleunigen. Bertelsmann-Experte Ole Wintermann erklärte, „durch die Coronakrise kommen digitale Technologien nun noch schneller in noch mehr Lebensbereichen zum Einsatz.“

Deshalb sei es nun umso wichtiger, in eine gesamtgesellschaftliche Debatte über eine intensivere KI-Nutzung einzusteigen. Die Studienautoren empfahlen der Politik, nun einen Ordnungsrahmen für die Entwicklung und den Einsatz von KI zu setzen. Es seien Standards und Richtlinien etwa für die Ethik, Transparenz, Datenqualität, Nutzerzentrierung sowie informationelle Selbstbestimmung nötig. Künstliche Intelligenz müsse dem Wohl der Bürger dienen, die Politik müsse ein grundlegendes Verständnis dafür in der Bevölkerung schaffen.

Administrative Aufgabenbereiche für Künstliche Intelligenz

In der Interaktion zwischen Mensch und Maschine richten die Unternehmen laut der Befragung weiterhin den Fokus auf die menschlichen Kompetenzen und entwickeln diese zielgerichtet weiter. Das zeigt, dass das Vertrauen in die menschliche Leistungs- und Entwicklungsfähigkeit unangefochten ist. Sowohl für die Wirtschaft (87 Prozent) als auch für die Gesellschaft (76 Prozent) sehen die Befragungsteilnehmer hier positive Tendenzen.

Weitgehend einig sind sich die Experten hingegen bei der Frage, ob der Einsatz von KI die Aufgabenbereiche des Managements verschieben wird: 76 Prozent meinen, dass KI administrative Aufgabenbereiche wie Aufgabenplanung, Zielerreichung und Kontrolle übernehmen wird. Da KI-Technologien künftig in Unternehmen einen Großteil der Entscheidungen vorbereiten werden, ist das Management hauptsächlich für Personalführung, Motivation und Kreativleistungen verantwortlich. 80 Prozent der Experten erwarten dadurch sogar positive Effekte für die Wirtschaft.

Die Ergebnisse sind Teil einer Sondererhebung im Rahmen einer Zukunftsstudie der Bertelsmann-Stiftung. In dieser mit über 500 Befragten aus Wirtschaft und Wissenschaft erstellten Studie waren die meisten Experten der Auffassung, dass die Wirtschaft derzeit die Auseinandersetzung mit der Künstlichen Intelligenz bestimme. In zehn bis fünfzehn Jahren sehen die meisten der befragten Experten aber Gesellschaft und Politik als diejenigen, die den Diskurs bestimmen. (APA/red)