2019 war Rekordjahr für Patente aus Österreich

03. Juli 2020 Drucken
2019 war Rekordjahr für Patente aus Österreich
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2019 war ein Rekordjahr für österreichische Erfinder: Weltweit kamen 11.731 Patentanmeldungen aus Österreich. Damit übertrifft 2019 das bisherige Rekordjahr 2016. Heimischer Rankingführer ist zum wiederholten Male AVL List, gefolgt von Julius Blum und Engel. Insgesamt wurden letztes Jahr 2.724 Erfindungen beim Österreichischen Patentamt angemeldet.

Besonders Patente in den Bereichen Umweltmanagement, umweltfreundliche Gebäude und klimaschonende Verkehrstechnologien kommen aus Österreich und man liegt damit über dem EU-Schnitt. Insgesamt ist man im EU-Vergleich auf dem sechsten und weltweit auf dem elften Platz. „2019 waren Österreichs Erfinder und Kreative extrem aktiv. Im Österreichischen Patentamt hatten wir um 6 Prozent mehr Markenanmeldungen und eine stärkere Nachfrage nach Patent-Dienstleistungen als im Vorjahr. Unsere IP Academy hat fast 2.000 Newcomern beigebracht, wie man geistiges Eigentum schützt. Letztes Jahr – noch rechtzeitig vor der Krise – haben wir es geschafft, für unsere Kunden zu 100 Prozent digital verfügbar zu sein. Das hat uns sehr geholfen, unser Angebot auch während des Lockdowns im vollen Umfang am Laufen zu halten“, sagt Patentamtspräsidentin Mariana Karepova.

Die Corona-Krise hat kurzfristig vor allem die Markenanmeldungen getroffen, „sie sind im April und Mai um 30 Prozent zurückgegangen“, so Karepova. Es sei aber nur eine kurze Talfahrt gewesen, im Juni sei es wieder bergauf gegangen. „Bei den Patenten waren vor allem private Einzelerfinder betroffen, die vermutlich aus Kostengründen mit den Anmeldungen gezögert haben.“ Die Unternehmen hätten jene Erfindungen, die vor der Pandemie in der Pipeline waren, noch zum Patent angemeldet. „Wie sich die Wirtschaftskrise weiterhin auf Forschung, Entwicklung und Patente auswirkt, bleibt noch abzuwarten.“ Auch AVL-List-Chef Helmut List meinte in diesem Zusammenhang, dass man Forschungstätigkeiten während der aktuellen Krise weiter fördern müsse und nicht einsparen sollte. Das Europäische Patentamt rechnet heuer mit 10 Prozent weniger Patentanmeldungen.

Oberösterreich bei Patentanmeldungen vorne

Rankingführer ist zum wiederholten Male AVL List (mit 169 zum Patent/Gebrauchsmuster angemeldeten Erfindungen), gefolgt von Julius Blum und Engel. Insgesamt wurden letztes Jahr 2.724 Erfindungen beim Österreichischen Patentamt angemeldet. Das Bundesland Nummer eins ist Oberösterreich – mit 642 Erfindungsanmeldungen. Das ist, um über 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bundesländer auf Platz zwei und drei sind: Die Steiermark mit 463 und Wien mit 436 Erfindungsanmeldungen. Die größte Chance, eine Erfinderin oder einen Erfinder zu treffen, hat man in Vorarlberg. Das westlichste Bundesland liegt auf Platz eins bei der Anzahl an Erfindungen pro Einwohner.

„Die Elektrifizierung des Antriebsstranges stellt eine Schlüsseltechnologie zur nachhaltigen CO2-Reduktion dar. Wir bei AVL sehen einen Wettlauf und ein Miteinander unterschiedlicher Technologien in den Bereichen der Primärenergie, der Energieträger und der Antriebssysteme. Zur Erreichung der Klimaziele hat AVL in den letzten drei Jahren nahezu 100 Erstanmeldungen allein mit Schwerpunkt Wasserstoff und Brennstoffzellen eingereicht“, sagt Helmut List, CEO AVL List.

2019 brachte auch einen satten Anstieg der Markenanmeldungen. 6.261 Marken wurden beim Österreichischen Patentamt angemeldet – das ist um rund 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Marken wurden in Wien angemeldet (1.852), gefolgt von Niederösterreich (866) und Oberösterreich (748). Weltweiter Spitzenreiter bei Patenten ist nach wie vor China, in den USA ist die Dynamik etwas zurückgegangen, so Karepova. Auch in Indien und Israel tue sich viel. „Die Patentqualität steigt überall an“, so List.

Insgesamt wurden fast 11.000 Innovationen an das Österreichische Patentamt herangetragen – nicht nur Patent- und Markenanmeldungen: Auch die Serviceleistungen des Patentamtes fanden 2019 regen Zuspruch. 1.292 Mal wurden die Services für Erfindungen, Marken und Designs, von den heimischen Erfindern in Anspruch genommen.

Junge Unternehmen und KMU unterschätzen geistiges Eigentum

Junge Unternehmen vernachlässigen oft den Schutz ihres geistigen Eigentums. Nur 9 Prozent aller KMU in der EU besitzen eigene Marken, Patente und Designs. Wenn man alleine die Patente betrachtet, dann sind es nur noch 0,8 Prozent aller KMU in der EU. Das Österreichische Patentamt hat daher die IP Academy gegründet, wo in Schulungen Interessierte alles über Patente und Marken erfahren, zurzeit eben in Webseminaren.

Auch die Dienstleistungen des Patentamtes haben besonders Newcomer im Fokus: Charlotte Ohonin hat zB. der Patent Scheck geholfen, ihre Idee zu schützen. Die Gründerin des Startups Norganoid, hat ein Gerät erfunden, mit dem Medikamente für neurologische Erkrankungen, wie Alzheimer oder Parkinson, am Gehirn eines konkreten Patienten getestet werden, ohne den Körper zu berühren. Dafür wird eine Miniatur des Organs auf einem Chip hergestellt. Organ-On-Chip nennt sich die Technologie, die sich gerade zum Megatrend auswächst. Charlotte Ohonin: „Zunächst waren wir uns nicht im Klaren darüber, dass unsere Ideen patentierbar sind. Erst Science Park Graz machte uns auf den Patent Scheck aufmerksam. Nun planen wir weitere Anmeldungen.” (APA/red)

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.