„Toxisches Selbstbewusstsein“ beeinflusst Entscheidungen von CEOs

22. Juli 2020 Drucken
„Toxisches Selbstbewusstsein“ beeinflusst Entscheidungen von CEOs
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Unternehmen bewerten ihre Finanzlage oftmals im Vergleich mit anderen Markteilnehmern der gleichen Branche oder auch im Vergleich zu vorigen Geschäftsjahren und adaptieren dementsprechend ihre Endscheidungen. Eine aktuell veröffentlichte Studie von Christian Schumacher von der WU Wien zeigt, dass die Persönlichkeit von CEOs bei diesen Evaluationsprozessen eine wesentliche Rolle spielt. Übertriebenes Selbstbewusstsein kann rationalen Entscheidungen im Weg stehen.

Zur eigenen Performancemessung und -evaluation nutzen Unternehmen unter anderem den internen und externen Vergleich – mit den Geschäftszahlen der Vorjahre sowie jenen der Mitbewerber. Studienautor Christian Schumacher vom Institute for International Business der Wirtschaftsuniversität Wien: „Im nächsten Schritt stellt sich die Frage, wie CEOs mit diesem Vergleich, also dem positiven oder negativen Feedback auf ihre aktuelle Finanzlage, umgehen. Genau an diesem Punkt setzt unsere Studie an: Wir wollten wissen, wie sich das Selbstbewusstsein bzw. übertriebenes Selbstbewusstsein der CEOs auf deren Interpretation der Ergebnisse auswirkt. In der wissenschaftlichen Literatur gilt dieses Persönlichkeitsmerkmal als ein entscheidender Faktor bei Führungspersönlichkeiten.“

Chefs mit übertriebener Überzeugung von ihren Fähigkeiten schätzen demnach die finanzielle Situation ihres Unternehmens optimistischer ein als ihre Kollegen und reagieren viel schwächer auf externes und internes Feedback. Das könne rationalen Entscheidungen im Wege stehen, berichten die WU-Forscher im Strategic Management Journal. „Das heißt: Obwohl die finanzielle Situation im Unternehmen möglicherweise sehr schlecht ist und eine Änderung in der Firmenstrategie verlangen würden, interpretieren diese CEOs die prekäre Situation viel positiver und reagieren erst viel später mit einer Änderung – was selbstverständlich verheerende Folgen für das Unternehmen haben kann“, so Schumacher. In ihrer quantitativen Studie untersuchten die Studienautoren alle Unternehmen im S&P1500 Index, welcher die 1.500 größten amerikanischen börsennotierten Unternehmen beinhaltet, in der Zeitperiode von 1992 bis 2014.

Weibliche CEOs haben eine weniger verzerrte Wahrnehmung

In einer zusätzlichen Analyse stellte sich zudem heraus, dass weibliche CEOs generell eine weniger verzerrte Wahrnehmung der finanziellen Situation haben und damit stärker auf Feedback reagieren. „Frauen sind seltener übertrieben selbstbewusst was ihre eigenen Fähigkeiten betrifft, das spiegelt sich auch in unserer Studie wider“, so Schumacher, „Diese akkuratere Einschätzung der eigenen Fähigkeiten führt dazu, dass Frauen viel stärker auf Feedback von anderen Unternehmen und eigenes ‚historisches Feedback‘ reagieren.“ (APA/red)